Newsticker

Ein Tag im Kuckucksnest*

Serie: "Ein Tag in..."

Meditation vor dem großen Krankenhausgebäude. © Stadt Herne_Horst Martens Meditation vor dem großen Krankenhausgebäude. © Stadt Herne_Horst Martens

Ein Tag im St. Marien-Hospital Eickel, ein Tag in der Psychiatrie. Erinnerungen an den Film „Einer flog über das Kuckucksnest” und der legendären Darstellung von Jack Nicholson in der Rolle von Patrick McMurphy werden wach. Freunde treiben harmlose Scherze über die „Irrenanstalt”. Vorurteile und Stereotypen, denke ich. Und stelle am Ende fest, dass ich auch nicht unvoreingenommen bin.

*„Cuckoo” hat in der amerikanischen Umgangssprache auch die Bedeutung „verrückt”. Das „cuckoo’s nest” kann daher für die psychiatrische Anstalt stehen.

Die Klinik hat einen Stundenplan für mich erarbeitet, der mir einen Überblick über den normalen Ablauf eines Tages gewährt. Patienten darf ich keine fotografieren. Die Station 4 ist mein zentraler Aufenthaltsort: Privatstation – die Patienten sind privat versichert, guter bürgerlicher Durchschnitt.

Rund 30 Stühle stehen im Kreis - für die Morgenrunde und die Gruppentherapie. © Stadt Herne_Horst Martens

Rund 30 Stühle stehen im Kreis – für die Morgenrunde und die Gruppentherapie. © Stadt Herne_Horst Martens

Die Stationsbewohner sind schon um 6:45 Uhr geweckt worden und haben um 7:30 Uhr gefrühstückt. Für mich beginnt der Tag mit der soziotherapeutischen Morgenrunde um 8:20 Uhr. Rund 30 Stühle stehen im Kreis. Die Frauen und Männer jeden Alters sprechen über das gestrige WM-Spiel der Deutschen, stellen die Zeitung von heute vor, bereden gemeinsame Unternehmungen. Alle Patienten haben einen Hefter mit dem Therapieplan unter dem Arm. Darin lassen sie die Teilnahme vom Psychologen abhaken.

Empfehlung: Straßenkleidung

Die Stationspsychologin Stefanie Hakim führte den Reporter durch das Haus und durch den Skulpturengarten (Bild). © Stadt Herne, Horst Martens

Die Stationspsychologin Stefanie Hakim führte den Reporter durch das Haus und durch den Skulpturengarten (Bild). © Stadt Herne, Horst Martens

Stationspsychologin Stefanie Hakim führt mich durch die Station, zeigt mir ein Zwei-Bett-Patientenzimmer, den Aufenthaltsraum, die Küche, das Raucherzimmer, die Bibliothek. Großen Wert legt die Klinik auf das Outfit: „Den Patienten wird empfohlen, nicht in Joggingkleidung rumzulaufen.” Sie sollen das Gefühl haben, am Alltagsleben teilzunehmen. „Am Tag sollten sie lieber Straßenkleidung tragen”, sagt Hakim.

An einer Tür steht „Internist”. Warum braucht eine Psychiatrische einen Internisten? Somatische, also körperliche Krankheiten treten bei psychisch Kranken häufiger auf als bei Gesunden. Daher wird der Somatik in der Psychiatrie ein hoher Stellenwert eingeräumt .

Krampfanfall unter Narkose

Wir passieren eine Tür, hinter der die Elektrokonvulsionstherapie angewandt wird. Mit Hilfe von kurzen Stromimpulsen wird unter Narkose ein kurzer Krampfanfall ausgelöst. Wieder muss ich an Patrick McMurphy denken. Aber die Methode ist erfolgreich: Bei Menschen, die unter Wahnvorstellungen leiden, tritt danach zumeist eine Besserung ein.

Im Wellnessbereich mit Massageplätzen, Hydrojet, Bädern, einer Sauna entspannen sich viele Patienten. Physiotherapie motiviert Menschen, sich mehr zu bewegen und den Alltag aktiver zu gestalten. Nach einem kurzen Besuch der Ergotherapie mit ihren vielen Aktivangeboten komme ich ins „offene Atelier”.

