Mein Freund, der Baum

25. April 2024 | Ausgabe 2024/2

Einmal pro Jahr werden die städtischen Bäume von Baumkontrolleur*innen wie Sabine Piorrek auf Herz und Nieren überprüft

„Das sind quasi meine Bäume, man baut über die Jahre eine richtige Beziehung zu ihnen auf“, schwärmt Sabine Piorrek von ihrer Arbeit als Baumkontrolleurin. Aufgeteilt in fünf Bereiche, kümmern sich ebenso viele Personen bei der Stadt Herne (plus ein „Springer“ als Vertretung) um die Kontrolle der rund 38.000 städtischen Bäume. Etwa ein Drittel davon sind Straßenbäume. Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, kontrolliert die Abteilung Baumschutz aus dem Fachbereich Stadtgrün einmal jährlich jeden dieser Bäume auf Erkrankungen oder Beschädigungen.

Die Borke muss auf Pilz- und Schädlingsbefall untersucht werden.

Sofern der Baum noch nicht registriert ist, erhält er eine Nummer und wird in das Baumregister aufgenommen.

„Jeder Baum mit einem Durchmesser von mehr als 80 Zentimetern in einer Höhe von über einem Meter ab Boden unterliegt der jährlichen Kontrolle.“

Seit 16 Jahren ist Piorrek Teil des Baumkontrollteams. In ihren Bezirk in Herne-Mitte fallen ungefähr 8.000 Bäume. Der Fokus liegt dabei neben den Straßenbäumen auch auf Bäumen, die auf den Anlagen der Kindergärten und Schulen stehen. „Die Baumschutzsatzung gilt natürlich auch für die Stadt selbst“, erklärt sie. „Jeder Baum mit einem Durchmesser von mehr als 80 Zentimetern in einer Höhe von über einem Meter ab Boden unterliegt der jährlichen Kontrolle.“ Eine Aufgabe, die auf privaten Grundstücken von den jeweiligen Besitzern übernommen werden muss. Das wichtigste Werkzeug: das Auge. Piorrek verschafft sich zunächst einen Überblick über den jeweiligen Baum, von der Wurzel bis hoch zur Krone. Sieht der Baum schon auf den ersten Blick nicht gesund aus, werden weitere Werkzeuge zu Hilfe gezogen, um den Baum ordentlich kontrollieren zu können. Mit einem Sondierstab überprüft sie den Widerstand. Ist dieser nicht hoch genug, kann dies auf einen beschädigten Baum hindeuten. Gegebenenfalls werden weitergehende Untersuchungen beauftragt.

Der Umfang des Gehölzes wird gemessen…

…und direkt im Tablet eingetragen.

500 Jahre alte Buche ist Lieblingsbaum

Das Ziel ihrer Arbeit ist es, möglichst viele Bäume erhalten zu können. Sabine Piorrek verrät: „Wir haben so viele schöne alte Bäume in der Stadt, jeder einzelne davon ist es wert, sich vernünftig um ihn zu kümmern.“ Einen persönlichen Lieblingsbaum hat sie übrigens auch: eine mehrere hundert Jahre alte Buche auf dem Waldfriedhof in Wanne-Eickel. „Das Schönste an solchen Bäumen sind die Geschichten, die sie erzählen“, sagt sie und deutet auf verschiedene Schnitzereien oder auch Einschusslöcher – alle Ereignisse liegen schon weit in der Vergangenheit zurück.

Traumjob: Baumkontrolleurin

Mit dem Job hat sie sich einen Traum  erfüllt: Schon nach dem Abitur war für sie klar, in diesem Bereich arbeiten zuollen. Nach einer Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau bei der Stadt Herne und einigen Jahren im Pflegerevier Wanne hat sie dann das Team der Baumkontrolleure verstärkt. „Für mich gibt es nichts Besseres. Der Beruf ist ein schöner Mix aus Büroarbeit und Kontrollterminen draußen“, sagt Piorrek. Und langweilig wird die Aufgabe auch nicht: Immer wieder tauchen neue Baumkrankheiten und Kontrollsituationen auf – regelmäßig bildet sich das Team daher fort. Und die größte Herausforderung des Berufs? Piorrek: „Man muss sich der Wichtigkeit der Aufgabe bewusst sein: der Verkehrssicherheit. Das ist eine große Verantwortung.“ Die Sicherheit kommt mit der Erfahrung, sagt sie: „Man muss die Bäume kennen, auch sie haben eine Körpersprache.“

Text: Daniel Djan     Fotos: Thomas Schmidt