Wanne-Eickeler Jakob Ide gehört mit 18 Jahren zur Elite im Dreiband-Billard. Die EM-Bronzemedaille in der Altersklasse U17 war sein bishergrößter Erfolg.
Billard kennen alle! Ob in der Stammkneipe beim Poolbillard mit dem Queue in der linken und dem Pils in der rechten Hand. Oder als Fernsehzuschauer gemütlich auf der Couch bei den unendlichen Übertragungen von Snooker-Partien. Doch das Spiel mit den Kugeln ist weitaus mehr. Allein 35 verschiedene Spielarten gibt es. Der Wanne-Eickeler Jakob Ide hat sich der Königsdisziplin verschrieben – dem Dreiband.
Konzentriert steht der 18-Jährige, in wenigen Tagen wird er 19, am auf 32 Grad aufgeheizten Tisch im Vereinsheim seines Heimatclubs BC Grün-Weiss Wanne. Er zieht sich einen Handschuh an, nimmt seinen ca. 2.000 Euro teuren Queue und wischt mit einem Tuch die drei Kugeln ab. Ein Ritual, das der Student für Wirtschaftsingenieurwesen schon unzählige Male wiederholt hat. Als Zehnjähriger nahm er erstmals den Queue zur Hand, angepikst vom Opa und vom Vater, die sich ebenfalls diesem Nischensport verschrieben haben.
„Ich will mich immer weiter verbessern“
Zwei Jahre später entschied sich Jakob, seine Laufbahn als Fußballer beim SV Wanne 11 zu beenden, um „nur“ noch Billard zu spielen. Warum? „Weil es mir einfach mehr Spaß machte.“ Von Beginn an nahm er den Billardsport sehr ernst, trainierte zwei- bis dreimal in der Woche und merkte, „dass ich schnell besser wurde“. Und wie! Schon 2021 gewann er den deutschen Meistertitel in der Altersklasse (AK) U15. In einem Finale, dass bei ihm bis heute nachhallt: „Ich schlug den haushohen Favoriten, womit ich nie gerechnet hatte.“ Seitdem gehört Jakob Ide dem Bundeskader an und trainiert unter Aufsicht des Bundestrainers regelmäßig im Stützpunkt in Gelsenkirchen-Buer. Überhaupt das Training: Fünfmal, manchmal auch siebenmal, steht er in der Woche am Billardtisch. Meist zwei bis vier Stunden. Hinzu kommt der Radsport, auf dem Rennrad oder dem Mountainbike, für die Kondition, „denn ohne diese fehlt die Konzentration“. Ein hartes Training, „das sein muss. Ich will mich immer weiter verbessern“, zeigt der Eickeler einen gesunden Ehrgeiz. Dieser Wille, sich ständig zu steigern, zahlte sich 2024 aus. Von den Europameisterschaften im spanischen Murcia kehrte er mit einer Bronzemedaille in der AK U17 nach Eickel zurück, „mein bisher größter Erfolg“. Auch vermeintliche Rückschläge steckt er weg. Bei der EM 2025, wieder in Murcia, rutschte Jakob Ide altersbedingt in die U21-Klasse und strich in der Vorrunde die Segel. „Trotzdem war ich sehr zufrieden. In meiner Dreiergruppe schied ich knapp gegen den späteren Vizeeuropameister und gegen den späteren Dritten aus“, bewertet er seine persönliche Leistung höher als eine Platzierung. Ebenso klar definiert er seine Ziele: Einen DM-Titel strebe ich immer an, ebenso die Teilnahme an der EM 2026.“ Zurzeit ist er der zweitbeste deutsche Spieler in der U21, sein härtester Konkurrent kommt aus Duisburg – „und der ist richtig gut.“


Spielgefühl ist wichtiger als Mathe oder Physik
Die Königsdisziplin Dreiband ist für ihn auch die schwierigste. Hohe Mathematik oder Physik – „Einfallswinkel gleich Ausfallwinkel“ – spielen für ihn eine untergeordnete Rolle, viel wichtiger sei das „Spielgefühl“. Dies führte ihn in Ligenspielen mit dem BC Grün-Weiss zu einem aktuellen Generaldurchschnitt (GD) von 0,91. Das heißt: In maximal 50 Aufnahmen muss ein Spieler 40 Punkte für den Sieg erzielen, Jakob schaffte es durchschnittlich in 43 bis 44 Aufnahmen. Zum Vergleich: Die besten deutschen Spieler haben einen GD von 1,7 bis 1,8 – es gibt also noch Ziele für den Eickeler. Dass er dafür auf einem sehr guten Weg ist, zeigte sich bei einem Ligenspiel im September: Da stellte Jakob Ide seine bisherige Höchstserie auf – 14 Punkte in nur einer Aufnahme!
„Einfallswinkel gleich Ausfallwinkel“ – spielen für ihn eine untergeordnete Rolle, viel wichtiger sei das „Spielgefühl“