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“Neue Dinge” für das Heimatmuseum

Ausstellung beleuchtet die Stadtgeschichte

Das vom KFZ- Mechaniker Wilhelm Rocholl 1956 für seine Kinder gebaute Miniaturauto ist eines von vielen neuen Exponaten. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Vor etwa zwei Jahren hat sich das Heimatmuseum Unser Fritz konzeptionell neu aufgestellt. Seitdem hat das Museum mit seiner auf die Sozial- und Alltagsgeschichte ausgerichteten Erzählung zahlreiche Freundinnen und Freunde gewonnen. Die positive Resonanz auf die Neuausrichtung zeigt sich auch in der Ausstellung „NEUE DINGE“.

„Denn hier werden Fundstücke und Schenkungen präsentiert, die uns seitdem überlassen wurden“, freut sich Kurator Ralf Piorr über die Verbundenheit der Menschen zum Museum und zur Stadtgeschichte. Das älteste Exponat ist eine Grubenlampe von vor 1890 aus Frankreich, die später im Revier gelandet ist. Die neueste Errungenschaft ist der Bratwurst-Pokal der Imbissbunde Speckmann von 2008. Piorr: „Die Dinge, die wir zeigen, sind also ganz unterschiedlich und reflektieren doch 100 Jahre Stadtgeschichte.“ Ein Hingucker der Ausstellung ist sicherlich ein Motorrad von Hans-Dieter Stetzka. Der Wanne-Eickeler baute zehn Jahre an seiner DKW ORE 250. Genau mit so einer Maschine verunglückte 1928 Willi Henkelmann. Noch ein Jahr zuvor wurde der Rennfahrer aus Wanne-Eickel Europameister auf seiner DKW. Als Stetzka erfuhr, dass auch drei Pokale, die Henkelmann gewonnen hatte, ausgestellt werden, nahm er Kontakt mit dem Museum auf. Dass wiederum die Pokale ihren Weg an die Unser-Fritz-Straße 108 gefunden haben, ist unter anderem den Recherchen von Horst „Hotte“ Schröder zu verdanken. Er befasste sich intensiv mit dem Leben des Sportlers. Davon erfuhr Brunhilde Kohlenbach. Sie ist die Tochter Mia Schlicker, der damaligen Verlobten von Henkelmann, und stellte die Pokale gerne zur Verfügung.

  • Der Leiter des Emschertalmuseums, Dr. Oliver Dötzer-Berweger begrüßt zum Pressegespräch im Heimatmuseum. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Motorisiert ging es auch in der Kindheit von Inge Schlebusch und Burkhard Rocholl zu. Ihr Vater, der Wanne-Eickeler KfZ-Mechaniker Wilhelm Rocholl, baute 1958 ein voll funktionsfähiges Miniaturauto mit Zweigangschaltung, Gashebel und Motorradmotor. „Das Miniaturauto steht nun neben dem Klassiker der musealen Darstellung von Migrationsgeschichte“, sagte Piorr mit Blick auf einen Koffer. Er gehörte dem Italiener Vittorio Sorci. Genau mit dem Koffer kam der Gastarbeiter am 11. Juli 1956 am Hauptbahnhof Wanne-Eickel an und arbeitete bis zur seinem Ruhestand im 1992 bei der Firma Heitkamp. Die Dauerleigabe aus dem Nachlass ihres Vaters stellte Cordula Sorci zur Verfügung.
Den alte Miele-Staubsauger seiner Oma übereichte Stadtfotograf Thomas Schmidt. Erstmalig ist auch ein Exponat der Brauerei Zengerling zu sehen. Die Familie Zengerling war im Besitz eines Hotels und einer Gasstätte, wo das Bier serviert wurde. Gegründet 1885, eingestellt 1920. Lisa Zimmer fand bei einer Ausgrabung einer Wächestange in der Gartenstadt eine alte Flasche der Brauerei. Nun ist sie im Heimatmuseum zu sehen genauso wie ein Paar alte Schuhe, die bei Renovierungsarbeiten in einer Zwischendecke in Sodingen aufgetaucht sind. „Ein Teil dieser Exponate wird später in der Dauerausstellung zu finden sein“, freut sich Piorr über die bishiergen Leihgaben, die die Stadtgeschichte lebendig halten.

Ausstellungsdauer: ab 19. Mai 2019 bis zum Herbst 2019
Emschertal-Museum – Heimatmuseum Unser Fritz
Unser-Fritz-Straße 108 – 44653 Herne