Marco Diesing erinnert sich an 40 Jahre Feuerwehr
Seit rund 40 Jahren ist Marco Diesing der Feuerwehr verbunden. In Herne tut er seit 2002 hauptberuflich seinen Dienst und ist dabei binnen 20 Jahren vom Feuerwehranwärter zum Leitenden Branddirektor aufgestiegen. Als solcher war er seit 2022 Chef der Herner Feuerwehr. Ende Oktober ging er nun in den Ruhestand, sein letzter Bereitschaftsdienst endete in den frühen Morgenstunden des 31. Oktober. Wir haben mit Marco Diesing über sein Leben mit der und für die Feuerwehr Herne gesprochen.



inherne: Wenn man am Ende des Berufslebens zurückschaut: Was waren die prägenden Momente?
Diesing: Es gibt für mich nicht den einen Einsatz. Am ehesten sind es wohl die Tage nach den Sturmereignissen Kyrill oder Ela, die wegen der Dimension in Erinnerung geblieben sind. Auch weil sich dabei die sehr gute und enge Zusammenarbeit von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr einmal mehr bewährt hat: Man kennt sich, begegnet sich im Einsatz auf Augenhöhe und hilft einander. Zudem hat auch der Dienst auf Crange für prägende Erinnerung gesorgt – und das nicht erst in diesem Jahr, als ein Stromausfall drohte. Überregional werden wir in Feuerwehrkreisen immer noch mit der Jagd auf die Monokel-Kobra in Verbindung gebracht. Und für mich als Bochumer war natürlich der Unterstützungseinsatz für die dortigen Kolleginnen und Kollegen beim Brand des Krankenhauses Bergmannsheil etwas, das ewig in Erinnerung bleibt. Davon ab darf man nicht vergessen, dass Erinnerung für Menschen im Rettungsdienst stets zwei Seiten hat. Viele von ihnen kommen irgendwann in die Situation, dass ein Einsatz sie in besonderer Weise anfasst und belastet. Früher waren Rettungskräfte mit solchen Themen oft sich selbst überlassen. Heute gibt es dafür Unterstützung. Hier hat sich Feuerwehr während meines Berufslebens sehr gewandelt. Und das ist gut und richtig so.
inherne: Wie verlief Ihr Weg durch die Feuerwehr-Welt und welche Veränderungen sehen Sie über die Zeit in der Rückschau?
Diesing: Angefangen habe ich bei der Freiwilligen Feuerwehr in Bochum als Ersatzdienstleistender. Mein Berufsweg – ich bin gelernter physikalischtechnischer Assistent und habe anschließend studiert und als Diplom- Ingenieur derselben Fachrichtung abgeschlossen – hat mich erst in eine andere Richtung geführt. Der berufliche Einstieg bei der Feuerwehr kam dann zur Jahrtausendwende zunächst in Braunschweig, aber es zog mich mit der Familie rasch zurück in die Heimat, ins Ruhrgebiet. Als ich damals meine ersten Schritte bei der Freiwilligen Feuerwehr tat, gingen wir noch standardmäßig mit Tuchhose und Hemd in den Einsatz, in den meisten Fällen ohne Atemschutz. Heute ist das komplett anders: Die Ausstattung, beginnend von der Kleidung bis hin zu den technischen Gerätschaften ist viel professioneller und damit auch technisch komplexer geworden. Was die Technik anbetrifft, ist die Feuerwehr, aus der ich jetzt ausscheide, von der Feuerwehr, in die ich mal eingetreten bin, Lichtjahre entfernt. Nehmen wir zum Beispiel den Rettungsdienst. Dessen Einsätze machen heute einen Großteil unseres Aufkommens aus und wer dort arbeitet, durchläuft noch einmal eine dreijährige Qualifikation. Und auch das ist gut und richtig so.
„Ich habe als Anwärter begonnen und gehe als Leiter der Feuerwehr in Ruhestand.“
inherne: Wie hat sich über Ihren Berufsweg hinweg Ihre ganz persönliche Arbeit verändert?
Diesing: Ich hatte das große Privileg, dass mir beruflich gewissermaßen ein Durchmarsch gelungen ist: Ich habe als Anwärter begonnen und gehe als Leiter der Feuerwehr in Ruhestand. Da ist es nur logisch, dass sich meine berufliche Tätigkeit mit der Zeit verändert hat: Vom klassischen Einsatzdienst mehr und mehr hin zu Fragen von Planung und Führung sowie strategischen Themen, auch wenn der Einsatzdienst immer ein Teil meiner Arbeit blieb. Im Grunde habe ich mit dem Team der Führungskräfte jenen Wandel mitgestalten dürfen, den wir gerade schon angesprochen haben: Mit neuer Technik brauchte es neue Qualifikationen, neue Prozesse und organisatorische Veränderungen. Dazu hat sich gerade in den letzten Jahren die Führungsmannschaft der Feuerwehr einmal runderneuert. Und wir sehen der Fertigstellung der neuen Wache am Florianweg entgegen. Dieses Projekt habe ich gerne mit begleitet, auch wenn ich schon ein wenig bedauere, dass ich den Umzug nicht mehr als Hausherr miterleben werde. In Summe kann man sagen, dass Veränderung ein steter Begleiter meiner Arbeit war.
inherne: Was macht ein Feuerwehrchef, wenn er in Ruhestand geht?
Diesing: Ganz unspektakulär: Zunächst einmal Urlaub. Den werde ich dieses Mal deshalb besonders genießen, weil es der erste Urlaub seit vielen Jahren ist, bei dem das Diensttelefon nicht ständiger Begleiter ist, auf das man auch dann immer noch gewohnheitsmäßig schaut, wenn man den Laden zuhause beim Team in den besten Händen weiß. Für die weitere Zeit habe ich ein paar Ideen, die Überlegungen dazu sind aber noch nicht abgeschlossen.
inherne: Stattdessen Entspannung auf der Couch mit der neuesten Staffel „Feuer und Flamme“?
Diesing: Ich sehe tatsächlich nicht viel fern, aber „Feuer und Flamme“ habe ich gerne gesehen. Gerade in der Zeit, als in der Nachbarschaft bei den Kolleginnen und Kollegen in Bochum und Gelsenkirchen gedreht wurde. Die Serie ist, gerade im Vergleich zu anderen Sendungen, bei denen es um die Arbeit von Rettungskräften geht, sehr gut gemacht. Sie hat ein realistisches Bild von unserem Beruf vermittelt und sicherlich auch in Sachen Nachwuchsrekrutierung gerade hier in der Region nicht geschadet. Und natürlich hat man sich auf der Wache auch drüber unterhalten, so nach dem Motto: „Haste gestern gesehen, was die da gemacht haben?“ Bei den aktuellen Folgen, die ja in Heidelberg spielen, bin ich etwas raus: Es ist nicht immer leicht, den Dialogen zu folgen, weil oft der Dialekt durchschlägt.
inherne: Marco Diesing, wir danken für das Gespräch.