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Marco dreht ordentlich am Rad

Marco Heinze fährt 2474 Kilometer in drei Wochen

Diese Zahl ist beeindruckend: Marco Heinze saß sage und schreibe 2474 Kilometer im Sattel. Und das nicht etwa in einem Jahr oder einem Quartal. Der 36-Jährige absolvierte die Strecke in drei Wochen und war damit der heimliche Sieger beim Stadtradeln 2018.

Vater bringt Begeisterung ins Rollen

Als Sieger fühlt sich der Herner allerdings nicht. Im Gegenteil: Für ihn ist es absolut normal, möglichst viele Strecken mit seinem Fahrrad zurückzulegen. „Im innerstädtischen Verkehr macht das absolut Sinn, gerade in einer Stadt wie Herne, ohne große Fläche und ohne Berge“, erklärt der gebürtige Bottroper, der seit fast 20 Jahren in unserer Stadt lebt. Noch viel länger  st er allerdings als Fahrradbegeisterter einzustufen. „Das ging bei mir wirklich mit vier oder fünf Jahren los“, erinnert sich Heinze. Mit seinem Vater fuhr er in den Traumlandpark – heute Movie Park. „Das waren wahrscheinlich nur zwei oder drei Kilometer. Mir kam das aber vor wie eine Weltreise.“ Eine „Weltreise“ mit Folgen. Seitdem ist das Rad sein ständiger Begleiter. Mit 21 Jahren machte er seine große Leidenschaft sogar zum Beruf und begann eine Ausbildung zum Zweiradmechaniker.

  • Siegerehrung beim Stadtradeln (v.l.): Margarethe Kreutzmann, Karlheinz Friedrichs, Marco Heinze und Ulrich Syberg. © Frank Dieper, Stadt Herne

Mit dem Lastenrad nach Holland

Seitdem wird geschraubt was dieSpeichen und die Gangschaltung hergeben. Wobei das mit der Gangschaltung auch nicht für alle Fahrräder des 36-Jährigen gilt. Denn natürlich darf ein Fixie in der Sammlung nicht fehlen. Ein Fixie hat seinen Ursprung im Bahnradsport. Dort wird in Holz- oder Betonovalen ohne Gangschaltung, Bremsen und Freilauf gefahren. Die Pedalen drehen sich also ständig mit. „Mit diesem Rad habe ich auch beim  Stadtradeln die meisten Meter gemacht“, betont der Zweiradschrauber, der sich in seiner Freizeit aber auch gerne auf sein Bullit schwingt. Das Lastenrad der Kultmarke „Larry vs Harry“ aus Dänemark will Heinze nicht mehr missen. „Ich habe damit letztens sogar meinen Sperrmüll weggebracht. Es bietet sich aber auch als Tourenrad an. Zelt, Schlafsäcke und Verpflegung für zwei Personen – kein Problem. Ich war damit schon einige Male in Holland. Insgesamt sind Lastenräder in Deutschland schwer im Kommen, im Ruhrgebiet tut man sich damit allerdings noch ein bisschen schwer.“ Für Heinze unverständlich: „Gerade in Herne kommt man damit super von A nach B und das auch ohne Motor.“

Unterwegs beim Critical Mass

Auf einen Motor verzichtet er auch, wenn er zu den Critical Mass unterwegs ist. Inzwischen eine weltweite Initiative, die darauf aufmerksam machen will, dass auf den Straßen nicht nur Autos unterwegs sind. „In Herne gibt es das leider noch nicht, oft bin ich aber in Bochum, Dortmund oder Köln am Start. Critical Mass ist ein loser Zusammenschluss von Radfahrern. Vorgegeben wird eigentlich nur ein fester Treffpunkt, alles andere ist offen. Man fährt einfach los, ohne zu wissen, wo man landet. In Hamburg nehmen daran schon 5000 Menschen teil. Damit wollen wir einfach nur zeigen, dass wir ein Teil des Straßenverkehrs sind. Autofahrer tun sich damit schwer. Sobald man ihnen Parkflächen und Fahrstreifen für mehr Radwege wegnimmt,  ist das Geschrei groß.“

„Auto ist noch ein Statussymbol“

Dabei verteufelt Heinze das Autofahren  auf keinen Fall. Aktuell sitzt er beruflich sogar ziemlich viel hinter  dem Steuer, für seinen Arbeitgeber LiveCycle – einen mobilen Fahrrad-Dienstleister. „Für viele Fahrten macht ein Auto auch Sinn. Aber die meisten Touren bewegen sich zwischen drei und fünf Kilometern. Hierfür benötigt man kein Auto. Ich muss mein Kind nicht am besten noch mit einem SUV die zwei Kilometer zur Schule fahren, früher sind wir auch gelaufen. Leider ist das Auto aber für viele noch ein Statussymbol. Früher hieß es, wer kein Auto hat, hat kein Geld. Das steckt bei vielen noch in den Köpfen, daran müssen wir arbeiten.“

Stadtradeln

Ziel der Kampagne ist es, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, ein Zeichen für vermehrte Radförderung in der Kommune zu setzten – und letztlich Spaß beim Fahrradfahren zu haben. Das  Stadtradeln ist als Wettbewerb konzipiert, sodass mit Spaß und Begeisterung das Thema Fahrrad vorangebracht wird. In diesem Jahr findet das Stadtradeln in Herne vom 15. Juni bis 5. Juli statt. Mehr Infos: www.stadtradeln.de