GG Open Lobby gibt Gamern eine feste Heimat

4. Januar 2026 | Ausgabe 2026/1

Seit knapp einem Jahr wird auf der Hauptstraße digital gezockt – in einer ehemaligen Spielhalle

Herne ist bundesweit Spitzenreiter im Vereinssport. Besonders in der Breite ist die „Sportstadt Herne“ hervorragend aufgestellt: Das Angebot reicht von Klassikern wie Fußball oder Handball bis zu neueren Varianten wie E-Sport. Doch nicht nur für die Vereinsgamer des DSC Wanne-Eickel bietet sich mit der GG Open Lobby auf der Hauptstraße seit rund einem Jahr eine neue feste Heimat – auch vereinslose Videospielfans können hier vorbeischauen und mitspielen.

Deutlich zu erkennen ist die GG Open Lobby seit einigen Wochen durch das farbenfrohe Wandgemälde oder Mural an der Fassade der Hauptstraße 240 – ein Projekt des international bekannten Pariser Künstlers Gilbert Petit mit regionalen Nachwuchskünstler*innen und der städtischen Stabsstelle Zukunft der Gesellschaft. Dennoch dürften sich viele Passanten fragen: Was genau ist die GG Open Lobby eigentlich? Antreiber hinter dem Projekt sind Mike Lautenschläger und Dennis Kazakis. Der Sportjournalist Lautenschläger kommt ursprünglich vom Handball, Kazakis ist Pädagoge und kümmert sich um die Jugendarbeit des Vereins. Kennengelernt haben sie sich vor knapp drei Jahren im Rahmen der Planungen zur ersten Herner E-Sport-Stadtmeisterschaft. Gemeinsam beschlossen sie, E-Sport in Herne weiter voranzutreiben – zunächst nahe der Sporthalle Eickel, heute am festen Standort auf der Hauptstraße.

Vom Handball zum E-Sport

Für Lautenschläger gab es dafür einen pragmatischen Grund: „Ich bin ursprünglich Handballer und aktiv im Vereinsleben des DSC Wanne-Eickel. Das digitale Spielen kam erst dazu, als ich merkte, dass es auf dem klassischen Weg für Sportvereine zunehmend schwierig wird.“ Seine Idee: E-Sport nicht als Konkurrenz, sondern als Chance zu begreifen, Vereine jünger und moderner aufzustellen. Begonnen wurde mit dem Fußballspiel EAFC, inzwischen gehören auch Mario Kart, Super Smash Bros und Fortnite zum Repertoire. Das Angebot richtet sich nach den Interessen der Gamer und kann künftig um weitere Titel ergänzt werden. Ein zentrales Merkmal der GG Open Lobby: Die Türen stehen nicht nur Vereinsmitgliedern offen – auch vereinslose Gamer und Interessierte sind zu den Öffnungszeiten willkommen.

Angebote für Eltern und Lehrkräfte

Auch Eltern und Lehrkräfte nutzen das Angebot, um sich zu informieren. „Die Widerstände waren anfangs groß“, sagt Lautenschläger. „Aber wir haben gute Argumente, um Kritiker vom positiven Nutzen des E-Sports zu überzeugen.“ Dazu zählen unter anderem Konzentrationsfähigkeit, Frustrationstoleranz und der Teamgedanke: „Bei unseren Turnieren ist schön zu beobachten, wie selbst Unterlegene sich mit den Siegern freuen.“ Jugendtrainer Kazakis ergänzt: „Oft heißt es, Kinder würden ohnehin schon genug spielen. Unser Gegenargument lautet: Ja – aber meist unbegleitet.“ In der GG Open Lobby trainieren sie soziale Kompetenzen, Kommunikationsfähigkeit und Teamplay – vergleichbar mit anderen Sportarten. Gleichzeitig fungiert die GG Open Lobby als Quartiersforum und Ort für Bildungsveranstaltungen wie Computerkurse oder Workshops.

Wünsche für die Zukunft

Die Vorteile eines festen Standortes liegen auf der Hand: bessere Erreichbarkeit und der Wegfall des zeitintensiven Auf- und Abbaus vor Turnieren. Ausnahmen bilden weiterhin Veranstaltungen wie die Stadtmeisterschaft in den Flottmann-Hallen. Für die Zukunft wünschen sich die Verantwortlichen ein finanzielles Polster, um zusätzliche Konsolen anschaffen oder auf neue Veröffentlichungen reagieren zu können. Zudem erhoffen sie sich langfristige Planungssicherheit über die zunächst vereinbarten 24 Monate Mietzeit hinaus. Für den Stadtteil ist die GG Open Lobby schon jetzt ein Gewinn: Eine ehemalige Spielhalle wurde zu einem zentralen Spiel-, Lern- und Bildungsort sowie zu einer Begegnungsstätte für Jung und Alt. Ihren letzten Wunsch richten Lautenschläger und Kazakis direkt an alle Interessierten: „Einfach mal vorbeikommen und sich selbst überzeugen!“

Text: Daniel Djan     Fotos: Frank Dieper