Die Kunsttherapeutin Sabine Ludwig motiviert die Patienten, sich künstlerisch zu betätigen. © Stadt Herne, Horst Martens

Die Kunsttherapeutin Sabine Ludwig motiviert die Patienten, sich künstlerisch zu betätigen. © Stadt Herne, Horst Martens

Ein Tisch mit Wachsstiften und Aquarellfarben. Schränke, auf denen Farbtuben und Pinsel stehen. Leise erklingt eine Art psychedelischer Musik. Ein halbes Dutzend Patienten arbeiten emsig an Bildern. Eine großformatige Katze in bunten Farben springt mir entgegen. „Warum ist die Katze so bunt?” frage ich die Künstlerin, die an dem Bild arbeitet. Die Malerin weicht aus. Kunsttherapeutin Sabine Ludwig flüstert mir möglichst unauffällig zu: „Das ist übrigens ein ‚No go‘ – eine Frage mit Warum zu stellen. Das zwingt die Menschen zur Rechtfertigung.” Ich soll anders fragen. Zum Beispiel: „Welchen Bezug haben Sie zur Katze?”

Eine Frau mit fünf Augen

Eine Frau mit fünf Augen malte die Patientin. Die Kunsttherapeutin schaute allerdings nicht auf die Augen, sondern auf die Hände. © Stadt Herne, Horst Martens

Eine Frau mit fünf Augen malte die Patientin. Die Kunsttherapeutin schaute allerdings nicht auf die Augen, sondern auf die Hände. © Stadt Herne, Horst Martens

Am Schluss ist Bilderauswertung. Zwei Frauenbilder einer jungen Künstlerin liegen auf dem Tisch. Nicht „schön malen” ist hier angesagt, sondern Selbstbeobachtung, der Blick nach innen. „Das Bild ist die Metapher für die Problemsituation”, sagt Kunsttherapeutin Sabine Ludwig. Die auf dem Papier verewigte Frau steht vor einem Hintergrund mit poppigen Farben. Flammen schlagen empor. Fünf Augen hat die Frau. Nicht was da ist, sei spannend, sondern das was fehle, meint die Therapeutin. Die Frau hat keine Hände. „Manche outen sich beim Malen stärker als beim Sprechen”, wirft Ludwig ein. Die Künstlerin/Patientin wundert sich: „Was man alles aus dem Bild lesen kann”.

In der Gruppe ist man nicht allein

Wieder komme ich in den Raum mit dem Kreis aus Stühlen. Jetzt ist Gruppenpsychotherapie dran. Viele Menschen kostet es Überwindung, vor einer Gruppe über ihre Probleme zu sprechen. Andrerseits: Betroffene sind unter ihresgleichen. Sie sehen, dass sie nicht alleine dastehen.

Psychologin Paula Siegmann leitet die Sitzung, Sozialarbeiter Hubert Klein assistiert. Eine junge Frau, unter 30, schlägt ein Thema vor. „Mein Partner versteht nicht, warum ich hier bin. Außerdem hat er keine Einsicht, warum es bei mir nicht besser wird.” Eine lebhafte Debatte entwickelt sich.

Psychologin Paula Siegmann und Sozialarbeiter Hubert Klein leiteten die Gruppentherapie. © Stadt Herne, Horst Martens

Psychologin Paula Siegmann und Sozialarbeiter Hubert Klein leiteten die Gruppentherapie. © Stadt Herne, Horst Martens

– Angehörige oder Bekannte sagen schon mal: Stell dich nicht so an!

– Wenn ich mir ein Bein breche, haben alle Mitleid. Aber meine Krankheit steht mir nicht ins Gesicht geschrieben.

– Oft höre ich: Du hast ein Haus, ein Auto, eine Familie, was jammerst du? Dann denke ich: Ich wünsche euch auch mal eine Stunde lang Depressionen.

– Mein Partner sagt: Du bist nicht krank. Das ist dein Charakter.

– Der Kopf arbeitet von morgens bis abends schwer. Das ist anstrengend! Ich würde lieber 24 Stunden am Stück körperlich arbeiten, dann wüsste ich wenigstens, wovon ich müde bin.

– Mein Freund sagt: Was willst du bei den Bekloppten, da wirst du doch selber bekloppt.

– Tipp eines Angehörigen: – Denk doch einfach mal positiv!

