So gelingt der Start in die Fahrradsaison

13. Januar 2025 | Ausgabe 2025/1

Zweiradmechaniker Sven Strauß gibt Tipps für die erste Ausfahrt

Die Sonne zeigt sich immer öfter, sie lockt in die Natur oder auf die Erzbahntrasse: Spätestens Anfang April läuten viele Fahrradfahrer die neue Saison ein. Doch auf was ist zu achten vor der ersten Ausfahrt? Die inherne-Redaktion holte sich Tipps vom Fachmann – in der Werkstatt von „Fahrrad Korte“.

Nach den Wintermonaten ist die Sehnsucht groß nach einem kräftigen Tritt in die Pedale. Und kaum ist das angestaubte Fahrrad aus der Garage geholt, geht es auch schon in die nächste Kurve. Sven Strauß meint: „Keine gute Idee.“ Der Zweiradmechaniker kennt die Ungeduld vieler Menschen, die einfach nur schnell losfahren wollen, ohne ihr Rad genau in den Blick zu nehmen. „Das fängt schon mit dem Reifendruck an. Zu wenig Luft schränkt das Fahrverhalten ein und erhöht die Pannenanfälligkeit“, rät der 33-Jährige unbedingt zu einer Kontrolle. Und das übrigens nicht nur zum Saisonstart. Der Reifendruck solle alle zwei Wochen
kontrolliert werden. „Ein bar zu wenig kann bei einem E-Bike bereits ein Verlust von 15 bis 20 Prozent der Reichweite bedeuten.“

Zweiradmechaniker Sven Strauß in der Werkstatt von Fahrrad Korte.

„Beide Bremsen benutzen“
Um sicher sein Ziel zu erreichen, sind funktionierende Bremsen unerlässlich. Aus Sicht von Sven Strauß ist es besonders ratsam, die Bremsen bereits im Stand auszuprobieren und nicht erst, wenn der Tacho ordentlich Tempo anzeigt. Der Recklinghäuser, der seit 2014 in d er Werkstatt an der Bahnhofstraße 123 arbeitet, wundert sich bei vielen Inspektionen, dass oft nur eine Bremse zum Einsatz kommt: „Viele benutzen nur die Hinterradbremse, die dann fast schon runtergebremst ist bis auf das Metall, während die vorderen Bremsbeläge fast unbeschadet sind. Das sollte nicht sein, es ist absolut sinnvoll, beide Bremsen zu benutzen.“

Regelmäßige Inspektion

Nicht nur in Bezug auf die Bremsen muss der Experte seine Kundschaft immer wieder daran erinnern, dass bei einem E-Bike durch den Motor ganz andere Kräfte wirken. Immerhin bringt so ein Gefährt zwischen 20 bis 30 Kilo auf die Waage. „Da macht es einen Unterschied, ob ich mit einem herkömmlichen Treckingrad vielleicht 17 Stundenkilometer fahren oder mit einem B-Bike 25 Stundenkilometer. Da muss eine viel höhere Masse abgebremst werden.“ Entsprechend groß sind die Belastungen auf die einzelnen Komponenten und der damit einhergehende Verschleiß. Nicht nur deshalb rät der Zweiradmechaniker: „Wer regelmäßig mit seinem E-Bike unterwegs ist, sollte spätestens nach 2.000 bis 2.500 Kilometer eine Inspektion beim Fachhändler durchführen lassen. Viele leasen inzwischen auch ihr Rad, wo meistens eine jährliche Inspektion vorgesehen ist.“

Haben die Reifen noch genug Profil, ist die Gummimischung nicht porös?

Reparierte und neue Laufräder lagern unter der Decke, sind aber schnell griffbereit.

Besonderer Wunsch: Stand auf der Cranger Kirmes

Das besondere Highlight seines Sortiments: eine Bratwurst nach deutschem Rezept mit Kalb und Pute. „Viele muslimische Mitbürgerinnen und Mitbürger wollten auch gerne mal eine richtige Bratwurst essen, auf der Kirmes zum Beispiel. Jeder, der diese Bratwurst probiert hat, sagt, dass sie genauso schmeckt wie das Original.“ Damit helfe er auch der Integration derjenigen, die ebenfalls ihre Wurzeln in der Türkei haben: Nun können muslimische und nicht-muslimische Menschen gemeinsam grillen und freuen sich gleichermaßen auf ihre Bratwurst – so funktioniert Integration am besten. Für die Zukunft der Stadt wünscht sich Kartal vor allem, dass sie weiter belebt wird: zum Beispiel durch den Ausbau der Innenstadt, des Rathauscarrés und des Hauptbahnhofs. Und als Wanne-Eickeler hat er noch einen ganz besonderen Wunsch für die nächsten Jahre: ein Stand auf der Cranger Kirmes mit seiner Bratwurst.

Pflege nicht vernachlässigen

Im Straßenbild sind immer mehr hochwertige Räder zu sehen. Diese Entwicklung bestätigt auch der Mitarbeiter von „Fahrrad Korte“, der sich umso mehr darüber wundert, dass das Thema Pflege häufig vernachlässigt wird. „Eine schlechte Pflege bedeutet einen höheren Verschleiß. Es gibt Menschen, die meinen, eine Kette benötigt kein Öl“, berichtet Strauß, der selbst pro Jahr rund 2.000 Kilometer mit einem E-Lastenrad unterwegs ist. Darüber hinaus steigt er auch gerne auf sein Mountainbike. Dann ist nach einer längeren Fahrt ein Blick auf die Kette für den Experten Pflicht. „Die Kette samt Schaltwerk und Ritzel sollten immer schön sauber sein“, rät Strauß zu einer regelmäßigen Pflege und dem richtigen Öl. „Im Sommer kommt eher ein trockenes Öl zum Einsatz. Das ist nicht so klebrig und nimmt nicht so viel Schmutz auf. Komme ich dann allerdings in einen Regenschauer, muss nachgeölt werden.“

Auf Hochdruckreiniger verzichten

Der 33-Jährige ist also ein Fan davon, sein Rad stets sauber zu halten, vom Einsatz eines Hochdruckreinigers rät er allerdings dringend ab. Noch ein Tipp zum Abschluss: „Immer mit Helm fahren. Und nicht vergessen, auch die Lebensdauer eines Helmes ist begrenzt. Nach einem Sturz sollte er sowieso ausgetauscht werden.“ Na dann, gute Fahrt – bitte ohne Sturz …

Text: Michael Paternoga     Fotos: Thomas Schmidt, Adobe Stock (KI)