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Infotafel zum Kriegerdenkmal wurde aufgestellt

Infotafel zum Kriegerdenkmal wurde aufgestellt © Frank Dieper, Stadt Herne Infotafel zum Kriegerdenkmal wurde aufgestellt © Frank Dieper, Stadt Herne

Erklärende Worte zum geschichtlichen Kontext gehen auf Projekt von Schülerinnen und Schülern des Otto-Hahn-Gymnasiums zurück

Im Jahr 2011, während der städtischen Gedenkveranstaltung für die Opfer von Gewalt und Terror im Deutschland der Jahre 1933 – 1945, machten Schülerinnen und Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums auf das Kriegerdenkmal auf dem sogenannten Ehrenfriedhof, dem Gräberfeld auf dem Herner Südfriedhof an der Wiescherstraße, aufmerksam. Sie kritisierten: An diesem Denkmal, dass 1934 zu Ehren der Toten – aber vor allem zu Propaganda-Zwecken – enthüllt wurde, würde die Stadt Herne bis dato am Volkstrauertag Kränze niederlegen. Oberbürgermeister Horst Schiereck nahm diesen Vorwurf noch in der Gedenkstunde auf und ermutigte die Schülerinnen und Schülern, Vorschläge für einen kritischen Umgang mit dem Denkmal zu machen. In 2012 stellte sich OB Schiereck gemeinsam mit der Geschichts-AG der Öffentlichkeit und erläuterte in einer Pressekonferenz verschiedene Vorschläge der Schülerinnen und Schüler. In Folge wurde eine heftige Diskussion um das Denkmal in Politik und Öffentlichkeit geführt. Den Protagonisten wurde der Vorwurf gemacht, sie wollten den Toten keine Ehre mehr erweisen. Doch genau darum ging es den Schülerinnen und Schülern, denn sie verurteilten die Gewalttaten des Naziregimes und wollten vor allem auf die versteckte Propaganda aufmerksam machen, die sich auch aus dem Adler auf dem Denkmal herauslesen lässt.

  • Infotafel zum Kriegerdenkmal wurde aufgestellt © Frank Dieper, Stadt Herne

Den Schülerinnen und Schülern des Geschichtskurses am OHG ging es um eine kritische Aufarbeitung der Geschichte des Denkmals und seiner Symbolik. Sie wollten mahnen. Es hat eine Zeit gedauert, bis die Stadt zu einer Lösung im Umgang mit dem Kriegerdenkmal gefunden hat, denn es mussten nach den Schülervorschlägen sowohl die Untere Denkmalbehörde als auch die Obere Denkmalbehörde (LWL) einbezogen werden, weil das gesamte Areal des Ehrenfriedhofs unter Denkmalschutz steht. Deshalb verbietet sich ein baulicher Eingriff. Auch die Sichtachse ausgehend von der Kapelle in Richtung Denkmal darf nicht verstellt werden. Eine sofortige Verfügung des OB hatte es allerdings schon unmittelbar nach der Schülerveranstaltung gegeben: Bereits seit  2012 werden seitens der Stadtverwaltung keine Kränze zum Volkstrauertag vor dem Denkmal niedergelegt. Eine zentrale Gedenkfeier findet weiterhin an der Kapelle statt. Dieses Gedenken schließt alle Toten der Kriege in die Mahnung mit ein. Dazu gehören Soldaten wie auch alle zivilen Bombenopfer der Stadt, einschließlich auch der zahlreichen Zwangsarbeiter, die ebenfalls ihre Ruhestätte auf dem Südfriedhof haben. Die Vorschläge der Schülerinnen und Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums sowie die Stellungnahme seitens der Oberen Denkmalbehörde wurden dem Kulturausschuss der Stadt Herne  im Juni 2013 vorgestellt. Politik und Verwaltung folgten den Hinweisen der LWL-Denkmalpflege und verständigten sich darauf, die Anlage des Ehrenfriedhofs inklusive des Denkmals baulich unberührt zu lassen.