– Ein Mann, selbstironisch: Ich komme aus dem Hotel Zur weichen Birne.

Kein Kommentar. ©-Stadt-Herne_Horst-Martens

Kein Kommentar. ©-Stadt-Herne_Horst-Martens

– Man will funktionieren wie eine Maschine und versucht die Krankheit möglichst geheim zu halten.

– Ich habe mir Strategien zurechtgelegt, um meine Depression zu vertuschen.

– Die denken doch, in der Klinik ist alles weiß, man bekommt kleine weiße Pillen und die Ärzte tragen weiße Kittel.

– Manche Angehörige haben Vorbehalte gegen Medikamente: Du bist gesund, lass doch die Tabletten weg.

– Nachdem ich zehn Kilo zugenommen habe, habe ich die Tabletten weggelassen. Dann habe ich auch mehr gesprochen. Darauf antwortet Psychologin Siegmann: „Dann waren es nicht die richtigen Medikamente. Sie müssen so lange dran bleiben, bis sie die richtigen haben.”

– Mein Freund meint, ich sei nicht so bekloppt wie die anderen.

– Was du in der Klinik machst, das kannst du doch auch zu Hause machen.

Sie wirken wie Menschen aus dem Freundeskreis mit ihren Sorgen und Nöten. Psychisch Kranke hatte ich mir anders vorgestellt. Hubert Klein sagt: „Man darf sie nicht auf ihre Krankheit reduzieren. Alle Persönlichkeitsfacetten bleiben trotz Störung bestehen.” Allerdings habe ich nicht alle gesehen. Einige sind nicht zur Gruppentherapie gekommen. Auf Empfehlung der Klinikmitarbeiter sind sie zu anderen Therapien gegangen oder auf ihren Zimmern geblieben. „Akute Fälle können anfangs oft noch nicht an Gruppentherapien teilnehmen”, sagt Klein. Zum Beispiel Menschen mit extrem wahnhaften Vorstellungen.

Nachdenkliche Stimmung im Therapieraum. Von einer Bilderreihe abfotografiert. © Horst Martens, Stadt Herne

Nachdenkliche Stimmung im Therapieraum. Von einer Bilderreihe abfotografiert. © Horst Martens, Stadt Herne

Als sich die Gruppe auflöst, spricht mich ein Mann an: „Sie haben hier in Herne eine ganz besondere Klinik”, lobt er die Einrichtung. „Ich bin aus Münster und komme ganz bewusst her.”

Warum psychisch kranke Menschen gerne nach Herne kommen

Chefarzt Dr. med. Peter W. Nyhuis erklärt, welches das Alleinstellungsmerkmal des St. Marienhospitals ist. © St. Marienhospital

Chefarzt Dr. med. Peter W. Nyhuis erklärt, welches das Alleinstellungsmerkmal des St. Marienhospitals ist. © St. Marienhospital

Warum psychisch kranke Menschen gerne nach Herne kommen, erklärt Chefarzt Dr. med. Peter W. Nyhuis. Auf den Stationen in Eickel befinden sich „heterogene Gruppen”. Bunt gemischt, unterschiedliche Krankheitsbilder, jüngere und ältere Menschen zusammen. „Sie lernen, über den Tellerrand zu schauen, nicht nur ihre eigene Krankheit zu sehen, sie können anderen helfen und ihre Stärken wieder entdecken”, sagt Nyhuis. Und außerdem gibt es die zahlreichen Angebote von der „Kochgruppe für Männer” bis zum therapeutischen Reiten.

Diese Klinik ist was Besonderes, weil es hier nur offene Stationen gibt. Der graue Alltag in Deutschland sieht anders aus. „Das Konzept der geschlossenen Station ist das prägende Bild, das von den Medien ernährt und am Leben gehalten wird”, sagt Nyhuis. Hospitäler, die ihre Patienten wegschließen. „Tatsächlich  haben über 90 Prozent der Kliniken weiterhin geschlossene  Stationen. Nur vier Prozent sind wirklich offen.”

Und wo liegt die nächste offene Klinik? „In Merzig, einer Kleinstadt im Saarland.” Dann ist Eickel ja die einzige offene Psychiatrie weit und breit.

