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Dr. Dietrich Hüppe nimmt Abschied vom Lebertag

Veranstaltung machte Tausende von Patienten zu mündigen Experten ihrer Krankheit

Dr. Dietrich Hüppe bei einem Vortrag. Foto: Arne Pöhnert. Dr. Dietrich Hüppe bei einem Vortrag. Foto: Arne Pöhnert.

Wenn Ende März der Herner Lebertag im Rahmen der Herner Gesundheitswoche sein 20-jähriges Bestehen feiert, steht ein Mann mit einem lachenden und einem weinenden Auge am Mikrophon: Der 20. Herner Lebertag wird sein letzter als Organisator sein.

Der Herner Gastroenterologe und Leberspezialist Dr. Dietrich Hüppe hat die Patientenveranstaltung, die zu den ältesten und besucherstärksten der Region gehört, aus der Taufe gehoben.  Mit Stolz und Verwunderung blickt der bekannte Mediziner, der seit 2016 im Ruhestand ist, zurück: „20 Jahre nach dem Start ähneln sich die Themen, neue sind hinzugekommen. Doch die Wissenschaft von der Leber hat in diesem Zeitraum unglaubliche Fortschritte mit enormem Nutzen für die Patienten erbracht.”

Veranstalter des Herner Lebertages war und ist die Gesellschaft für Gastroenterologie in Herne, eine fachübergreifende Kooperation, die Herne als Standort exzellenter Lebermedizin weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht hat. Ein Blick in Dokumente aus 20 Jahren zeigt: Das Team vom Anfang ist noch fast unverändert aktiv. Die Idee, Patienten zum mündigen Experten der eigenen Erkrankung zu machen, indem ihm aktuelles Medizinwissen verständlich erklärt wird, lässt die Initiatoren bis heute nicht los, auch wenn sie längst in anderen Städten praktizieren oder den Arztkittel an den Nagel gehängt haben. Mittlerweile haben sie Tausende von Patienten in Herne über Möglichkeiten der Diagnose und Therapie aufgeklärt. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Dank für jahrzehntelanges Engagement
PD Dr. Anton Gillessen, mittlerweile in Münster, wird am 29. März Bilanz ziehen. Die Pathologin Prof. Dr. Andrea Tannapfel aus Bochum spricht über Leberschäden durch Nahrungsmittel und Umweltgifte. Die Internistin Dr. Gisela Felten referiert Neues zur Hepatitis B und E. Die Hausärztin Dr. Iris Veit beschreibt psychosomatische Aspekte des Lebens mit einer chronischen Lebererkrankung. Vertreter von Patientenorganisationen spielen – wie immer – eine wichtige Rolle. Ingo van Thiel von der Deutschen Leberhilfe (Köln) und Irene van Dongen von der Selbsthilfegruppe Deutsche Leberhilfe kommen, um sich bei Dr. Hüppe für 20 Jahre Engagement zu bedanken. Und mit ihnen garantiert viele „Stammbesucher”, die ihr Wissen über die Erkrankungen jedes Jahr im Saal der VHS Herne auf den aktuellsten Stand bringen.

Besser als Blumen: Zum Abschied wünscht sich das Organisatorenteam um Dr. Dietrich Hüppe (rechts) mehr Engagement beim Thema Organspende, (von links) Sabine Franke (Selbsthilfegruppe Deutsche Leberhilfe, Herne), Dr. Iris Veit (Hausärztin), Dr. Johanna Preiss (Gastroenterologin und Vorsitzende der Gesellschaft für Gastroenterologie Herne), Waltraud Kowalski (Selbsthilfegruppe Deutsche Leberhilfe, Recklinghausen), Olaf Engelke (Gastroenterologe) und Dr. Dietrich Hüppe. Foto: Arne Pöhnert.

Besser als Blumen: Zum Abschied wünscht sich das Organisatorenteam um Dr. Dietrich Hüppe (rechts) mehr Engagement beim Thema Organspende, (von links) Sabine Franke (Selbsthilfegruppe Deutsche Leberhilfe, Herne), Dr. Iris Veit (Hausärztin), Dr. Johanna Preiss (Gastroenterologin und Vorsitzende der Gesellschaft für Gastroenterologie Herne), Waltraud Kowalski (Selbsthilfegruppe Deutsche Leberhilfe, Recklinghausen), Olaf Engelke (Gastroenterologe) und Dr. Dietrich Hüppe. Foto: Arne Pöhnert.

Lebertag – vom Start weg ein Erfolgsmodell
Die Idee, eine Patientenveranstaltung zu Lebererkrankungen anzubieten, war vom Start weg ein Erfolg. Am 22. November 1997 verfolgten 200 Premierenbesucher in der Aula der Grundschule an der Schillerstraße eine Podiumsdiskussion zwischen Betroffenen und Vertretern der Krankenkassen AOK und Barmer. Damals konnten die Mediziner nur einzelne Patienten mit einer chronischen Hepatitis C zwar effektiv, aber mit starken Nebenwirkungen behandeln. „Heute ist die Hepatitis C wirklich für alle heilbar!” sagt Dr. Dietrich Hüppe: „Wir haben eine echte Revolution erlebt und sind stolz, die Erkrankten mit Hilfe des Lebertags Jahr für Jahr über den aktuellsten Stand der Forschung informiert zu haben.” Auch andere Erkrankungen der Leber können heute erfolgreich behandelt werden, zum Beispiel Hepatitis B, die primär biliäre Cholangitis, die autoimmune Hepatitis und viele mehr.

„Fettleber” bereitet Medizinern große Sorge
Was den Medizinern zunehmend Sorge bereitet, ist die sogenannte „Fettleber”, eine echte Zivilisationskrankheit. „Die Fettleber nimmt weltweit stark zu”, sagt Dr. Hüppe. Falsche Ernährung, Übergewicht und Diabetes sind die Hauptfaktoren, die schon im Kindesalter Wirkung zeigen. Erste medikamentöse Behandlungen scheinen möglich. Trotzdem steht eine Veränderung des Lebensstils in Richtung gesunde Ernährung, Sport und Gewichtsabnahme im Fokus der Behandlung.

Lebertag wird weitergehen
In den Anfangsjahren gab es im Ruhrgebiet an vielen Orten Veranstaltungen zur Lebermedizin, übrig geblieben sind größere Lebertage nur Oberhausen und Herne. Deshalb wird es auch 2018 einen Lebertag in der Emscherstadt geben. Die Verantwortung für Themen, Referenten und Ablauf wird Dietrich Hüppe dazu in andere Hände legen. Bei den Patientenseminaren der nächsten Jahre wird er stets ein kundiger Gast sein. Als Gastroenterologe ist der gebürtige Herner nur noch einmal pro Woche tätig. Er engagiert sich bundesweit ehrenamtlich für die Darmkrebsvorsorge und beteiligt sich an Forschungsprojekten im Bereich der Leber. Auch ohne Lebertag wird keine Langeweile aufkommen. Dr. Dietrich Hüppe: „Ich bin sicher, auch meinen Kollegen werden die Themen nicht ausgehen.”