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Die Grislawski-Aufstellung

Ausstellung in den Flottmann-Hallen

Wahrscheinlich ist es die erste Malerei-Ausstellung in den Flottmann-Hallen, die ohne eine Hängung auskommt. Der Künstler Jürgen Grislawski spricht daher auch von einer Aus-Stellung – mit der Betonung auf Stellung. Zusammen mit der Ausstellungsleiterin Jutta Laurinat hat er die Bilder auf den Fußboden an der Wand entlang platziert, so dass die Besucher an den Arbeiten vorbei gehen können, ohne den Kopf zu heben.

Ausstellung von Jürgen Grislawski: “Zwischen Staunen und Entsetzen. Ölbilder und Zeichnungen.” 16.3.-5.5.2019 / Eröffnung: Samstag, 16.3.2019 um 17 Uhr / Führungen: Donnerstag, 28. März, Mittwoch, 10. April, jeweils 10.30 Uhr.

Auf die Frage, wie diese Präsentationsart sich denn nennen würde, gab es keine Antwort. Vielleicht setzt sich der Begriff Grislawski-Aufstellung durch. Weil fast alle Bilder das gleiche Format (1,40 x 1,85 Meter) haben, ergibt sich ein spezieller ästhetischer Genuss. Vor dem Zuschauer entwickelt sich ein ungewöhnliches Panorama an zahlreichen sich überlagenden Szenen aus skurillen Gestalten, Tieren, Objekten und Schriften. Die Textelemente entfalten auf den ersten Blick magische Wirkung, entpuppen sich schließlich aber als Phrasen. Die flächig gemalten kruden Gestalten und die farbigen Hintergründe erinnern an Graffiti. Oder an Comics – was aber vom Künstler selbst heftig bestritten wird. Vielleicht passt dann eher die Assoziierung zu Graphic Nouvel. Oder zur Höhlenmalerei sowie zur ägyptischen Mythologie.

  • Presserunde zur Ausstellung. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Gedeckte Farben

Zu einer Erläuterung lässt Grislawski sich nicht gerne hinreißen. Er fordert den Betrachter auf, die von ihm entworfene Welt selbst zu studieren und zu bewerten. Allerdings gesteht er im gleichen Atemzug ein: “Man wird damit nicht leicht fertig. Viele sind überfordert.” Gleichzeitig gibt der Titel Auskunft über die Ausstellung: eine Mischung “zwischen Staunen und Entsetzen”. “Bilder aus der Flut” heißt der Untertitel – und das trifft den Nagel auf den Kopf. In Gesprächen, am Rande geführt, erklärt Grislawski dann, dass er gedeckte Farben nutze, weil die Wahrnehmung der Farben ihn an seine Kindheit im Ruhrgebiet erinnern.

Mensch als verformte Wesen

“Auf meinen Gemäldcn spiegelt sich wieder, was da draußen in der Welt und was im Menschen selbst passiert.” Zu den zentralen Grislawski-Motiven gehört der Kopf, der gleichzeitig die Innen- und Außensicht repräsentieren könnte. Flugzeuge tauchen wiederholt auf, Menschen an Falschschirmen, liegende Frauen, Box- und Fechtszenen, brennende Häuser und Tiere. Und der Kasper vom Kasperle-Theater. Wobei die menschlichen Figuren bisweilen wie Gliederpuppen wirken oder wie willenlose verformte Wesen. Mich erinnern sie an Aliens. Dazu auch Skizzen und Zeichnungen, die in Vitrinen zu besichtigen sind. Eine sehr kleine Auswahl seines Schaffens. “Ich zeichne pausenlos”, sagt Grislawski.

“Ein großer Teil der Bilder hat das Licht der Öffentlichkeit noch nie erblickt”, unterstreicht Jutta Laurinat.  Entstanden sind sie in den Jahren 1983 bis 2019.

Horst Martens