Beeindruckend bodenständig

23. April 2024 | Ausgabe 2024/2

Ein Besuch im Logistikzentrum von Familie Steinmeister

Die Cranger Kirmes ist Kult und untrennbar mit unserer Stadt verbunden. Ganz besonders gilt das für Familien wie die Steinmeisters, die seit mehr als vier Jahrzehnten mit Steinmeister‘s Bierpavillon einen der beliebtesten Treffpunkte auf Crange betreiben. Bei einem Besuch im Logistikzentrum des Familienbetriebes berichtet Oskar Steinmeister über die Anfänge des Unternehmens und gewährt einen Einblick in die aktuellen, äußerst beeindruckenden Dimensionen.

„Meine Familie war schon früh im Bereich Gastronomie unterwegs. Meine Großeltern hatten mehrere Trinkhallen in Wanne-Eickel, unter anderem An der Burg. Sie haben das DSC-Stadion bewirtschaftet, ebenso wie die darunterliegende Kegelbahn. Irgendwann ist daraus die Idee meines Vaters erwachsen, zusammen mit seinem Bruder einen kleinen, asiatisch gestalteten Stand auf Crange zu betreiben, der 1981 seine Premiere auf der Kirmes hatte.“

Daraus wurde dann ziemlich schnell mehr, schon im Jahr darauf ging es erstmals auf den Essener Weihnachtsmarkt und auch der Stand auf Crange wuchs weiter rasant, so Oskar Steinmeister, der weiter ausführt: „Das bedingte aber auch, dass wir irgendwann an einem Punkt waren, wo wir in Herne vier Lagerstätten an unterschiedlichen Orten hatten. Im Haus meines Vaters standen in einer Wohnung die Spül- und Kaffeemaschinen, andernorts hatten wir ein dreistöckiges Lager, der hölzerne Fußboden lag seinerzeit bei Müntefering-Gockeln und dann gab es noch ein Grundstück, auf dem die Hänger standen. Das war eine ziemliche wilde Zeit.“

„Das war eine ziemlich wilde Zeit.“

Oskar Steinmeister im Palettenlager.

Kirmes setzt sich durch

Damals hatte sich der Junior nach dem Abitur zunächst für ein Studium entschieden und das, obwohl er seit seinem 15. Lebensjahr quasi in Vollzeit bei seinem Vater mithalf. Das war aber nicht das einzige Problem: „Während meiner Zeit an der Uni stand ich stets vor der Herausforderung, dass die Klausuren ausgerechnet in der ersten Augustwoche geschrieben wurden. Die Entscheidung zwischen Lernerfolg und der unternehmerisch wichtigsten Woche im Jahr ist dann letztlich zugunsten der Kirmes gefallen.“ Als für Oskar Steinmeister endgültig feststand, dass er den Betrieb gemeinsam mit seinem Vater fortführen will, war für ihn ebenso schnell klar, dass sich in Sachen Logistik etwas ändern muss und so fällte die Familie die Entscheidung, ein passendes Grundstück zu suchen. „Der Neubau Op der Heide war letztlich der Katalysator dafür, dass wir uns so breit aufstellen konnten.“

Beeindruckende Dimensionen

Seit 2020 wird die ganze Logistik der Familie Steinmeister von diesem 3.200 Quadratmeter großen Gelände aus bewältigt, das etwa 1,5 Kilometer von der Kirmes entfernt angesiedelt ist. Hier stehen knapp 1.000 Quadratmeter Hallenfläche zur Verfügung und jede Menge Platz drumherum. Es gibt 450 Palettenstellplätze, einen Gabelstapler, eine E-Ameise und Equipment, das völlig unabhängig von Fremdmaterial einen reibungslosen Betriebsablauf garantiert und sich komplett im Firmenbesitz befindet. „Darauf kann vor allem mein Vater sehr stolz sein.“ Auf dem Außengelände stehen übrigens auch noch die in Wanne-Eickel schon legendären Fässer der Hülsmann- Brauerei gut versteckt und von Planen geschützt. Aktuell teilen sich Vater Bernd und Sohn Oskar das Unternehmen und beschäftigen 18 Festangestellte in Vollzeit über das ganze Jahr. „Zur Cranger Kirmes ändert sich die Lage natürlich, dann sind es rund 320 angemeldete Kräfte. Davon arbeiten an einem Freitag oder Samstag bis zu 165 Personen gleichzeitig. Ein monströser Aufwand, für zehn Tage Kirmes ein mittelständisches Unternehmen aufzumachen und unmittelbar danach wieder zu schließen. Da spielt uns der Biergarten am Kanal natürlich in die Karten, bringt eine gewisse Struktur ins Unternehmen und sorgt über den Sommer für rund 90 angemeldete Mitarbeitende.“ Wie viele Gäste an einem Abend den Biergarten auf Crange besuchen, das hat Oskar Steinmeister noch nie nachgehalten. „Das ist eigentlich nur für das Sicherheitskonzept relevant, nicht aber für mich.“

Inmitten von Heizpilzen für den Weihnachtsbetrieb.

Das Kirmesmaskottchen „Fritz, das Grubenpferd“ wartet auf den nächsten Einsatz.

Gläser ohne Ende

Platz ist auf rund 2.000 Quadratmetern aber jede Menge, auch wenn jeder Steinmeister-Fan weiß, dass es zu Stoßzeiten – wie überall auf derKirmes – auch mal rappelvoll werden kann. Eine beeindruckende Zahl, die das belegt: „Wir ordern Jahr für Jahr zirka 8.000, speziell und ausschließlich für uns produzierte Gläser, die mehr oder weniger alle nach einer Kirmessaison weg sind. Für uns im Übrigen ein großer Kostenfaktor, denn ein Glas kostet inzwischen rund zwei Euro im Einkauf.“

Die Konsequenz daraus: Bis zu 18 Personen sind am Stand nur damit beschäftigt, Gläser einzusammeln. Das hat für den Jungunternehmer gleich mehrere Vorteile. Es spart nicht nur Geld, sondern ist auch ökologisch sinnvoll, vermeidet Glasbruch und mindert die Unfallgefahr. Dem Thema Sicherheit widmen die Steinmeisters ohnehin viel Aufmerksamkeit, bis zu 30 Sicherheitskräfte passen auf, dass am Stand alles friedlich bleibt.

Sicher ist sicher

„Wir haben die Verantwortung für jeden unserer Gäste und gerade deshalb bin ich froh, dass die Statistik ganz klar zeigt, dass die Zahl der Gewalttaten bei uns am Stand rückläufig ist. Vor zehn Jahren gab es noch häufiger Auseinandersetzungen, heute passiert selbst an einem Freitagabend wenig, manchmal auch gar nichts.“ Zurückzuführen sei das auf mehr Personal und Präsenz in diesem Bereich, aber auch auf eine strenge Auswahl. Oskar Steinmeister gibt seinem Team immer wieder mit auf den Weg: „Jeder Kunde ist bei uns König, solange er sich wie einer verhält. Ist das nicht so, ist es mir einerlei, ob er ein Bier getrunken hat oder ob er hundert Bier bezahlt hat. Dann muss er gehen!“

Insgesamt, so merkt Oskar Steinmeister an, gehe es angesichts der vielen Menschen und des zuweilen durchaus hohen Alkoholpegels aber sehr friedlich im Biergarten auf Crange zu. „Die Medien fokussieren sich halt auf die wenigen Vorkommnisse, weil es stets eine emotionale Sache ist und Klicks im Internet bringt.“

„Jeder Kunde ist bei uns König, solange er sich wie einer verhält.“

Text: Philipp Stark     Fotos: Thomas Schmidt