  • Infotafel zum Kriegerdenkmal wurde aufgestellt © Frank Dieper, Stadt Herne

Da die Sichtachse – ausgehend von der Kapelle in Richtung des Adlers –  weder durch eine Hecke (Vorschlag der Schüler) noch eine satinierte Glasscheibe (Vorschlag aus der Verwaltung) vor dem Adler unterbrochen werden sollte, wurde in Folge dessen eine Informationstafel geschaffen, die das Denkmal in seinem kritischen Kontext vorstellt. Der Text basiert auf Materialien und Recherchen des Stadtarchivs Herne, die auch den Schülerinnen und Schülern zum Teil schon vorgelegen hatten. Der ehemalige Stadtarchivar Manfred Hildebrandt hatte die Gedenkfeier gemeinsam mit der Geschichts-AG des OHG vorbereitet. Der Text-Entwurf zur aktuellen Tafel wurde nach dem Ausscheiden von Herrn Hildebrandt mit Unterstützung durch Dr. Oliver Doetzer-Berweger und Hans-Jürgen Hagen erstellt, das Layout stammt von Thomas Schmidt und Frank Dieper, städtisches Pressebüro. Erstmals wurde der Entwurf zum Volkstrauertag im November 2014 auf dem Friedhof vorgestellt. Im Frühjahr 2015 wurde die Tafel produziert und nun linker Hand unmittelbar vor dem Eingang zum Gräberfeld des Ehrenfriedhofs von zwei Edelstahl-Stützen gehalten im Boden verankert. Am heutigen 8. Mai 2015, im Gedenken an den 70. Jahrestag nach Kriegsende, hat Oberbürgermeister Schiereck gemeinsam mit Schulleiter Egon Steinkamp und Manfred Hildebrandt die Informationstafel zum Denkmal vor Ort auf dem Friedhof präsentiert. Des Weiteren folgt die Stadt dem Vorschlag der LWL-Behörde für eine alternative Bepflanzung des Blumenbeets vor dem Adler: Geplant ist, nach der Frühjahrsbepflanzung, dort Mohnblumen (Symbol für die Felder Flanderns 1914 – 1918) blühen.  Das Areal komplett  mit einer Blumenwiese zu überziehen, ist aufgrund der angrenzenden privaten Gräber nicht möglich, da sich die Samen überall ausbreiten würden.

Autorin: Karola Mono

In seiner Einladung an die Schulleitung des OHG hat OB Schiereck noch einmal seinen Dank an die Lehrerin und die ehemaligen Schülerinnen und Schüler des Geschichtskurses eingeschlossen. Da sie nach dem Abitur bereits die Schule verlassen haben, geht ihnen über die Schule eine Information zum Abschluss des Projektes zu.

In Flanders Fields

In Flanders fields the poppies blow
Between the crosses, row on row, That mark our place; and in the sky
The larks, still bravely singing, fly
Scarce heard amid the guns below.

We are the Dead. Short days ago We lived, felt dawn, saw sunset glow,
Loved and were loved, and now we lie
In Flanders fields.

In den Feldern von Flandern

In den Feldern von Flandern blüht der Mohn
Zwischen den Kreuzen, Reihe an Reihe,So bleibt  unser Ort erkennbar; und am Himmel
Singen die Lerchen wunderschön, fliegen
Kaum hörbar inmitten der Gechütze.

Wir sind die Toten. Wenige Tage zuvor
Lebten wir, waren verzagt, sahen die Sonnen untergehen
Liebten und wurden geliebt, und nun liegen wir
In den Feldern von Flandern

~ John McCrae ~

Mohnblumen und Kriegsgedenken

Infotafel_zum_Kriegerdenkmal_wurde_aufgestellt_copyright_frank_dieper_stadt_herne_007John McCrae  (1872-1918), war ein kanadischer Arzt, Soldat und Poet. Bekannt wurde er mit seinem Gedicht „In Flandern Fields“, das zuerst in England veröffentlicht wurde. Das Gedicht bekam später von fremder Hand eine unversöhnliche neue letzte Strophe, die hier nicht berücksichtigt wird. Im 1. Weltkrieg lief quer durch Flandern die Deutsch-Französisch/Britische Front. Durch den Stellungskrieg wurden viele Dörfer und Städte in dieser Region des eigentlich neutralen Belgiens zerstört. Wichtige flämische Städte sind Antwerpen, Brügge, Gent, Löwen, Mechelen und Ostende. Insbesondere auf den Feldern von Verdun und in Flandern fielen auf beiden Seiten Millionen von Soldaten, ohne dass sich an der militärischen Lage etwas geändert hätte. Auf den Schlachtfeldern und den Gräbern in Flandern wuchsen Mohnblumen (poppies). Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges werden in den USA, Frankreich und England aber wohl auch in anderen der in dieser Kapelle der Christuskriche Bochum genannten Ländern künstliche Mohnblumen zum Gedenken der Toten und zur Unterstützung der Kriegsveteranen gekauft. Das geschieht jährlich am letzte Montag im Mai. Der Brauch entstand 1915 in den USA auf Grundlage eines 1868 bereits eingeführten „Memorial Days“ – Gedenktages – für gefallene Soldaten und verbreitete sich in den verbündeten Staaten. „Flandern Fields“ ist auch der Name eines amerikanischen Soldatenfriedhofes bei Wregem in Belgien und eines Museums für den Ersten Weltkrieg in Leper, Belgien.

Dr. Hans H. Hanke 2007, LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen