Mittelaltermarkt

Die Ritter kehren nach Schloss Strünkede zurück

14. September 2021 | Kultur

Auf den ersten Blick ist alles wie immer: Menschen in mittelalterlich anmutenden Gewändern laufen herum, ein Dudelsack erklingt, Ritter zeigen Schaukämpfe und vom Stand des Garbräters zieht Würstchenduft durch den Park. Und doch ist das Mittelalterfest in diesem Jahr ein wenig anders: Die Menschen halten größere Abstände, manche tragen Masken vor Mund und Nase und an den Ständen hängen neben Desinfektionsspendern Schilder: „Abstand halten!“

Obwohl die große Bühne fehlt und obwohl statt dem Ritterturnier nur kleinere Schaukämpfe gezeigt werden, genießen sowohl Besucher als auch Darsteller, dass es wieder losgeht. „Weihnachten 2019 war unser letzter Markt. Die Saison hätte zu Ostern 2020 wieder angefangen, aber da war es schon vorbei“, erklärt der Zinngießer Olaf. Nach anderthalb Jahren dürfen die Händler und Handwerker wieder ihren Beruf ausüben und die vielen Ritterlager und Freizeit-Wikinger wieder ihr Hobby.

  • Vor Schloss Strünkede kann man die Raufereien der Ritter bewundern... ©Nina-Maria Haupt, Stadt Herne

Darsteller und Besucher freuen sich

„Für so eine lange Pause läuft es gut“, findet Andrea, ebenfalls vom Zinngießer-Stand. „Die Leute sind interessiert und kaufen auch. Wir haben viele Stammkunden, die uns sofort wiedererkannt haben.“ Selbstverständlich war das nicht, sagt Olaf: „Erstmal haben wir uns gefreut, dass es überhaupt stattfindet. Dann waren wir unsicher, wie die Leute drauf sind, ob sie inzwischen bei Amazon kaufen oder wiederkommen.“ Sie sind wiedergekommen, wenn auch weniger Publikum da ist, als sonst. Auf höchstens 2.500 Personen ist der Zugang beschränkt, an der Kasse wird gezählt und die Nachweise von Getesteten, Geimpften und Genesenen werden kontrolliert.

Auch die Darsteller sind weniger als sonst. „Einige sind nicht mehr dabei. An jedem Stand hier kennt jemand einen, der aufgehört hat“, weiß Olaf. Wer wieder da ist, ist Sarah. Sie verkauft bei Feder & Buch ledergebundene Bücher und Schreibfedern. „Es ist fantastisch. Die letzten anderthalb Jahre waren eine harte Zeit, wo ich mir einen anderen Job suchen musste. Es geht nichts über dieses Feeling auf den Märkten, auch unter den Mitarbeitenden, dass man zusammensitzt und Kontakte hält.“ Umarmen, wie sonst, würde man einander nicht so ohne weiteres. „Man merkt, dass alle ein wenig zurückhaltender sind, sowohl die Gäste als auch die Mitarbeitenden. Ich hoffe, dass sich das mit der Zeit wieder legt. Denn alle sind hungrig danach, dass wieder etwas passiert.“

Und es passiert eine Menge: Fabelwesen auf Stelzen sind im Park unterwegs, Spilwut spielen auf, klassische Mittelalter-Lieder sind zu hören, ein paar Leute tanzen, schön auf Abstand. Die Wiese ist voll und wenn die Ritter zu Pavanenmusik mit Äxten und Schwertern aufeinander losgehen, sammeln sich die Neugierigen und applaudieren. Und spätestens dann ist das gewohnte Flair des Mittelaltermarktes wieder da.

Nina-Maria Haupt