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Erfolgsgeschichte Gastro-Meile

Gastronomie

Freundlicher Service im Cafe Del Sol. "Täglich Urlaub" im Cafe Del Sol.

Das gibt es nur auf der Gastro-Meile an der Holsterhauser Straße. Die dort etablierten Schlemmerbetriebe loben die gute Erreichbarkeit, die vielen kostenfreien Parkplätze und die Vielfalt des Angebots.

Es gibt sie ja, die „Gastro-Meilen“. Fast in jeder Stadt locken Restaurants und Gaststätten, zumeist in einem engen Quartier, unzählige Gäste an. Diese freuen sich über die Vielfalt: Ob italienisch oder spanisch, ob griechisch, türkisch oder deutsch gekocht wird, ob Pizza oder Fisch, ob Döner oder Weißwurst – die Konkurrenz belebt das Geschäft. Dort, auf den Gastro-Meilen, entscheidet der eigene Bauch den Weg zum Restauranttisch und nicht die fehlende Alternative. Zumeist sind die „Inseln des guten Geschmacks“ in autofreien Innenstädten angesiedelt. Schlag nach in der Nachbarstadt Bochum, wo das „Bermuda-3eck“ ständig wächst. Oder sie sind ein wichtiger Bestandteil großer Einkaufszentren wie im Oberhausener Centro. Herne ist hier eine Ausnahme: An einer Ausfallstraße, im direkter Nachbarschaft zu den Autobahnen 42 und 43, hat sich eine Gastro-Meile entwickelt: auf dem ehemaligen Hibernia-Gelände an der stark befahrenen Holsterhauser Straße, zwischen Autohäusern, Logistikern, je einem großen Möbel- und Sporthaus sowie dem Gasometer.

  • Café del Sol, Eingang, © Gastro & Soul GmbH

„Freestander“ auf der grünen Wiese

Ende 2002 begann diese Erfolgsgeschichte. Am 28. November schloss das Cafe Del Sol zum ersten Male seine Türen auf. Eine freistehende Kolonialvilla mit überdachter Holzveranda, die Erinnerungen an Sonne, Strand und Meer weckt. Bewusst gingen die Investoren auf dieses Gelände und nicht in die Innenstadt. Mit der Aussage „Gute Erreichbarkeit für unsere Gäste und eine verkehrsgünstige Lage stehen für uns im Vordergrund“ orientierten sie sich bei der Standortwahl an der in den USA schon lange erfolgreichen Strategie der „Freestander“-Bauweise auf der grünen Wiese, d.h. freistehende Gebäude an den Ein- und Ausfallstraßen von großen Städten. Hinzu kam in Herne das Parkplatzangebot – großzügig und vor allem kostenfrei für die Gäste.

Die Investition muss sich gerechnet haben, denn fast auf den Tag genau fünf Jahre später, am 29. November 2007, eröffnete direkt neben dem Cafe Del Sol die Bavaria-Alm im Almhüttenstil, mit bayerischem, gutbürgerlichem Speisenangebot. Konkurrenz? Nein, denn zum einen gehören beide Läden zur Hildesheimer Gastro & Soul GmbH, zum anderen „erhöhen die verschiedenen Gastronomie-Konzepte im Zusammenspiel die Attraktivität des Standortes als gastronomisches Ausflugsziel und ergänzen sich gegenseitig“, so Ariane Bahlmann, Marketingleiterin der Gesellschaft in Niedersachsen.

365 Tage im Jahr

Trotz der verschiedenen Konzepte, „Täglich Urlaub“ im Cafe und „Gipfel der Gemütlichkeit“ in der Alm, die sich insbesondere im jeweiligen Gebäudestil und dem unterschiedlichen Speisenangebot widerspiegeln, haben die Häuser einige Gemeinsamkeiten. Beide bieten etwa 230 bis 250 Gästen im Innenbereich Platz, hinzu kommen jeweils eine Veranda oder Terrasse, auf der bis zu 200 Gäste bedient werden können. Zudem sind beide Häuser 365 Tage im Jahr geöffnet. Das Cafe Del Sol versteht sich als Ganztagesrestaurant mit einem breiten Speisenangebot und bietet täglich Frühstück an, Frühstücksbuffet am Samstag und Brunch an Sonn- und Feiertagen gibt es in beiden Restaurants. Auch die Zahl der Angestellten ist nach Angaben von Gastro & Soul identisch: Etwa 40 bis 50 Mitarbeiter sind in beiden Betrieben in Voll- bzw. Teilzeit beschäftigt. Über die Besucherzahl macht das Unternehmen keine Angaben.

