Mehr als 600 Mitarbeitende und 85 Auszubildende

13. Januar 2025 | Ausgabe 2025/1

Heitkamp ist ein Glücksfall für Herne

An der Wilhelmstraße in Bickern sitzt eines der großen Traditionsunternehmen der Region. Die Heitkamp Unternehmensgruppe präsentiert sich nach schweren Jahren heute wieder von ihrer besten Seite und ist ein wichtiger Innovationstreiber für Herne und das Ruhrgebiet. Wir haben uns mit Jörg Kranz, dem geschäftsführenden Gesellschafter getroffen und nachgefragt, wie der Wandel zum Positiven gelingen konnte.

Den Namen Heitkamp kennt in der Region und vor allem in Herne jeder, aber nicht alle wissen, was Heitkamp heute genau macht.

Jörg Kranz: Heitkamp ist ein mittelständisches Bauunternehmen. Die Heitkamp Unternehmensgruppe besteht aus drei operativen Gesellschaften: Die Heitkamp Erd- und Straßenbau, die Heitkamp Umwelttechnik und die Heitkamp Brückenbau GmbH. Diese Felder decken wir ebenso ab wie die Bereiche Infrastrukturbau und Umwelttechnik.

Jörg Kranz,  geschäftsführenden Gesellschafter.

Schließt das auch das Streben nach der grünsten Industrieregion der Welt ein, in die das Ruhrgebiet transformiert werden soll? Jörg Kranz: Ich denke, wir sind maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt, denn wir haben in den letzten 20 Jahren an vielen Stellen im Ruhrgebiet mitgeholfen, alte Standorte der Montanindustrie in moderne Gewerbe- und Wohnparks umzuwandeln. Gute Beispiele sind der Phoenixsee in Dortmund oder die Wasserstadt Aden in Bergkamen.

Es gab eine Phase in der Geschichte der Firma Heitkamp, in der es nicht so gut lief. Heute scheint sich die Situation wieder anders darzustellen. Hat das Unternehmen endgültig zu alter Stärke zurückgefunden oder sind die Voraussetzungen heute nicht vergleichbar?

Jörg Kranz: Die große Baufirma Heitkamp und das Bergbauunternehmen haben in den 2000er Jahren stark gelitten, was im Jahr 2011 zur Insolvenz der Heitkamp Bauholding geführt hat. Wir hatten dann die Gelegenheit, die Tochtergesellschaften Erd- und Straßenbau sowie die Umwelttechnik herauszukaufen und sind seit 2012 in eigenen Gesellschafterstrukturen. Heute freuen wir uns über ein ordentliches Wachstum und eine positive Entwicklung. Mittlerweile haben wir wieder mehr als 600 Mitarbeitende plus 85 Auszubildende. Darauf sind wir sehr stolz. Dazu kommt ein aktuelles Bauvolumen von über 200 Millionen Euro und ein für 2025 angepeilter Umsatz von ebenfalls 200 Millionen Euro.

Vor vier Jahren haben Sie mit dem Bezug der neuen Firmenzentrale ein klares Statement zum Standort abgegeben. Was für eine Rolle spielt das für Sie?

Jörg Kranz: Die Marke Heitkamp hat in Deutschland trotz der bereits erwähnten Insolvenz nicht gelitten. Man kennt uns. Im Allgäu sanieren wir Start-und Landebahnen, in Bremen einen Flughafen und im Saarland eine Bergehalde. Man kennt Heitkamp und assoziiert uns mit Wanne- Eickel und dem Ruhrgebiet. Genau deshalb war es uns wichtig, in Herne zu bleiben. Der Standort spiegelt für uns die Tradition wider, die hinter dem Namen Heitkamp steht.

Hier sind unsere Wurzeln, hier ist Heitkamp groß und bekannt geworden. Nicht zuletzt fühlen wir uns hier wohl. Und damit das auch unseren Mitarbeitenden so geht, haben wir das Bürogebäude großzügig geplant und auf die nächsten Generationen ausgerichtet. Die Arbeitswelten, die wir in Wanne abbilden sind sehr modern und nicht weniger als die Keimzelle der Zukunft. Auch auf weiteres Wachstum am Standort sind wir vorbereitet.

„Mittlerweile haben wir wieder mehr als 600 Mitarbeitende plus 85 Auszubildende. Darauf sind wir sehr stolz.“

Heute verknüpfen viele Menschen die Marke Heitkamp mit dem Begriff Legobrücke. Was hat es damit eigentlich auf sich?