Aber was macht Herne mit jenen Patienten, wegen der andere ihre Stationen schließen. Dr. Nyhuis: „Akut suizidale, gespannt aggressive und desorientierte Patienten werden hier im Krankenhaus ebenfalls therapiert. Wir verteilen sie auf den Stationen. Von den 23 Patienten auf einer Station sind  einige wenige akut Schwerstkranke . In den geschlossenen Kliniken sind alle akut Erkrankten zusammen auf einer Station. Das ergibt natürlich eine explosive Mischung.”

Spaziergang durch Eickel

In Herne können die akut Erkrankten die Krankenhausmauern verlassen und in Begleitung eines Mitarbeiters einen Spaziergang durch Eickel unternehmen.

Die meisten Patienten leiden an Depressionen, dieser Eindruck drängte sich schon bei der Gruppentherapierunde auf. Zehn Prozent aller Menschen erkranken im Verlauf ihres Lebens daran. Psychische Krankheiten treten auch episodenhaft im Umfeld gesellschaftlicher Gegebenheiten auf und  erscheinen dann wie Modekrankheiten . Sie sind ein Ausdruck der Zeitläufe.

Episodenhaft auftretende Krankheiten

Nach Dr. Nyhuis

Kaiserreich: Neurasthenie gehörte an der Wende zum 20. Jahrhundert zu den Modekrankheiten einer gehobenen Gesellschaftsschicht, in der die erwartet steife Haben-Sie-gedient-Haltung zu einem  labilen psychischen Zustand bei den Menschen führte, die dies nicht erfüllen konnten.

Nach dem 1. Weltkrieg: Psychogene Störungen wie Lähmung, Blindheit, Taubheit, hervorgerufen durch die Kriegsschrecken. Bestes Beispiel: Psychogene Blindheit des Meldegängers Hitler.

80-er Jahre: Essstörungen,  Magersucht – als Folge des Schlankheitswahns der Wohlstandsgesellschaft.

Borderline-Störung der 90-er – die Werte der bürgerlichen Gesellschaft wanken.

Ab 2000: Burnout in einer Gesellschaft, die alles will und zwar sofort.

Favoriten für die Zukunft:

In einer immer älter werdenden Gesellschaft werden kognitive Störungen in neuen Krankheitsbildern auftreten.

Die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt rasant an. In Eickel werden neben Depressionen unter anderem auch Psychosen, bipolare Störungen, Angststörungen und Sucht behandelt. Da es zu wenig niedergelassene Psychologen und Psychiater gibt, haben Patienten ambulant eine durchschnittliche Wartezeit von 80 Tagen bis zum ersten Termin. Die ambulante Unterversorgung bekommt auch das Marien-Hospital zu spüren. „Viele Patienten kommen und beschweren sich darüber, dass sie keine ambulante Behandlung beim Psychologen erhalten”, sagt Stefanie Hakim. „Während der Patient auf den Termin wartet, verschlimmert sich sein Zustand.” Teilweise kann die Klinik diese ambulante Versorgungslücke auffangen.

Gedankenkreisläufe unterbinden

Körpertherapeutin Anke Vecker will erreichen, dass die negativen Kreisläufe unterbrochen werden. © Stadt Herne, Horst Martens

Körpertherapeutin Anke Vecker will erreichen, dass die negativen Kreisläufe unterbrochen werden. © Stadt Herne, Horst Martens

Ich begleite die Körpertherapeutin Anke Vecker bei der Körperpsychotherapie. Bedingung: Ich muss mitmachen in der Übung mit Bällen und Sportgeräten. Die meisten Patienten sind gerne dabei, auch wenn sie sich nach Musik tänzerisch bewegen sollen. „Gut, dass meine Frau mich nicht gesehen hat”, sagt ein Mann. Dann müsste er auch zu Hause tanzen. „Die Leute kommen hier mehr aus sich raus als in einer Gruppentherapie”, sagt Anke Vecker. Allerdings gibt eine Frau zu, dass der Spaßfaktor für sie nur sehr gering ist. Sie kann sich nicht öffnen –und schaut sehr traurig drein. „Machen Sie mal, dass es mir besser geht!” ist eine oft gehörte Aufforderung an Anke Vecker.

