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Menschen mit Behinderung spielen Mondpalast-Klassiker

„Ronaldo und Julia" als besondere Inszenierung

Der Mondpalast-Klassiker „Ronaldo und Julia” kommt am Samstag, 25. Mai, um 11 Uhr in ungewöhnlicher Form auf die Bühne. Menschen mit Behinderung der Wewole-Stiftung spielen die beliebte Liebeskomödie in einer Variante.

Komödie verändert

Seit gut vier Monaten proben Thomas Rech, Chefdramaturg des Mondpalastes und Theaterfrau Anja Balzer, die Welturaufführung mit Menschen mit Behinderung. „Das Original mit zehn Schauspielern dauert etwa 2,5 Stunden”, sagt Anja Balzer. „Wir spielen das Stück in 40 Minuten und mit 18 Schauspielern.” Einige Szenen wurden gestrichen, aber neue Aspekte sind hinzugefügt worden.

  • Probe-Aufführung: Anja Balzer gibt Regieanweisungen. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Lachen bei den Proben

Erzählt wird (wie seit 15 Jahren im Mondpalast) die Geschichte von zwei Familien, die zwei Glaubensrichtungen vertreten – Schalke und Dortmund. Tochter Julia Kapulinski und Nachbarssohn Ronaldo Montakowski verlieben sich – mit katastrophalen Folgen. Zoe Gehrmann spielt die Julia: „Erst seit Mitte März ist klar, wer die Julia-Rolle besetzt”, sagt sie begeistert. Und seitdem büffelt sie den Text: „Ich kann zwar lesen, nutze aber lieber eine CD. Ich kann mir den Text durch Hören besser einprägen.” Den Ronaldo gibt Jens Lunemann, der Heil-Erziehungspfleger bei Wewole ist. „In den Proben gibt es viel zu lachen”, berichtet er. Der Wille, auf die Bühne zu kommen, sei groß: „Es gab auch mehrere Kandidatinnen, die gerne die Julia gespielt hätten. Aber im Endeffekt sind alle sehr zufrieden.” Eine der Schauspielerinnen gesteht: „Ich weiß jetzt, was Lampenfieber ist.”

Probevorführung

In einer kurzen Pressevorführung stellen die frisch gebackenen Schauspieler unter Beweis, wie begeistert sie mitmachen. Die beiden Fangruppen stehen sich gegenüber und intonieren ihre typischen Gesänge: „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid” wird abgelöst von „Wer wird Deutscher Meister – BVB Borussia.” Das macht Eindruck.

Ungewohntes Arbeiten

Anja Balzer liebt Improvisationstheater. Ihre Schlagfertigkeit und Flexibilität konnte sie auch mit den Wewole-Schauspielern unter Beweis stellen: „Ich musste mich total umstellen. Ich rede im normalen Leben schon viel zu schnell, das musste ich hier ändern. Außerdem habe ich erfahren, dass die Teilnehmer ein Gedächtnis wie ein Elefant haben – die wissen noch genau, was man vor einer Stunde gesagt hat und verweisen darauf.”

Soziales Engagement

Um diese außergewöhnliche Produktion zu ermöglichen, mussten mehrere Protagonisten zusammen finden – der Rotary Club Herne-Luna, die Wewole und der Mondpalast. Der Rotary-Club feiert sein zehnjähriges Charter-Jubiläum. Ihr Bestreben für das regionale Engagement in der Region unterstreicht Dr. Regine Schmalhorst, die nicht nur Club-Mitglied sondern vielen auch als Chefin der Arbeitsagentur bekannt ist. „Wir sind ein Service-Club und wollen nicht international sondern in erster Linie vor Ort aktiv sein.” Der „Mond” (oder „Luna” bei den Rotariern) ist nur ein gemeinsamer Nenner. „Zu dieser Vorführung wollen wir Menschen einladen, die nicht so oft ins Theater gehen, aus Pflegeheimen, Seniorenzentren und Wohngemeinschaften”, so Schmalhorst.

Gleichberechtigte Teilhabe

Für Wewole-Chef Rochus Wellenbrock zählen noch andere Gründe: „Die gleichberechtigte Teilhabe von behinderten Menschen im Leben, bei der Arbeit und am Stadtgeschehen steht bei uns hoch im Kurs und deshalb soll Menschen mit Behinderung auch die Gelegenheit gegeben werden, Theater zu spielen.” Für Marvin Boettcher, Intendant des Wanne-Eickeler Mondpalastes ist „das ein ganz tolles Projekt. Der Mondpalast ist ein Volkstheater, da gehört jeder mal auf die Bühne.” In der Theater-Pause wird durch eine Verlosungsaktion bereichert: ein Trikot mit den Unterschriften der Nationalspieler, ein Rundflug übers Ruhrgebiet, ein Wochenende an der Nordsee. Auf diese Weise wird WDR-Legende Manni Breuckmann Gelder für den guten Zweck sammeln.

Spannung bis zum Schluss

Balzer und ihr Team haben schon einiges erreicht, aber noch ist viel zu tun: „Uns stehen noch zehn Proben bevor. Außerdem muss ich noch die Abschiedsszene neu schreiben.” Und die Schluss-Szene ist in allen Romeo-und-Julia-Stoffen heikel.

Horst Martens