Extrawurst für Wanne-Eickel angerichtet

14. Januar 2025 | Ausgabe 2025/1

Seit 2005 bereichert Engin Kartals Metzgerei Alican die Fußgängerzone

Mitten in der Fußgängerzone Wanne- Eickels steht die Metzgerei von Engin Kartal. Benannt nach seinem Sohn Alican – der im Jahr der Geschäftsöffnung 2005 geboren wurde – steht das Geschäft stellvertretend für die wirtschaftliche Vielfalt Wanne-Eickels. Die Option, seine Metzgerei in einer anderen Stadt zu eröffnen, kam dabei für ihn gar nicht erst in Frage.

Zum Familienunternehmen gehören auch Kartals Ehefrau Ebru und die jüngere Tochter Esila. Seine Mutter lebt noch, der Vater ist 2017 verstorben und hat die Geschichte der Metzgerei Alican und der Person Engin Kartals entscheidend mitgeprägt. Vor rund 50 Jahren – im Jahr der Städteehe zwischen Herne und Wanne-Eickel – sind die Eltern aus der Türkei nach Deutschland gezogen, aus der Schwarzmeerregion. Der Vater wollte hier zunächst als Seemann arbeiten, später heuerte er dann als Bergmann „auf“ Prosper-Haniel in Bottrop an.

Dryaged Steak-Varianten.

Der Chef in der Kühlkammer.

Glückliche Kindheit in Wanne-Eickel

Kartal schwärmt von seiner Kindheit in der Stadt: „Wir waren die typische Gastarbeiterfamilie – es hat alles hervorragend funktioniert mit der ganzen Nachbarschaft. Mit den anderen Familien saß man zusammen bei Kaffee und Kuchen oder zum Grillen. Unsere Kindheit war wunderschön.“ An ein besonderes Stück Ruhrgebietskultur erinnert er sich dabei besonders genau zurück: „Die Bergmänner hatten immer sieben Tonnen Kohle bekommen, die auf die Straßen entleert wurden. Wir haben dann alle mitangepackt, um die Kohle in die Keller zu schaufeln: die ganze Nachbarschaft mit Eimern, jeder hat jedem geholfen.“

Hilfsbereitschaft ist Kartal wichtiges Anliegen

Dieses Gemeinschaftsgefühl stand ganz oben auf der Prioritätenliste für Kartal, als er seine Metzgerei eröffnet hatte. In der Nachbarschaft ist der Unternehmer fest verwurzelt, allein schon, weil er die Messer „für die halbe Nachbarschaft“ schleift. Dieses Gefühl der Hilfsbereitschaft und des Miteinanders ist Kartal ein wichtiges Anliegen: Die Metzgerei ist Hauptsponsor des Fußballvereins Firtinaspor, der von seinem Bruder 1990 mitgegründet worden ist. Kartal und seine Frau haben auch vor einem Jahr mitgeholfen, eine Mädchenmannschaft zu gründen innerhalb des Vereins. Die Tochter Esila spielt selbst im Tor der Mannschaft. „Damit haben wir bewiesen, dass auch Mädchen mit Migrationshintergrund Fußball spielen können und sollten“, freut sich Kartal. die Fußgängerzone

„Die Bergmänner hatten immer sieben Tonnen Kohle bekommen, die auf die Straßen entleert wurden. Wir haben dann alle mitangepackt, um die Kohle in die Keller zu schaufeln: die ganze Nachbarschaft mit Eimern, jeder hat jedem geholfen.“

Liebe zu Wanne-Eickel spielte Rolle bei Geschäftseröffnung

So freue ihn auch die Vielfalt an Angeboten, die sich seit 2005 entwickelt hat: Mittlerweile bekomme er fast jedes Produkt, das er aus der Heimat der Eltern kenne, auch in Wanne-Eickel und Umgebung. Kartal fühlt sich wohl in Wanne-Eickel – mehr noch: „Ich liebe Wanne-Eickel. Ich bin hier geboren und aufgewachsen, kenne jede Ecke, jeden Park, wir haben unseren Freundeskreis hier. Jede Stadt hat ihre Probleme und wir sind bemüht, unseren Beitrag zu leisten, dass es vorangeht hier. Die Hauptsache ist, das Beste daraus zu machen.“ Zu Beginn habe sein Umfeld noch Bedenken geäußert ob seiner Entscheidung, seine Metzgerei in Wanne-Eickel und nicht in einer größeren Stadt zu eröffnen. Kartal ist rückblickend aber froh, diese Entscheidung getroffen zu haben: „Was bringt es mir, in Düsseldorf einen Laden auf der Königsallee zu haben, wenn ein Großteil der Einnahmen für Mietkosten wieder rausgeht. Da habe ich hier viel bessere Möglichkeiten

Die Kunden schätzen die große Auswahl.

Sohn Alican, Engin, Tochter Esila und Ehefrau Ebru Kartal zum Familienportrait auf die Wanner Hauptstraße.

Die „Alican-Bratwürste“ nach Spezialrezept kommen auch an der Schwarzmeerküste gut an.

Besonderer Wunsch: Stand auf der Cranger Kirmes

Das besondere Highlight seines Sortiments: eine Bratwurst nach deutschem Rezept mit Kalb und Pute. „Viele muslimische Mitbürgerinnen und Mitbürger wollten auch gerne mal eine richtige Bratwurst essen, auf der Kirmes zum Beispiel. Jeder, der diese Bratwurst probiert hat, sagt, dass sie genauso schmeckt wie das Original.“ Damit helfe er auch der Integration derjenigen, die ebenfalls ihre Wurzeln in der Türkei haben: Nun können muslimische und nicht-muslimische Menschen gemeinsam grillen und freuen sich gleichermaßen auf ihre Bratwurst – so funktioniert Integration am besten. Für die Zukunft der Stadt wünscht sich Kartal vor allem, dass sie weiter belebt wird: zum Beispiel durch den Ausbau der Innenstadt, des Rathauscarrés und des Hauptbahnhofs. Und als Wanne-Eickeler hat er noch einen ganz besonderen Wunsch für die nächsten Jahre: ein Stand auf der Cranger Kirmes mit seiner Bratwurst.

Text: Daniel Djan     Fotos: Thomas Schmidt