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Interview mit HTC-Pressesprecher Lars Winkelmann

Interview

Pressesprecher Lars Winkelmann hofft am Pokal-Wochenende auf viele Besucher in der MCG-Arena. ©Stadt Herne, Michael Paternoga

siehe auch Bericht: “Das Finale wäre ein Traum!”

inherne: Hallo Herr Winkelmann, Glückwunsch zum bisherigen Saisonverlauf. In der vergangenen Serie mussten die Basketball-Damen des Herner TC lange um den Verbleib in der 1. Bundesliga kämpfen. Diesmal springt vor den Playoff-Spielen sogar ein Platz unter den ersten Vier heraus. Spielen die Damen ihre beste Bundesligasaison.

Lars Winkelmann: Auf jeden Fall, da wir nun sicher unter den ersten Vier stehen und vielleicht sogar noch auf Platz 2 vorrücken können. Langfristig ist es natürlich schon unser Ziel, uns oben zu etablieren. Wir wollen sicher in der Liga drinbleiben und nicht ständig gegen den Abstieg spielen. Dieses Jahr ist uns das zum ersten Mal richtig gut gelungen. Auch, wenn wir natürlich nicht um den Titel spielen können. Das lässt unser Etat einfach nicht zu.

inherne: Da kommen wir zum Thema Sponsoren. Allein durch Eintrittsgelder in der MCG-Arena lässt sich das Unternehmen 1. Bundesliga sicherlich nicht finanzieren?

Winkelmann: Das stimmt leider. Ohne unsere Sponsoren würde in Sachen Bundesliga nichts laufen. Eigentlich sind wir ganz gut aufgestellt, wir haben einige Sponsoren. Aber es ist trotzdem schwierig. In der 1. Liga haben wir mit den kleinsten Etat von allen Teams. Den sechsstelligen Etat aufzubringen, ist immer ein Kraftakt. Deshalb sind wir natürlich froh, wenn uns Unternehmer unter die Arme greifen. Es ist halt schwer für Damen-Basketball Unterstützer zu finden. Aber wir arbeiten daran und hoffen noch weitere Unterstützer zu finden. Wir wollen immer so früh wie möglich Planungssicherheit haben für die nächste Saison. Erst dann können wir ja unserem Trainer Marek Piotrowski das Signal geben, dass er Spielerinnen verpflichten kann. Wir brauchen schließlich keine Verträge abschließen, wenn wir nicht sicher sind, ob wir die Spielerinnen bis zum Saisonende bezahlen können.

Lars Winkelmann stellt sich den Fragen der inherne-Redaktion

Lars Winkelmann stellt sich den Fragen der inherne-Redaktion

inherne: Mit den beiden US-Amerikanerinnen Teya Wright und Quenise Davis waren sie sich zum Ende der letzten Saison schnell einig. Die Verträge wurden verlängert. War das ein positives Zeichen?

Winkelmann: Auf jeden Fall. Teya Wright und Quenise Davis fühlen sich bei uns richtig wohl, wohnen in Herne in einer Wohngemeinschaft. Aber es läuft nicht nur bei den Amerikanerinnen richtig gut. Individuell sind wir enorm stark, auch im Team passt es. Den Kern der Mannschaft konnten wir ja halten. Und unsere Neuzugänge wie zum Beispiel Lisa Koop sind inzwischen auch längst beim HTC angekommen. Die Mädels verstehen sich gut, was besonders bei langen Auswärtsfahrten nicht unwichtig ist. Unserem Trainer ist da wirklich eine gute Mischung gelungen.

inherne: Die Mischung muss auch im Umfeld stimmen. Beim Projekt 1. Bundesliga müssen viele gerade bei den Heimspielen mitanpacken. Zieht der Verein mit oder wird es zunehmend schwieriger Helfer zu finden?

Winkelmann: Wir haben das Glück, dass wir viele engagierte Eltern und Jugendliche haben, die sich einbringen. Bis jetzt konnten wir immer alles stemmen, dabei machen wir das ja alles ehrenamtlich. Aber man muss schon sagen, die Liga wird immer professioneller, die Anforderungen steigen jedes Jahr. In dieser Saison ist zum Beispiel neu hinzugekommen, dass wir unsere Heimspiele im Internet live kommentieren müssen. Davor wurden die Spiele tonlos übertragen. Ein Service vor allem für die daheimgebliebenen Gästefans. Dafür benötigen wir also auch wieder zwei Helfer, einer der die Kamera bedient, einer der kommentiert. Die meisten Neuerungen, die von der DBBL kommen, sind aber positiv – auch für uns. Aber natürlich ist es schon immer mehr neuem Aufwand verbunden. Da gilt es stets neu zu überlegen, wer kann was übernehmen.

inherne: Nicht nur die Erfolge der Damen können sich sehen lassen. Auch der weibliche Nachwuchs lässt immer öfter aufhorchen. Wie wichtig ist diese Entwicklung?

Winkelmann: Die Jugend liegt unserem Verein besonders am Herzen. Langfristig wollen wir unsere Jugend so gut ausbilden, dass sie mit in der ersten Bundesliga spielen kann. Bei den Jungen müssen wir hier noch einiges aufbauen, bei den Mädchen sind wir da schon auf einem sehr guten Weg. Die U17 spielt in der Nachwuchsrunde der Bundesliga, ist dort auch erfolgreich. Unsere U15 ist im vergangenen Jahr Deutscher Meister geworden und spielt auch jetzt wieder eine gute Saison. Alle unsere Jugendmannschaften spielen in den höchsten Ligen.

inherne: Gibt es aktuell Talente, die den Sprung in die erste Damen-Mannschaft schaffen könnten.

Winkelmann: Zurzeit haben wir auch wieder einige Talente in unseren Reihen. Zum Beispiel Malina Sola und Anna Lappenküper, die in Auswahlmannschaften des Westdeutschen Basketballverbandes spielen. Beide kommen gebürtig aus Herne und haben das Basketballspielen bei uns gelernt. Sie trainieren bereits mit den Bundesliga-Damen mit, um an das Leistungsniveau herangeführt zu werden. Es macht Spaß so eine Entwicklung zu verfolgen.

inherne: Kommen wir zu den Fans. Das Derby gegen Oberhausen wurde in der MCG-Arena leider verloren. Wie wichtig wäre eine tolle Unterstützung auf den Rängen, wenn es in den Playoff um die entscheidenden Punkte geht?

Winkelmann: Die Fans im Rücken zu wissen, ist natürlich sehr wichtig. Gerade in den Playoffs. Bis jetzt konnten wir uns immer auf Zuschauer verlassen. Ich gehe fest davon aus, dass auch im letzten Heimspiel vor der Finalrunde erleben werden. Am Samstag, 22. März, sind die GiroLive Panthers zu Gast. In der Tabelle ist es so enorm eng. Da brauchen wir noch einmal die Unterstützung unserer Fans. Ich hoffe, zur Belohnung schaffen wir es unter die besten Vier. Dann gibt es definitiv noch einmal zwei Heimspiele in den Playoffs.

Fotos und Interview: Michael Paternoga