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Der Feuerwerker

Sascha Tietze und sein Team lassen den Himmel über Crange leuchten

© Malte Reiter

Gleich drei Mal wird in diesem Jahr der Himmel über Crange von Feuerwerk erleuchtet. Dahinter stecken Sascha Tietze und sein Team von der FOG fireworks + sfx GmbH aus Bottrop-Kirchhellen. 2006 haben sie zum ersten Mal Feuerwerk über Crange gezündet, seit 2009 sind sie durchgehend dabei. „Für uns war Crange ein richtiges Prestigeobjekt. Wir haben natürlich Gas gegeben, als wir den Auftrag bekommen haben. Wir waren alle stolz wie Oskar, denn Crange ist eine feste Größe im Ruhrgebiet“, erzählt Tietze. „Die Leute freuen sich auf das Feuerwerk, es ist Tradition und für uns als Ruhrgebietler ist das die Top-Veranstaltung.“

Feuerwerker mit eigener Handschrift

„Das Besondere an Crange ist nicht die Länge des Feuerwerks, sondern dass man überall einen guten Blick auf das Feuerwerk hat. Aber Crange ist auch einer der wenigen Plätze, wo wir große Bomben schießen können“, so der Pyrotechniker. Die größten Feuerwerkskörper, die er abfeuert, haben einen Durchmesser von 20 Zentimetern und wiegen sechs Kilogramm. „Die Effektbreite ist 200 Meter, sie rahmen alles andere ein“, erklärt Tietze. „Jeder Feuerwerker hat seine eigene Handschrift. Wir wollen nicht nur bunte Farben abwechseln, sondern richtige Bilder schießen, dazu nutzen wir verschiedene Kaliber auf verschiedenen Höhen.“

Der 35-Jährige ist mit Feuerwerk aufgewachsen. Als er vier Jahre alt war, gründete sein Vater die Firma und nahm seine beiden Kinder immer wieder mit zu Veranstaltungen. Sascha Tietze selbst ist gelernter Kaufmann. Als sein Arbeitgeber ihm kündigte, stieg er bei seinem Vater ins Geschäft ein und machte den Lehrgang zum staatlich geprüften Pyrotechniker. „Mein Vater ist ein absoluter Liebhaber von Feuerwerken. Wenn wir im Urlaub in Italien waren, waren wir am Strand, während mein Vater in Feuerwerksfabriken die neuesten Effekte angeschaut hat.“ Mit 16 Jahren begann Tietze bei seinem Vater auszuhelfen, um sich das Taschengeld aufzubessern. Inzwischen arbeitet er seit zwölf Jahren hauptberuflich dort.

Rund 1000 Feuerwerkskörper

Zu seinem Beruf gehört mehr, als nur Feuerwerk zu zünden. Zuerst plant der Feuerwerker mit dem Auftraggeber: „Wie groß ist das Budget? Das ist ein unromantisches Thema, aber davon hängt ab, was wir machen können“, so Tietze. Dann kann er planen, welche und wie viele Bilder er in den Himmel schickt. Auf Crange kommen rund 1000 Artikel in der Größe von 75 bis 200 Millimetern kommen zum Einsatz. Die Feuerwerksbomben werden einzeln aus Mörsern geschossen. Das sind orangefarbene Glasfaserrohre, aus denen die Geschosse aufsteigen. 400 Kilogramm netto Explosivstoff wird er auf Crange in die Luft schießen. Zusammengebaut werden die verschiedenen Stränge im Bunker, vor Ort müssen die Mörser aufgestellt und mit elektronischen Zündern verdrahtet werden.

Umweltbewusstsein ist wichtig

Die Einzelnen Feuerwerksbomben sind mit Pappe ummantelte Kugeln. Außer Schwarzpulver befinden sich Effektsterne darin, also Reisspelzen, die mit Metallen wie Barium oder Stronzium oder anderen Chemikalien umhüllt sind, die bunt verbrennen. Ein Schwarzpulversäckchen treibt die Kugeln in die Höhe und setzt einen Verzögerungszünder in Gang. Der sorgt dafür, dass die Kugel erst am Himmel explodiert. Das Schwarzpulver in der Kugel treibt die Ladung auseinander und entzündet die Effektsterne. Wichtig ist Tietze, dass er möglichst umweltverträgliche Stoffe einsetzt. Der Staub, der freigesetzt wird, sagt er, sei wasserlöslich und würde vom Körper ausgeschieden. Feinstaub von Motoren sei dagegen viel schädlicher. „Wir achten darauf, was wir wo kaufen, damit Feuerwerk zukunftsfähig bleibt“, so der Feuerwerker.

Nina-Maria Haupt