Und wo sich zwei Häuser erfolgreich am Markt behaupten, muss auch noch Platz für ein drittes sein. Dies dachte sich die süddeutsche Gastronomie-Kette L`Osteria und eröffnete Ende August 2013 für Liebhaber der italienischen Küche ein Restaurant neben der Bavaria-Alm. Etwa 450 Gäste finden dort einen Platz, mit durchschnittlich 800 pro Tag kalkuliert das Unternehmen. Auch hier überzeugte der Standort (Parkplätze, gute Erreichbarkeit im Autobahnkreuz) sowie der „relativ günstige Preis des Grundstückes“, wie Unternehmen Friedemann Findeis bei der Eröffnung zitiert wurde.

„Hier haben alle gewonnen“

Fast voll besetzte Parkplätze bis weit in die Abendstunden zeugen zurzeit davon, dass das Konzept der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Herne, die den Auftrag hatte, das ehemalige Hibernia-Gelände an der Holsterhauser Straße zu vermarkten, aufgegangen ist. WFG-Chef Dr. Joachim Grollmann freut sich über den Strukturwandel: „Wir haben ein Angebot geschaffen, in dem alle Gewinner sind: die Stadt, die Betreiber und deren Gäste.“ Seiner Meinung nach hat sich durch die kleine Gastro-Meile sogar das Image Hernes verbessert: „Es kommen viele Leute aus anderen Städten dorthin, die sonst immer einen Bogen um Herne gemacht haben. Das tut uns und unserem Image gut. Und: Dieses Angebot auf engstem Raum wie hier gibt es in keiner anderen Stadt Deutschlands.“ Dass der Standort gefragt sei, hätten auch die Anfragen weiterer Interessenten bewiesen. Aber, so Grollmann: „Mit dem Thema Gastronomie sind wir hier auf dem Gelände jetzt durch.“

Von Spanien über Bayern nach Italien

Auch Hernes oberster Wirtschaftsförderer sieht das große Plus des gastronomischen Trios an der Holsterhauser Straße in der guten Erreichbarkeit, in den vielen Parkplätzen und in der Vielfalt des Angebots: „Der eine Gast geht nach Spanien, der andere nach Bayern und wieder ein anderer nach Italien. Die Gäste werten es als eine Bereicherung, wenn ihnen an einem Platz mehrere Alternativen gegeben werden“, ist für Grollmann die kulinarische Landkarte an der Hosterhauser Straße sehr gut besetzt. Dass die drei Häuser den Etablierten in Herne zahlende Gäste wegnehmen, glaubt er übrigens nicht. „Die angestammten Gastronomen unserer Stadt haben ein eingeschworenes Stammpublikum, das sie auch nicht verlässt. Zudem sprechen die Betriebe an der Holsterhauer Straße meiner Meinung nach ein anderes Zielpublikum an, jünger und vor allem mobiler.“

Text: Jochen Schübel

Fotos: Gastro & Soul GmbH, L’Osteria

Inherne-Service:

Cafe Del Sol:

Öffnungszeiten: so – do von 9 bis 1 Uhr nachts, fr – sa von 9 bis 2 Uhr nachts. Deutschlandweit gibt es 27 Cafe Del Sol-Betriebe, davon allein 13 in Nordrhein-Westfalen, die alle baugleich erstellt wurden.

Bavaria Alm:

Öffnungszeiten: mo – fr von 11 bis 24 Uhr, sa, so und feiertags von 9 bis 24 Uhr. Neben der Herner Alm gibt es noch vier weiter in Mönchengladbach, Hildesheim, in Garbsen bei Hannover sowie in Torfhaus im Harz. Auch diese Häuser sind alle baugleich.

L’Osteria:

Öffnungszeiten: mo – sa von 11 bis 24 Uhr, so und feiertags von 12 bis 24 Uhr. Neben dem Herner Restaurant gibt es zurzeit noch etwa 30 weitere in ganz Deutschland und Österreich.