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Auch der Hausflur wird geputzt

Wohnungswirtschaft

Die Die "U35 CampusLinie" bringt die Studenten schnell zu ihrem neuen Zuhause in Herne. © Stadt Herne, Thomas Schmidt

Herne – die Studentenstadt? Die „CampusLinie U35″ direkt zur Uni und bezahlbarer Wohnraum mit tollen „Extras” locken immer mehr junge Mieter an.

Mit quietschenden Bremsen rollt die U35 in den U-Bahnhof Herne-Strünkede ein. Endstation, der Wagen macht sich zurück auf den Weg in Richtung Ruhr-Universität Bochum (RUB). Endstation auch für Lars Mader. Der 22-Jährige stöpselt sein i-Phone aus, packt sich seine Tasche und springt auf den Bahnsteig. Feierabend nach einem langen Tag an der RUB.

Nervige Parkplatzsuche ist für den angehenden Lehrer für Sport und Geschichte ein Fremdwort. Lars Mader nutzt lieber täglich die „CampusLinie”, wie die BOGESTRA die U35 getauft hat. Diese Verbindung war einer der Hauptgründe, warum sich der junge Göttinger Herne als „Ersatz-Heimatstadt” während der Studienzeit ausgesucht hat. Mader: „Die Wohnung ist bezahlbar, die Verbindung zur Uni bequem, schnell und obendrein für Studenten kostenlos. Was will ich mehr?”

  • Studenten leben gerne in Herne. Sie loben die Infrastruktur und das gute Angebot an Geschäften in ihrem Wohnumfeld. © Stadt Herne, Horst Martens

Herne als Studentenstadt? Lars Mader ist kein Einzelfall, denn immer mehr private Wohnungsvermieter, Wohnungsgesellschaften und Wohnungsgenossenschaften in unserer Stadt bieten gezielt Wohnraum für Studierende der umliegenden Universitäten an. So leben nur rund 13 Prozent der etwa 35.000 Bochumer Studenten in den Wohnheimen der RUB, der Rest sucht sich auf dem freien Markt eine Bleibe oder nutzt das – unbestritten preiswerte – „Hotel Mama”.

 Anlaufstelle bei der Uni Bochum

„Vor dem Wintersemester, das am 1. September an der Fachhochschule und am 1. Oktober an der RUB beginnt, strömen bei uns ab Anfang Juli die Wohnungsanfragen ein”, erklärt Rosemarie Heeger vom Akademischen Förderungswerk (AKAFÖ) der Bochumer Universität. Immer mehr Vermieter aus Herne, nach ihren Angaben zurzeit fast 40 Prozent, nutzen diese Schnittstelle, um freien Wohnraum anzubieten. Die Vermittlung durch das AKAFÖ erfolgt zumeist übers Internet, aber auch über das gute, alte „Schwarze Brett”. Heeger: „Unsere Studenten schätzen vor allem die gute Anbindung von Herne an die Uni und die im Vergleich zu Bochum preiswerteren Mieten.”

Kenner des Wohnungsmarktes bestätigen diese Einschätzung. Stamatios Stamensis von der LEG Immobilien AG, die in NRW nach eigenen Angaben über 260.000 Bewohnern ein Zuhause gibt, sagte kürzlich bei der „Herner Wohnungsbörse” auf dem Buschmannshof: „Aufgrund der angespannten Lage am Bochumer Wohnungsmarkt schauen sich viele Wohnungssuchende auch in den Nachbarstädten um. Herne profitiert dabei von den umliegenden Universitätsstätten.”

