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Mehr Talente als erwartet

TalentKolleg Ruhr zieht nach einem Jahr Bilanz

Bei der Pressekonferenz in den Flottmann-Hallen zieht das TalentKolleg Ruhr Bilanz. © Frank Dieper, Stadt Herne. Bei der Pressekonferenz in den Flottmann-Hallen zieht das TalentKolleg Ruhr Bilanz. © Frank Dieper, Stadt Herne.

Das TalentKolleg Ruhr in Herne zieht nach genau einem Jahr eine überraschend erfreuliche Bilanz. Statt der angestrebten 50 Talente wurden fünfmal soviel gefördert, nämlich über 250.

55 Prozent der geförderten Schüler kamen aus den weiterführenden Schulen in Herne, 45 von außerhalb. Ein Schüler reist für die Seminare sogar aus Osnabrück an. “Der Ansatz Orientieren, Qualifizieren, Motivieren wird angenommen”, betonte Dr. Frank Meetz, Geschäftsleiter am TalentKolleg Ruhr der Westfälischen Hochschule. “Es sind immerhin 250 Jugendliche, die das Angebot für sich als so wichtig erachten, dass sie in ihrer Freizeit in Herne daran teilnehmen.”

  • Dr. Bernd Kriegesmann, Präsident der Westfälischen Hochschule, geht davon aus, dass “das unentdeckte Potenzial im Ruhrgebiet für das Wirtschaftswachstum von morgen sorgen könnte”. © Frank Dieper, Stadt Herne.

Schüler aus Nichtakademikerfamilien

Das TalentKolleg Ruhr will Talente in Schulen schon früh erkennen und dann gezielt für den Übergang in die berufliche Bildung fördern. Bei den Seminaren lernen sie zu erkennen, ob ihre Fähigkeiten eher für eine Hochschulkarriere geeignet sind oder ob die duale Ausbildung nicht doch besser passt. Im Fokus stehen vor allem Schüler aus Nichtakademikerfamilien, aus ärmeren Familien oder Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund. Sie kommen für Seminare in einem städtischen Gebäude an der Viktor-Reuter-Straße zusammen. Dabei lassen sie sich in Informatik, Englisch, Mathe oder Deutsch oder in den Sozialen Kompetenzen zusätzlich qualifizieren, um nachher fit für die Uni oder die Bewerbung bei einer Firma zu sein.

Eine große Chance für junge Menschen

Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda bezeichnete das Projekt “als eine große Chance für die jungen Menschen, aber auch für unsere Stadt, denn es gilt Talente zu fördern, Potenziale zu erschließen und Mut für neue Wege zu wecken”. Finanziert wird das Kolleg von der Mercator-Stiftung. “Wir fördern das TalentKolleg Ruhr, weil wir einen Beitrag zur Verwirklichung gleicher Bildungschancen leisten möchten”, sagte Dr. Mounir Azzaoui, Projektmanager der Stiftung. “Mehr jungen Menschen aus bildungsfernen Schichten – mit und ohne Migrationshintergrund – soll eine bessere Studienwahl und ein erfolgreicher Studienabschluss ermöglicht werden.”

“Kolleg leistet hervorragende Arbeit”

“In Herne leben viele Familien, die mangels eigener Erfahrungen ihre Kinder weniger gut auf dem Weg zur Aufnahme eines Hochschulstudiums begleiten können”, hob Bildungsdezernentin Gudrun Thierhoff hervor. “Hier leistet das TalentKolleg Ruhr durch frühzeitige Beratungsgebote und eine kontinuierliche Vorbereitung hervorragende Arbeit.” Neben dem TalentKolleg Ruhr in Herne, das von der Westfälischen Hochschule unterstützt wird, gibt es ähnliche Formate mit etwas anderen Zielsetzungen der Fachhochschule Dortmund und der Universität Duisburg-Essen. Der erfolgreiche Geburtstag wurde in den Flottmann-Hallen gefeiert. Neben verschiedenen Beiträgen – unter anderem durch OB Dr. Frank Dudda und dem Präsidenten der Westfälischen Hochschule, Prof. Bernd Kriegesmann – gab es zwei Podiumsdiskussionen. Kooperationspartner aus Herner Schulen, Talentscouts, Vertreter der Herner Bildungslandschaft sowie junge Talente berichteten von ihren Erfahrungen. An der komplett gefüllten Halle war zu erkennen, wie groß das Interesse an dieser wichtigen Form der Förderung ist.

Horst Martens