Jazz-Ausstellung

Heimatmuseum zeigt Geschichte der „jazzwanne“

4. November 2021 | Kultur
Foto: Das Heimatmuseum Unser Fritz taucht in die Geschichte der „jazzwanne“ ein. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Obwohl der von jungen Leuten in Eigenregie geführte Jazz-Club nur sechs Jahre existierte, beeinflusste er die Musikgeschichte im Revier. Viele beeindruckende Originalfotos von Gründungsmitglied Hartmut Beifuß dokumentieren das Wirken einer jungen Generation. Die schwarz-weiß Bilder lassen die Besucherinnen und Besucher eintauchen in eine Zeit, als die „jazzwanne“ für viele junge Menschen in Wanne-Eickel zu einem wichtigen Treffpunkt wurde. „Doch wofür stand der Club eigentlich, welche Auswirkungen hatte er damals?“ Für Kurator Ralf Piorr sind dies zentrale Fragen. Deshalb konzentriert sich die Ausstellung längst nicht nur auf den eigentlichen Club, sondern auch auf das damalige Lebensgefühl der Jazz-Szene. Piorr: „In den 60er Jahren haben sich junge Leute zusammengefunden und haben ein Projekt gestartet. Sie haben mit diesem Club gezeigt, was machbar ist. Diese Energie hat sich über viele Jahre gehalten und sich in einem sehr aktiven Wanner Musikleben widergespiegelt.“ Dr. Oliver Doetzer-Berweger, Leiter des Emschertal-Museums, sprach von einem Aufbruch, der in der jungen Generation zu spüren war. Der Jazz spielte hierbei eine wichtige Rolle. „Er war Ausdruck einer politischen Auffassung“, so Piorr.

Das würde wohl auch Eckard Koltermann sofort unterschreiben. Der bekannte Jazzmusiker entwickelte sich zum entscheidenden Antreiber für die Ausstellung im Heimatmuseum. Er selber bezeichnet sich als Zeitzeuge der zweiten Reihe. Als die Bagger das Haus samt Jazzclub in Wanne-Süd 1967 abrissen, war er acht Jahre alt. Doch von der Atmosphäre, die der Club ausstrahlte, kann Koltermann dennoch viel berichten. Der Grund: unter anderen die freundschaftlichen Kontakte zu Ernst Dittke und Heinz Oelmann, die am Saxophon und am Piano zu den Stammgästen in der „jazzwanne“ gehörten. „Für mich waren diese beiden Musiker prägend“, sagte Koltermann während der Pressekonferenz. Zu Wort kommt der Herner Saxophonist aber auch im Katalog zur Ausstellung, der im adhoc Verlag erschienen ist und ein Stück Stadtgeschichte in brillanter Form auf 214 Seiten beschreibt. Koltermann: „Durch Erzählungen habe ich begriffen, wie identitätsstiftend der Club war und was für starke Spuren er hinterlassen hat.“

Genau solche Spuren sind nun auch bis zum 13. Februar im Heimatmuseum zu finden. Insbesondere im Erdgeschoss sind viele Originale zu bestaunen. Schallplatten und Bücher, aber auch zahlreiche Plakate laden zur Zeitreise ein. Natürlich darf dabei auch eine Wanne nicht fehlen. Gefüllt mit Instrumenten ist sie der zentrale Blickfang des unteren Ausstellungsraums. Der Raum im Obergeschoss beleuchtet dagegen mehr die Entwicklung des Jazz. Hier hätten sicherlich auch die Jazzgrößen von damals ihre Freude gehabt. Es waren Musiker wie Jan Wrobleski. Auf die Frage, wo er schon gespielt hat, antwortete der polnische Tenorsaxophonist: „In Mailand, Stockholm, London, Paris und Wanne-Eickel …“

Impressionen von der Ausstellungseröffnung im Heimatmuseum Unser Fritz am 4.November 2021 (Fotos Thomas Schmidt)