Gemeinsam gesund weiterwachsen

4. Januar 2026 | Ausgabe 2026/1

Der mitgliederstärkste Fußballverein in Herne

Nein, es ist nicht wie der berühmte „Phönix aus der Asche“! Aber: Im Schatten der Traditionsvereine SC Westfalia und DSC Wanne-Eickel hat sich in der Herner Fußball-„Familie“ ein Verein etabliert, der nicht nur sportlich, sondern vor allem außerhalb des grünen Rasens den Schattenplatz verlassen und ihn mit einem an der Sonne eingetauscht hat: die Sportvereinigung Horsthausen 1912/26. Vor 13 Jahren kickte der Club noch in der Kreisliga, nach drei Aufstiegen gehört er zurzeit zum oberen Tabellendrittel der Westfalenliga.

Dies alles ohne den berühmten Mäzen im Hintergrund, ohne temporäre Finanzspritzen, die meist nur für kurzfristigen Erfolg sorgen. Vielmehr setzen die Horsthauser auf „kontinuierliche Arbeit“ und stecken sich „ambitionierte Ziele, die wir Schritt für Schritt, und nicht alle auf einmal erreichen wollen“, baut Vorstandsmitglied Marcel Gerresheim keine Luftschlösser, die schnell wieder in sich zusammenbrechen.

2012 begann der Aufstieg von der Kreis- in die Westfalenliga

2012, parallel zur Eröffnung des Sportzentrums Horsthausen mit Kunstrasenplatz und Kleinspielfeld, beides teilt sich die SpVgg mit Fortuna Herne, begann der steile Aufstieg. Sportlich ging es, immer mit Marc Gerresheim als Trainer der 1. Mannschaft an der Linie, konstant nach oben. Dazu wuchs die Mitgliederzahl auf zirka 700. Damit ist Horsthausen aktuell der zahlenmäßig größte Fußballverein in Herne. Im Seniorenbereich tragen zwei Herrenteams, eine Damenmannschaft sowie die Alten Herren, „letztere sind für den Verein in allen Bereichen eine eminent wichtige Stütze“, das Horsthauser Trikot. Dazu sind im Nachwuchs bis auf die A-Junioren alle Altersklassen mindestens doppelt besetzt. Im Jugendkonzept soll der nächste Schritt gegangen werden, „von der Quantität auch hin zur Qualität“, so Marcel Gerresheim.

Qualität, sprich „mehr Professionalität“, ist auch neben dem Platz das Zauberwort. Das Vereinsheim wurde ausgebaut, modernisiert und verfügt jetzt über eine Geschäftsstelle sowie demnächst über einen Besprechungsraum für alle Mannschaften auf dem modernsten Stand der Technik. Nächstes Ziel: eine überdachte Sitztribüne. Kosten: zirka 60.000 bis 80.000 Euro. Tribüne! Da war doch was? Ja, auch die Westfalia will wieder eine haben – „und dafür haben wir absolutes Verständnis, vor allem für das Konzept, den Neubau in die Stadtteilarbeit Baukau zu integrieren“, blickt Marcel Gerresheim ohne Neid zum Nachbarn.

„Finanziell gesehen sind wir sehr gesund“

Neid kommt auch nicht auf, wenn in anderen Vereinen mit Geld nur so um sich geworfen wird. Natürlich bezahlt auch Horsthausen seine Spieler in der Westfalenliga, aber „alles in einem vernünftigen Rahmen“. Der Verein sei finanziell nicht nur „gesund, sondern sehr gesund“. Dazu tragen Mitgliedsbeiträge, Sponsoring, Eintrittsgelder und die eigene Gastronomie im Vereinsheim bei, vor allem aber die seit 1980 ausgetragenen Sportwerbe-Wochen im Juli. Einst ließ dafür der heutige Ehrenvorsitzende Werner Haase kleine Ponys mit Sulky um den Platz traben, heute wird in den 14 Tagen ausschließlich Fußball gespielt und vor allem gefeiert. „Und dies alles in Eigenregie. Jede Mannschaft engagiert sich beim Catering“, weiß Lennart Lurz, im Vorstand für Marketing und Sponsoring verantwortlich. Weitere Einnahmequellen sind Entscheidungs- oder Pokalendspiele. Dank des mehr als intakten Vereinsleben ist Horsthausen die erste Adresse des Herner Fußballkreises für die Ausrichtung dieser K.-o.-Spiele.

Und die Ziele? „Wir wollen gemeinsam gesund weiterwachsen“, heißt das Motto für die nächsten fünf Jahre. Dann will Gerresheim unter anderem einige Jugendmannschaften überkreislich spielen sehen, während Lurz sich „auf einer überdachten Tribüne“ sitzen sieht, um dort „gemeinsam mit unseren Vorgängern im Vorstand, die hier alles aufgebaut haben, Topspielen der Westfalenliga zuzuschauen“.

Text: Jochen Schübel     Foto: Jonas Richter (MC400)