Der Wanne-Eickeler Roland Golfmann ist Volunteer bei der Fußball-Europameisterschaft
Roland Golfmann hat im und mit dem Fußball schon viel erlebt. Als aktiver Spieler bei Blau-Gelb Holsterhausen, als Trainer, Co-Trainer, Jugendleiter, zuletzt beim DSC Wanne-Eickel. Und er war Begleiter, Fan, Tröster, wenn sein Sohn vor den Ball trat. Jetzt schlägt der 59-Jährige ein ganz neues Kapitel in seinem persönlichen Fußballbuch auf – und freut sich darauf „wie Bolle“: Während der Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland ist er Volunteer bei den Spielen in der Nachbarstadt Gelsenkirchen.
Volunteer? Darunter konnte sich der Vorruheständler, der über 35 Jahre für die Ruhrkohle AG (RAG) arbeitete, unter anderem ehrenamtlich als Truppführer der Grubenwehr, nur wenig vorstellen. Trotzdem nahm er den Hinweis eines Freundes, „das wäre doch etwas für dich“, auf, um sich zu bewerben. „Allerdings erst, als auch meine Frau sagte: ,Schatz, mach‘ mal.‘“



„Ich will dafür sorgen, dass sie sich hier im Revier wohlfühlen.“
Bewerbungsgespräch
Im August 2023 schickte er die Bewerbung ab, schnell erhielt er Feedback. Es folgte ein 30-minütiges Bewerbungsgespräch im Hans-Sachs-Haus, für das er nur einen Wunsch hatte: „Was ich als Volunteer tun sollte, war mir völlig egal. Da ich aber auf Kohle geboren wurde, wollte ich in Gelsenkirchen oder Dortmund eingesetzt werden.“ Kein Problem für das offizielle EM-Büro der Stadt Gelsenkirchen – im Februar 2024 erhielt er die Zusage: nicht im Ticketservice, nicht bei der Doping-Kontrolle, nicht als VIP-Betreuer und auch nicht im Zeremonien-Team in der Arena „auf Schalke“, sondern als, so der offizielle Begriff in der komplizierten UEFA-Sprache, „Social Responsibility Volunteer“
Frei übersetzt heißt dies, nachhaltig soziale Verantwortung zu übernehmen. Im speziellen Fall des EM-Volunteers Roland Golfmann heißt es: „Ich kümmere mich um Fußballfans mit Behinderung, begleite sie beim Stadionbesuch und unterstütze sie überall, wo sie Hilfe benötigen. Ich will dafür sorgen, dass sie sich hier im Revier wohlfühlen.“ Dabei setzt er sich keine Grenzen: „Wenn sie nicht nur das Stadion, sondern auch das Ruhrgebiet kennenlernen wollen, dann zeige ich ihnen unsere schönsten Ecken.“ Und dies alles ohne Honorar, denn „Geld gibt es für uns Volunteers nicht, was ich völlig richtig finde“.
Gute Gastgeber
Mit anpacken, ehrenamtlich helfen, etwas Sinnvolles für andere tun – dies waren auch einige der Beweggründe der Bewerbung des echten Idealisten, der sich selbst als „wissbegierig, aufgeschlossen und immer bereit, etwas zu lernen“ kennzeichnet. Die beiden anderen: „Ich will zeigen, dass wir gute Gastgeber sind. Und ich wollte eine Chance nutzen, die ich in meinem Leben nie wieder bekomme.“ Im März starten erste Schulungen, Anfang Mai findet ein „Kickoff-Event“ statt. Vier EM-Spiele werden von Mitte bis Ende Juni in der Schalker Arena angepfiffen, unter anderem mit den Teams und ihren heißblütigen Fans aus England, Italien, Spanien und Portugal. Live erleben wird Roland Golfmann die EM-Spiele nicht. „Volunteers werden zwar zum Teil im Stadion sein, aber nicht das Spiel sehen“, erklärt Jochen Kemmer, Volunteer-Manager bei der Stadt Gelsenkirchen. Für den Röhlinghauser kein Problem: Wenn er nicht im Einsatz ist, finden daheim Gartenpartys mit der Familie und Freunden statt. Der Beamer für ein gestochen scharfes Bild ist jedenfalls schon bestellt.
EURO 2024 in Gelsenkirchen
1.600 Volunteers benötigt der EM-Standort Gelsenkirchen – noch sind Bewerbungen möglich: GEL.volunteer@euro2024.com.Gesucht werden Volunteers für die Bereiche „Welcome & Info“ an den Fan-Treffpunkten in Gelsenkirchen-Mitte und Gelsenkirchen-Buer, für das „Ticketing“ rund ums Stadion sowie für die Fanzone mit Public Viewing im Nordsternpark.