Jörg Kranz: Die Entwicklung begann vor fünf bis sechs Jahren. Der in Deutschland bekannte Sanierungsstau im Bereich der Brücken sorgt für große Probleme. In der Vergangenheit hat es schlichtweg viel zu viel Zeit gebraucht, um eine neue Brücke zu bauen. Man geht hier von rund 250 Werktagen aus, was aus unserer Sicht eindeutig zu lang ist. Vor sechs Jahren gab es dann ein Pilotprojekt in NRW, wo man eine Brücke im Werk vorgefertigt hat, eben aus einzelnen Elementen, die an Legosteine erinnern. Die Produktion wurde ins Werk verlegt, die Steine erst auf der Baustelle zusammengefügt. Diesen Auftrag haben wir gewonnen mit dem Ziel, die Bauzeit zu halbieren. Konkret ging es hier um eine Brücke auf der A46 bei Hagen. Diese Vorgabe haben wir erreicht und in
100 Tagen die Brücke gebaut. Die erzielte Qualität war am Ende sehr gut, das Projekt an sich erwies sich aber als enorm anspruchsvoll.

Das war unsere Motivation daran zu arbeiten, Brücken noch einfacher und schneller zu planen und zu bauen. Das führte zum System Heitkamp Schnellbaubrücke. Konkret bedeutet das: Dort, wo links und rechts die Brückenplatte aufliegt – in den sogenannten Widerlagerbereichen – arbeiten wir nicht mehr mit Beton, sondern verankern die Brücken direkt im Boden mit hochfesten Geogittern. Dieses System ist unsere Weiterentwicklung der Legobrücke und damit sind wir inzwischen sehr schnell, effizient und am Markt erfolgreich. Die erste Pilotbrücke wurde 2019 an der A3 kurz vor Arnheim gebaut. Vor zwei Jahren wurden wir mit dem Deutschen Brückenbaupreis für Innovation und nachhaltiges Bauen ausgezeichnet. Das macht uns stolz. Aktuell sind wir dabei, dieses System auch im deutschen
Regelwerk für Brückenbau zu implementieren. Stand heute haben wir schon acht dieser Brücken gebaut, für Die Autobahn GmbH bauen wir fünf weitere Brücken.

Lassen sie uns über ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der Firma Heitkamp reden: Ihre Zusammenarbeit mit der Mongolei.

Jörg Kranz: Gerne. Wir haben 2022 eine Kooperationsvereinbarung mit dem mongolischen Straßenbauverband unterzeichnet, die auch von unserem
Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda unterstützt wird. Inhaltlich geht es bei dieser Zusammenarbeit darum, dass wir unser Schnellbaubrückensystem in die Mongolei exportieren und im Gegenzug junge Auszubildende aus der Mongolei nach Herne kommen, die wir dann drei Jahre lang zu Facharbeitern mit einer Bleibeperspektive ausbilden.

Und wie hat sich diese Zusammenarbeit entwickelt?

Jörg Kranz: Sehr gut! Wir sind jetzt im dritten Jahr und haben 20 mongolische Auszubildende, verteilt auf drei Jahrgänge. Die ersten Auszubildenden werden in diesem Jahr ihre Gesellenprüfungen ablegen. Im Mai fliegen wir wieder in die Mongolei und suchen die nächsten Azubis aus, so dass wir bald auf rund 30 junge Menschen aus der Mongolei kommen. Dazu kommen noch Facharbeiter, die wir ebenfalls vor Ort akquirieren, insgesamt kommen wir so auf rund 40 Personen. Natürlich kümmern wir uns auch außerhalb der Arbeit um unsere Gäste, helfen ihnen bei der Sprache, integrieren sie in die Gesellschaft, bringen sie in die Sportvereine und zeigen ihnen kulturelle Angebote. Auch eine eigene Wohnung gehört dazu. Das Feedback ist durchweg positiv, auch aus der Herner Bevölkerung.

Wenn Sie sich für die Zukunft etwas für Ihr Unternehmen wünschen dürften, was wäre das?

Jörg Kranz: Eine kontinuierliche Versorgung mit Mitteln für die Instandhaltung der Infrastruktur durch Bund und Land, unabhängig von Wahlperioden, wäre toll. Dann könnten auch wir wesentlich effektiver und effizienter planen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Text und Fotos: Philipp Stark