Gut beschirmt

7. Januar 2024 | Ausgabe 2024/1

Willy Schüffler steht für Handwerkskunst

2023 war in NRW das niederschlagsreichste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung im Jahr 1881. Eigentlich also beste Voraussetzungen für die Zunft der Schirmmacher. Leider kaufen jedoch mittlerweile die meisten Menschen billige Massenware aus China, die meist nach einem etwas stärkeren Windstoß oder mehreren Starkregeneinsätzen nach kurzem Gebrauch schon wieder im Müll landen. Laut Schirmmacher Willy Schüffler werden in Deutschland mehr als 26 Millionen Regenschirme pro Jahr weggeworfen. Das passiert seinen handwerklich gefertigten Schirmen nicht.

Seit 1968 führt Willy Schüffler die Produktion und den Verkauf im 1920 in Essen gegründeten Handwerksbetrieb in dritter Generation. In Spitzenzeiten konnten bis zu 20.000 Schirme hergestellt und verkauft werden, aktuell sind es noch bis zu 2.000 Stück, die Schüffler gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Jennifer Kossuch in Herne-Röhlinghausen produziert. Nachdem 1998 der Ausbildungsberuf offiziell abgeschafft wurde und somit Nachwuchskräfte fehlten, reduzierte sich die Anzahl der Meisterbetriebe mit eigener Produktion bis 2011 auf acht. Aktuell gibt es nur noch den Betrieb in Herne, der eine größere Stückzahl selbst produziert. Somit verschwindet in wenigen Jahren auch der uralte Holzhandwerksberuf des Schirmmachers (auch Umbellarius, Parapluiemacher oder Parasolmacher genannt) von der Bildfläche. Die historischen Wurzeln der Sonnenschirmfertigung reichen bis ins Ägypten der Pharaonen zurück. Aufgrund der hohen Kosten konnten sich zunächst nur Herrscher und Adelige vor Sonne und Regen schützen. In Südeuropa wurden im 17. Jahrhundert Sonnenschirme bereits im größeren Umfang verwendet. Der Schirm als Schutz vor Regen setzte sich zunächst im 18. Jahrhundert in England und danach auch in Mitteleuropa durch. Die erste Blütezeit zur Zeit des Biedermeier und die damit verbundene höhere Nachfrage führte dann auch zu einer ersten Phase der industriellen Fertigung.

Willy Schüffler in seiner Wekstatt.

Die alte Geschäftsfassade in Röhlinghausen.

Seit 1968 führt der Schirmmacher die Produktion und den Verkauf.

Für Film und Fernsehen

Neben Privatkunden, die bereit sind, für einen nachhaltig produzierten und somit reparierbaren Schirm ab 50 Euro zu investieren, fragen immer wieder Filmproduzenten und Theater in Herne an, die eine größere Stückzahl historischer oder spezieller Schirme benötigen. Auch zahlreiche Prominente zählen zu den Kunden. Der berühmteste Empfänger eines Schirms „Made in Herne“ war sicherlich 1996 Papst Johannes Paul II., für den das Bistum Essen einen weißen Schirm in Auftrag gab. Grundlage eines qualitativ guten Schirms ist ein handwerklich gefertigtes Schirmgestänge mit zehn Speichen, das Willy Schüffler auf teilweise über 90 Jahre alten Maschinen herstellt. Wie man auf der Homepage, rain-fashion.com, sehen kann, gibt es die unterschiedlichsten Materialien für die Griffe der Schirme und natürlich auch zahlreiche Designs für die Stoffe, mit denen die Schirme bespannt werden. „Es gab Zeiten, da haben wir Schirme mit Brokatseide und Goldbeschlägen verkauft. Das waren damals Statussymbole wohlhabender Kunden“, erzählt der Schirmmachermeister. Einen guten Schirm zeichnen auch heute noch ein massiver Stock, zum Beispiel aus Wurzelholz, ein hochwertiger Stoff sowie ein ordentlicher, robuster Griff aus. Und ein solcher Schirm kann dann auch viele Jahre seinen Dienst versehen, zur Not auch repariert werden und so nachhaltig die Umwelt schonen. Medieninteresse Nicht nur interessierte Kund*innen schauen nach Absprache in der Produktion in Röhlinghausen vorbei. Regelmäßig präsentiert WillySchüffler Journalist*innen unterschiedlichster Magazine und Zeitungen seinen Betrieb und in diesem Jahr haben bereits der WDR, das ZDF und das Format ARD Buffet bei ihm und mit ihm gedreht. Obwohl er das offizielle Rentenalter schon vor vielen Jahren erreicht hat, denkt er nicht an den Ruhestand, sondern will solange weiterarbeiten, wie ihm sein Beruf Spaß macht.

Text: Herne.Business/Michael Böhm    Fotos: privat