Kinder sollen ihre Rechte kennen
Als erste Kommune in Nordrhein-Westfalen verfügt die Stadt Herne seit Kurzem über einen eigenen Kinderschutzparcours. Dieser thematisiert Kinderrechte, Gewalt, Wut, Macht, Gefühle sowie Nähe und Distanz. Kinder erfahren außerdem, wie und wo sie Hilfe erhalten können. Am Montag, 27. Mai 2024, fand die erste Multiplikatoren-Schulung statt.
Herne ist die erste Kommune in NRW, die über einen eigenen Kinderschutzparcours verfügt. Foto: Frank Dieper, Stadt Herne.
Der Kauf des Kinderschutzparcours wurde durch das Netzwerk „Kinderschutz“ finanziert. Netzwerkkoordinatorin Martina Göhring vom Fachbereich Kinder-Jugend-Familie bei der Stadt Herne weiß, wie wichtig das Thema ist: „Kinderschutz und Kinderrechte können nur zusammen gedacht werden. Kinder sind per se Träger eigener Rechte, diese müssen weder erworben noch verdient werden.“ Besonders die Erwachsenen sieht sie hierbei in der Verantwortung, sich für die Rechte der Kleinen stark zu machen. „Kinder können ihre Rechte erst dann nutzen, wenn sie ihnen bekannt sind. So sind Kinder beispielsweise besser geschützt, wenn sie ihre Rechte kennen und auch an den Entscheidungen beteiligt werden, die sie betreffen.“
Der Kinderschutzparcours soll Kindern zwischen acht und zwölf Jahren ihre Rechte deutlich machen und aufzeigen, wie sie sich selber stärken können. Außerdem wird auf die Gefühlswelt eingegangen und auf gute und schlechte Geheimnisse. Auch Anlaufstellen, wenn Kinder Hilfe benötigen, werden besprochen. In kleinen Gruppen durchlaufen jeweils sechs bis acht Schüler*innen die fünf Stationen und setzen sich gemeinsam mit dem geschulten Personal mit den Themen auseinander. Die Kinder erhalten alle wichtigsten Informationen in einem Heft, das gleichzeitig als Stempel-Sammelheft dient. Dort können sie ihre Fortschritte im Parcours notieren und verfolgen. Pro Station sind 20 bis 45 Minuten eingeplant.
Als erste Kommune in Nordrhein-Westfalen hat Herne einen eigenen Kinderschutzparcours angeschafft. Der Parcours stammt ursprünglich aus Thüringen, kann jedoch schon länger auch in NRW ausgeliehen werden. Die Idee, einen eigenen Parcours nach Herne zu holen, hatte Schulsozialarbeiterin Anke Pietka. Gemeinsam mit Martina Göhring wurde der weitere Ablauf geplant. Göhring konnte die Lizenzen für Herne über das Netzwerk „Kinderschutz“ sichern.
„Das ist ein landesfinanziertes Projekt seit 2021. Die Stadt Herne ist jetzt der erste Träger, der einen eigenen Kinderschutzparcours hat“, erklärte Gundis Jansen-Garz, Projektkoordinatorin „Kinderschutzparcours“ von der „Katholischen Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW“.
Durchführen können den Kinderschutzparcours alle Fachkräfte aus Schulen, offenen Ganztagsbetreuungen oder anderen Einrichtungen, die an der vorgesehenen Schulung teilgenommen haben. Die Fachkräfte werden bei der Fortbildung damit vertraut gemacht, den Kindern diese Themen angemessen nahe zu bringen. Die Multiplikatoren-Schulung legt den Fachkräften die Kompetenzen zur Durchführung dieser Fortbildung nahe. Da bei manchen Kindern im Zuge des Kinderschutzparcours sensible Themen aufkommen können, müssen die Fachkräfte auch für diesen Fall vorbereitet werden. Die Schulung ist für die Teilnehmenden kostenfrei wie auch die anschließende Ausleihe und Nutzung an der eigenen Schule. Ab dem kommenden Jahr ist geplant, dass Teile des Parcours ebenfalls im Kita-Bereich eingesetzt werden können. Die Organisation wird durch eine Steuerungsgruppe übernommen.
Jasmin Stüting