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Azubis meistern Aufgaben mit fiktiven Handicaps

Herner Azubi-Inklusionstag im Technischen Rathaus

Wie fühlen sich Menschen mit Behinderungen? Welchen Herausforderungen stellen sie sich bei Behördengängen? Wie können städtische Angestellte Menschen mit Handicap dabei helfen? Diese Fragen können die neuen Auszubildenden der Stadt Herne nun beantworten. Denn beim 1. Herner Azubi-Inklusionstag am Donnerstag, 6. September 2018, im Technischen Rathaus haben die jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedliche Selbsterfahrungsübungen gemacht.

Themen waren: kognitive Einschränkungen, Erblindung, Gehörlosigkeit/Schwerhörigkeit, Gehbehinderung, Alterssimulation und Barfuß-Sinnesparcours. Vor dem Haupteingang des Rathauses steht gerade Emine Eren. Die Auszubildende bekommt von Kerstin Fischer-Friedhoff, Inklusionsbeauftragte der Stadt Herne, die Augen verbunden. An ihrem Arm kennzeichnet eine Binde ihre fiktive Behinderung. Mit einem Blindenstock ausgerüstet, muss sie nun einen Parcours bewältigen und bei einem Sachbearbeiter, den es zuerst zu finden gilt, eine Rechnung begleichen.

  • Die neuen Auszubildenden der Stadt Herne sollten für das Thema Inklusion sensibilisiert werden. © Frank Dieper, Stadt Herne

Einer ihrer Kollegen hat eine ähnliche Aufgabe, allerdings muss er zunächst mit dem Rollstuhl die Rampe zum Foyer bewältigen. In einem Besprechungsraum sitzen derweil andere Azubis, die Sätze in Leichte Sprache übersetzen. Und am Eingang zu Gebäude B werden Auszubildende barfuß über unterschiedliche Materialien geführt. An der Kantine verbirgt sich noch die Station mit „GERT“, dem Gerontologischen Testanzug. 25 Kilogramm ist er schwer und nimmt den jungen Menschen die Bewegungsfreiheit. „Es fühlt sich sehr beengt an, als würde ich jemanden tragen müssen“, erklärt Johann Kehl, der samt Rollator einen Brief in den dritten Stock bringen musste, während Kolleginnen und Kollegen eine Aufgabe gehörlos bewältigen mussten.

33 Auszubildende der Stadt Herne haben am 1. Inklusionstag für Azubis der Stadt Herne teilgenommen. Ausbildungsleiter Matthias Völkel zeigte sich zufrieden: „Ich bin beeindruckt, wie gut alle mitmachen.“ Und auch die Inklusionsbeauftragte Kerstin Fischer-Friedhoff sieht die erstmalige Aktion als gelungen an: „Wir wollen die neuen Kolleginnen und Kollegen für die Herausforderungen, die Menschen mit Behinderung bewältigen müssen, sensibilisieren und damit das Verständnis vergrößern.“

Mittlerweile ist auch Emine Eren trotz verbundener Augen wieder sicher am Haupteingang angekommen: „Ich hatte zwar eine Begleitperson, aber man muss sich sehr gut vertrauen. Alleine habe ich mich unsicher und hilflos gefühlt. Bisher konnte ich mir gar nicht vorstellen, wie es ist blind zu sein. Jetzt habe ich einen Eindruck bekommen.“

Anja Gladisch