„Das Sportkegeln wird oft unterschätzt“
Kegeln, das verbinden viele Menschen mit der Kneipe von nebenan. Doch das hat wenig mit dem zu tun, was die jungen Sportkegler*innen vom DSC Wanne- Eickel machen. Bei dem Ausdauersport kommt es auf Präzision an, die richtige Technik und eine gute Koordination, Nervenkitzel inklusive. Und die Kinder und Jugendlichen brennen für ihren Sport, bei dem Gemeinschaft und Spaß großgeschrieben werden.
Die inherne-Redaktion ist zu Gast beim Sportkegel-Training der DSC Wanne- Eickel-Jugend. In der Sporthalle Wanne-Süd haben sich 13 Kinder und Jugendliche eingefunden. Die Jüngste, Milena, ist acht, der Älteste, Joud, 14 Jahre alt. Sie tragen die Vereinskleidung mit kurzen Hosen oder Hosenröcken. Denn lange Beinbekleidung könnte beim Werfen hinderlich sein. „Wir sind einer der wenigen Vereine, die so viele Jugendliche haben“, betont Trainerin Jutta Schröder, eine von vier Trainer*innen, welche die jungen Kegler*innen im Blick haben. Und dann geht es los.

Die 13-jährige Lena in Aktion.
Ausdauer und Konzentration sind gefragt
Zum Warmwerden laufen sich die Jungen und Mädchen auf den insgesamt acht Bahnen ein, machen anschließend Dehnübungen. „Wie bei jedem anderen Sport ist es wichtig, erst einmal seinen Kreislauf in Schwung zu bringen“, erklärt Jutta Schröder. Dann geht es auch schon in die Vollen. Pro Trainingseinheit werden bis zu 200 Kugeln gespielt. Das hält fit. „Das Sportkegeln wird oft unterschätzt“, bedauert die 57-Jährige aus Wanne- Eickel, die seit 20 Jahren im Jugendbereich des Vereins tätig ist und auch die Erwachsenen trainiert. Außerdem leide man unter dem Aussterben der großen Hallen und an der fehlenden medialen Aufmerksamkeit.
Nachwuchs gewinnen
Doch der Verein geht eigene Wege, um Nachwuchs zu gewinnen. Mittrainerin Sonja Pollinger arbeitet wie Jutta Schröder in einer Offenen Ganztagsschule. Bei ihr ist es die benachbarte Freiherr-Vom-Stein-Grundschule. Dort bietet sie eine Kegel-AG für die Schüler*innen an. „Das finden die super und haben hier Erfolgserlebnisse“, freut sich Sonja Pollinger. Sie selbst landete durch ihre Tochter beim Verein und machte den Trainerschein. Andere stoßen dazu, weil Freunde oder Geschwister dabei sind. So auch die neunjährige Clara aus Gladbeck – deren Bruder Henry bereits im Verein war – und die begeistert bei der Sache ist: „Das ist ein cooler Sport!“
Nervenkitzel bei Wettkämpfen
Überhaupt betonen fast alle, dass der Kegelsport ihnen Spaß macht, einige schätzen den Nervenkitzel und die Aufregung bei den Wettkämpfen. „Das geht aber weg, wenn man spielt“, sagt die 13-jährige Lena. Für Wettkämpfe müssen sie allerdings etwas weitere Fahrten in Kauf nehmen. Es geht nach Werl, Gladbeck, Lünen oder Siegen. Fünf Jugendwettkämpfe finden zur Vorbereitung auf die Westdeutschen und schließlich auf die Deutschen Jugendmeisterschaften statt.
Kegelvorbild Annika Hilkmann
Routine für Lydia, die zu den Ausnahmetalenten im Verein gehört. „Es macht mir Spaß, neue Sachen zu lernen“, sagt die 13-Jährige, die im Training übt, eine Figur in zwei Würfen abzuräumen. Sie hat bei der Deutschen Jugendmeisterschaft 2024 im Doppel mit Paula den dritten Platz erreicht. Lydia spielt im Tandem mit dem ebenfalls talentierten Joud. Wortwörtlich immer im Blick haben die Spieler*innen ein anderes großes Kegeltalent: Annika Hilkmann. Ihr Name hängt als Banner über den Bahnen. Sie ist Deutsche Meisterin und hat bei den Weltmeisterschaften in Herne 2023 teilgenommen. Trainiert wurde sie unter anderem in der Jugendabteilung des DSC von Thomas Minte. Er gehört neben Marion Minte zum Trainer- Quartett der Jugendabteilung, die er vor über 25 Jahren aufgebaut hat.
Es zählt die Gemeinschaft
Jenseits des Erfolgs zählt aber auch die Gemeinschaft: „Kegelsport ist ein sehr verbundener Sport“, betont Jutta Schröder. „Hier kommen so viele verschiedene Charaktere zusammen und die verstehen sich untereinander.“ Und das gelte auch über den Verein hinaus. Einfach der große Wurf.
„Wie bei jedem anderen Sport ist es wichtig, erst einmal seinen Kreislauf in Schwung zu bringen“

Trainerin Jutta Schröder