HGW: 20 Prozent Nachlass auf die Kaltmiete

Ein Trend, den auch Thomas Bruns spürt. Der Geschäftsführer der Herner Gesellschaft für Wohnungsbau (HGW) bietet Studierenden, aber ebenso auch Azubis oder Schülern, den „Campus-Tarif” an. Thomas Bruns: „Das machen wir seit knapp sieben Jahren. Unser Bonbon ist ein Preisnachlass von 20 Prozent auf die Kaltmiete.” Die rund 50 Wohneinheiten der HGW, die zurzeit über den „Campus-Tarif” vermietet werden, sind alle belegt. Ein Indiz für Thomas Bruns, dass „wir hier auf dem richtigen Weg sind. Außerdem stellen wir regelmäßig neue Angebote ins Netz”. Und noch etwas ist für den HGW-Chef wichtig: „Für uns ist dies eine Win-Win-Situation. Denn mit dem ,Campus-Tarif‘ können wir auch Wohnungen vermieten, die zum Beispiel im 3. Obergeschoss liegen und keinen Aufzug haben.” Zu den Mietern der HGW zählen nicht nur die beliebten Studenten-WGs, sondern auch Singles oder Paare, die zumeist zwischen drei und fünf Jahre lang in den Wohnungen der HGW ihr Studentenleben genießen.

Freies Internet und XXL-Kühlschränke

Keinen Extra-Tarif, aber einen Extra-Service bietet der Wohnungsverein Herne den Studierenden. Die Genossenschaft schnürt ein „Rundum-Sorglos-Paket”. Sie sorgt in bislang fünf Studenten-Wohngemeinschaften nicht nur für freien Internetzugang, sondern auch für ein komplett eingerichtetes Wohnzimmer und eine große Küche mit „extra großen Kühlschränken”, so der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Abraham. Mögliche Stolpersteine im nachbarschaftlichen Miteinander räumt die Genossenschaft von vornherein aus dem Weg. Die Reinigung des Treppenhauses übernimmt ebenfalls der Wohnungsverein. Karl-Heinz Abraham: „Wofür wir leider nicht sorgen können, ist eine Verbesserung des sozialen Angebots. In Herne fehlen Szenekneipen, doch die können selbst wir nicht herbeizaubern.”

Kurze Wege und genügend Auswahl 

Trotzdem: Auch wenn die Auswahl an Gelegenheiten für einen „Absacker” um drei Uhr in der Früh in Herne nicht gerade üppig ist, kann die Stadt immer erfolgreicher mit ihren Pfründen wuchern: Die „Campus-Linie”, eine erstaunlich große Auswahl an Wohnraum, deutlich geringere Mieten als in Bochum und obendrein attraktive Extras – damit sind Studenten zu locken. Violetta Ziegler ist deshalb eigens von Bochum in die Herner City gezogen. Was die 32jährige Studentin der Komparatistik und Theaterwissenschaft bewogen hat, freut nicht nur die Herner Wohnungswirtschaft, sondern auch den Handel: „Es gibt viele Gründe, warum man gut als Student in Herne wohnen kann. Die Infrastruktur zur Universität und zum Rest des Ruhrgebiets ist sehr gut. Und man findet alle Geschäfte in der Innenstadt, die man zum täglichen Leben braucht.”

Mehr Informationen: www.akafoe.de/wohnen / www.hgw-herne.de / www.wohnungsverein-herne.de

Text: Jochen Schübel

Fotos: Thomas Schmidt, Horst Martens, HGW

In den Großstädten wird’s eng und teuer 

Eine Studie des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e. V. kam im Mai 2013 u. a. zu folgenden Ergebnissen:

– Seit 2002 ist die Zahl der Studierenden in Deutschland (+23 %) deutlich stärker gestiegen als die Zahl der Wohnplätze (+3 %). Die sich im Bau befindlichen und geplanten Studentenwohnheime reichen zur Stabilisierung der Unterbringungsquote in Wohnheimen nicht aus.

– In Kombination mit einer niedrigen Unterbringungsquote treten hohe Angebotsmieten vorwiegend in Großstädten auf. Beispiele für solche Brennpunkte mit Angebotsmieten über 8,- Euro/Quadratmeter und einer Unterbringungsquote unter zehn Prozent sind z.B. Hamburg, Potsdam, Köln, Frankfurt und Wiesbaden.

– Zum Vergleich: In Herne liegen die Mietpreise für Wohnungen laut Mietspiegel zwischen 4,80 und 6,80 Euro pro Quadratmeter.