„Bei diesen Aktivitäten geht es auch darum, die negativen Gedankenkreisläufe zu unterbinden”, sagt Vecker. Aber wem es gelingt, der „bekommt Zugang zum eigenen Körper und wird wieder eigene Bedürfnisse spüren”.

70-jährige am Schlagzeug

St-Marienhospital10©-Stadt-Herne_Horst-Martens

Musiktherapeut Markus Wentz will mit Musik erreichen, dass die Menschen aus sich herauskommen. © Stadt Herne, Horst Martens

Im Raum des Musiktherapeuten Markus Wentz finden wir Instrumente jeder Art – Schlagzeug, Cajon, Gitarren, viele Varianten von Rasseln und Schellen, ein Schifferklavier. Jeder soll sich ein Instrument aussuchen. Ich entscheide mich für eine Maraca. Eine etwa 70-jährige Frau setzt sich ans Schlagzeug. Eine junge Frau schnappt sich den Cajon. Fast von alleine fangen wir an, die Instrumente zu spielen, der Cajon gibt den Takt an. Dann sollen wir uns abwenden und beim Zuhören die richtige Art finden, uns musikalisch einzubringen. „Wenn die Leute aufeinander hören, dann entsteht Musik”, sagt der Musiktherapeut. Und tatsächlich funktioniert es. Die 70-jährige Schlagzeugerin, die sonst eher Klassik hört, sagt: „Ich habe mich freier gefühlt und spürte die Resonanz.”

Wentz, der Musiktherapeut, unterstreicht: „In dieser Therapie stehen die kreativen Potentiale des Menschen im Vordergrund.” Der Mensch kann sich von seiner  handelnden Seite erleben und lernen, die hier gemachten Erfahrungen in seinen Alltag zu integrieren. Über die Krankheiten spricht er nicht mit den Patienten: „Ich arbeite in erster Linie mit Musik. Das ist keine Gesprächstherapie mit Musik.”

Experten der eigenen Krankheit

Zwischen 14 und 15 Uhr trifft sich die Depressionsgruppe zur psychoedukativen Schulung unter der Leitung von Stefanie Hakim. Psychisch kranke Menschen werden zu Experten ihrer eigenen Krankheit, indem sie Neues darüber lernen und dabei ihre eigenen Erfahrungen austauschen. Stefanie Hakim erklärt Depression anhand des Vulnerabilitäts-Stress-Modell. Das Prinzip: „Wenn alle die gleiche Menge Stress erleben, dann hängt das Ergebnis davon ab, wie groß die Vorbelastung ist.” Es ist einfacher, den Faktor ‚Vorbelastung‘ zu verringern, als den Faktor ‚Stress‘. Ein Mann bestätigt dies: „Als Rettungssanitäter bei der Feuerwehr kann ich nicht Stress abbauen.”

Von den  Patienten der Station wird der Stress ferngehalten. „Hier ist es ein bisschen wie unter der Käseglocke: Kein Haushalt, keine schlechte Post, keine nörgelnden Familienmitglieder”, sagt die Dozentin. „Wenn wir sie am Wochenende nach Hause schicken, dann ist das nicht Urlaub, sondern eine Belastungserprobung.”

Perspektiven für Verzweifelte

Das ganze Leben mit psychisch kranken Menschen arbeiten, macht das nicht auch depressiv?

„Nein”, sagt Stefanie Hakim, „es ist eine sehr befriedigende Arbeit. Viele Menschen kommen verzweifelt zu uns und verlassen uns erst wieder, wenn sie wieder eine Perspektive haben. Ich glaube daran, dass ich etwas positiv ändern kann.” Patrick McMurphy würde zufrieden grinsen.

Text: Horst Martens

Fotos: Horst Martens / St. Marien-Hospital

St-Marienhospital13©-St-Marienhospital

St. Marien-Hospital Eickel

Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Marienstraße 2

www.marienhospital-eickel.de

Therapie-Beispiele: Ergotherapie / Kunsttherapie / Physikalische Therapie / Therapeutisches Reiten

Gedächtnistraining / Kochgruppe für Männer / Delegiertentreffen / Musiktherapie

134 Betten stationär / 32 Plätze tagesklinisch / 1 Platz nachtklinisch

3000 stationäre und teilstationäre Fälle / 5000 ambulante Fälle / 267 Mitarbeiter