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Da geht doch was …

WFG-Chef Holger Stoye über das Projekt „wanne.2020plus"

Das Projekt „wanne.2020plus”, gestartet Mitte 2018, ist eingebunden in den „Pakt für Wanne”. Ziel ist eine lebenswerte Innenstadt Wanne. Holger Stoye, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, verrät die Strategie dahinter.

  • Eine “wanne.2020plus”-Veranstaltung. © Thomas Schmid, Stadt Herne

inherne: Bei der WFG laufen im Prozess wanne.2020plus die Fäden zusammen. Was ist das Ziel des Projekts?

Stoye: Vor einigen Jahren wurde die Wanner City im Rahmen des Projekts „jetzt wanne” umgestaltet. Durch die Maßnahmen hat sich viel verbessert. Trotzdem brauchen wir einen neuen Anlauf, auch im Hinblick auf die allgemeine Entwicklung von Innenstädten. Wir setzen da an, wo wir die besten Chancen sehen und Akteure sich einzubringen bereit sind.

inherne: Dann haben Sie gar keinen Plan?

Stoye: Natürlich erarbeiten wir eine Strategie. Ausgangspunkt sind Fachgespräche und Gesprächsrunden. Rund 50 Einzel- und Gruppengespräche wurden bereits geführt. Außerdem gab es zwei OB-Plenumsrunden und Bürgerforen. Weitere Gespräche sind geplant.

inherne: Gibt es schon Ergebnisse?

Stoye: Wir brauchen bessere Informationsgrundlagen. So haben wir Passantenfrequenzmessungen sowohl in der Hauptstraße als auch in der Bahnhofstraße in Herne-Mitte durchgeführt. Die Wanner Spitzenwerte sind nicht allzu weit von jenen des Herner Zentrums entfernt sind (1.900 zu 2.700). Die Frequenz hat jedoch höhere Ausschläge: Sie zeigt weniger Stabilität auf. Einzelne Abschnitte werden gezielt aufgesucht.

inherne: Wo gibt es Handlungsbedarf?

Stoye: Wir haben Herausforderungen nur in Gastronomie, Einzelhandel und Dienstleistung. Gewünscht sind eine Qualitätssteigerung bei der Optik der Immobilien, eine Bewohnerdurchmischung, Angebote für Jung und Alt sowie kleine und große Budgets, für Berufspendler ebenso wie für vor Ort Bleibende. Vorschläge gibt es auch bezüglich der Verbesserung der Erreichbarkeiten und räumlichen Funktionalitäten sowie der Länge der Fußgängerzone.

inherne: Apropos Fußgängerzone …

Stoye: Wanne hat mit 700 Metern eine Fußgängerzone so lang wie die Luxusmeile Roms. Gut funktionierende Fußgängerzonen sind aber in der Regel kürzer. Unsere Passantenfrequenzmessung in Wanne zeigte, dass es eine etwa 350 Meter lange 1a-Lage gibt.

inherne: Welche Ideen gab es bei den Bürgerforen?

Stoye: Im Zentrum des ersten Forums stand eine Zusammenstellung von Stärken und Schwächen. Dies resultierte in 233 Moderationskarten, die für das Projekt, aber auch für den gesamten „Pakt für Wanne” ein Reservoir an Vorschlägen, Kritikpunkten und Ideen bildet. Das zweite Bürgerforum diente dazu, einen Zwischenstand des Projekts vorzustellen. Wir wollten konkret wissen, was die Bürger meinen bei Themen wie: Vor- und Nachteile einer Verkürzung der Fußgängerzone, Abschnitte darin, die ungenügend ausgeleuchtet sind oder in anderer Weise Unwohlsein erzeugen, bestehende oder fehlende Qualitäten des Wohnens sowie gute und schlechte Beispiele von Stellplätzen für Fahrräder und Pkw.

inherne: Wie gehen Sie nun konkret mit den Vorschlägen um?

Stoye: Wir können nicht alle Wünsche auf einmal abarbeiten, müssen Prioritäten setzen. Es wird an Vorschlägen für eine bessere Ausleuchtung sowie für Beschilderungen und digitale Kommunikation gearbeitet. Wichtig ist: Es haben sich Partner gefunden, die sich am Prozess beteiligen. So bauen die Stadtwerke ein Ladenlokal zu einem Servicecenter aus, die wewole-Stiftung will sich engagieren und die Wohnungsgesellschaft HGW hat im Block zwischen Haydn-, Stöck-, Heine- und Hauptstraße Schlüsselimmobilien erworben. Die kulturelle Stadtentwicklung durch das Kreativ.Quartier wird fortgesetzt. Jens Rohlfing unterstützt ein Quartiersmanagement für Wanne.

inherne: Welche Zielvorstellung haben Sie?

Stoye: Alle geführten Gespräche zeigen deutlich, dass wir zwischen zwei miteinander konkurrierenden Ausrichtungen stehen: kleines Nahversorgungszentrum oder eine zweite City in der Stadt. Wollen wir das „Dorf Wanne” oder „Erlebnis Wanne”? Ein Nahversorgungszentrum richtet sich an etwa 23.000 Einwohner und ist mit seinem Erscheinungsbild und seinen Angeboten an den Bedarfen der Anwohner orientiert. Ein zweites Stadtzentrum muss 40.000 bis 60.000 Einwohnern ansprechen und mit einem breiten Angebot ein urbanes Erscheinungsbild haben.

Info: Es gibt in der Heinestraße 1 beim Kreativ.Quartier Wanne einen realen und auf der Website www.wanne2020.plus einen digitalen Briefkasten, den Bürger nutzen können, um ihre Ideen und Angebote loszuwerden.