Das nächste „Batmobil“ verlässt die Werkstatt

7. Januar 2024 | Ausgabe 2024/1

Dr. Oliver Wirtz baut Kultautos der Filmgeschichte

Der „DeLorean DMC-12“ ist vielleicht das bekannteste Fahrzeug der Filmgeschichte. Und spätestens, wenn „Marty McFly“ und „Doc Brown“ ins Spiel kommen, wissen auch Menschen, die mit Autos eigentlich nichts am Hut haben, um welchen Kinoklassiker es geht: natürlich um „Zurück in die Zukunft“. Dr. Oliver Wirtz ist Schrauber aus Leidenschaft und baute das Auto als Fanprojekt mehrfach nach. Aktuell steigt er allerdings öfter in sein neues „Batmobil“

Beim Besuch der inherne-Redaktion fehlt noch der letzte Feinschliff und die schwarze Lackierung, die das Fahrzeug erst zu einem „Batmobil“ macht. „Ansonsten ist es fast fertig“, sagt Dr. Wirtz bei der Begrüßung in Ochtrup. Dorthin hat es den gebürtigen Wanne-Eickeler samt eigenem Osteopathie-Zentrum inzwischen verschlagen. An jedem Wochenende tauscht der Mediziner die Praxisräume gegen die Werkstatt ein.„Mit 14 Jahren habe ich mein erstes Schweißgerät gehabt, mit 16 Jahren die ersten Fahrzeuge restauriert“, war Dr. Wirtz schon in jungen Jahren fasziniert von Motoren, Karosserieteilen und Geschwindigkeit.

Als Oberarzt und Unfallchirurg im Einsatz

Mit Anfang 30 rückten dann immer mehr die unverwechselbaren Autos aus der Filmgeschichte in den Fokus. Mit der wahrscheinlich berühmtesten Zeitmaschine, die es je auf die Leinwand geschafft hat, fing alles an. Gleich mehrere „DeLorean DMC-12“ mit der Edelstahl-Oberfläche und den markanten Flügeltüren landeten auf seiner Hebebühne. Unzählige Stunden wurde geschraubt. Damals übrigens auch noch im richtigen Job – allerdings waren die Schrauben auf dem OP-Tisch etwas kleiner. Denn Wirtz arbeitete viele Jahre als Oberarzt und Unfallchirurg in Coesfeld, zuvor übrigens auch als Assistenzarzt im St. Anna Hospital, wo er auch geboren wurde.

Ob „Batmobil“ oder „Jurassic Park“ – Dr. Oliver Wirtz ist begeistert von den Kultautos der Filmgeschichte.

Im Fan-Austausch mit Thorsten Sträter

Noch aufwändiger als die Arbeit an der „Zeitmaschine“ erweist sich sein neues Fanprojekt – das „Batmobil“ aus dem Streifen von 1989.„Den DeLorean gab es ja schon als fertiges Auto. Beim Batmobil sieht das natürlich ganz anders aus, da muss man bei null anfangen und alles nachbauen“, betont der 58-Jährige. Ein „Chevrolet Impala“ dient als Rahmen. „Das wurde auch 1989 so gemacht“, ist Wirtz bestens informiert. Die äußere Hülle – beim inherne-Besuch noch in weiß – wurde aus einem glasfaserverstärkten Kunststoff hergestellt. „Als problematisch erwies es sich, die passenden Sportsitze zu bekommen. Ein Einsitzer hätte locker gepasst, aber es musste ein Zweisitzer her.“ Warum? Weil im Film zwei Personen hinter dem Steuer sitzen. Michael Keaton und Kim Basinger lassen grüßen. Das Filmpaar wird wohl niemals in den originalgetreuen Nachbau von Dr. Wirtz steigen. Bei Thorsten Sträter sieht das schon anders aus. Der bekannte Comedian ist großer „Batman“-Fan und steht im engen Austausch mit dem Mediziner.

Ein Frühstück mit Chuck Norris

Der traut sich übrigens nicht das erste Mal an ein Fahrzeug des Superhelden heran. Auch ein „Tumbler“, der 2005 in „Batman Begins“ zu sehen war, verließ bereits die Werkstatt. Von dort ging es für einige Nachbauten zum Teil direkt auf die eine oder andere Messe. Wirtz zeigt sich überrascht über die große Fanszene bei diesen Treffen. Und auch über die Prominenten. „Da habe ich viele Stars getroffen, für die ich früher acht Mark an der Kinokasse gezahlt habe“, erinnert sich Wirtz an Begegnungen mit Mel Gibson oder Christopher Lambert. „Am Frühstückstisch sitzt man dann plötzlich auch mal neben Chuck Norris oder Arnold Schwarzenegger.“ Peter Lustig hat dort sicherlich nicht gefrühstückt. Das machte er viel lieber in seinem blauen Bauwagen – bekannt aus der Serie „Löwenzahn“. Auch dieses Kultobjekt hat es dem Osteopathen angetan. Es stand einige Zeit im Garten samt Dachterrasse, Stuhltreppe und Außenbadewanne. „Ich suchte lange nach dem Originalschirm aus der ersten Folge. Als ich ihn hatte, gab es plötzlich in Folge vier einen anderen“, sagt Wirtz zum Abschied und steigt in seinen Geländewagen: Wer das Auto sieht, kennt das Ziel: „Jurassic Park“ …

Text: Michael Paternoga     Fotos: Frank Dieper