Offspace – versteckt und doch offen
Im hintersten Winkel eines kleinen unübersichtlichen Gewerbeareals am Ende der Werderstraße ist Industriekultur zu entdecken. Eine kulturinteressierte Künstlergemeinschaft hat sich in einer Zechen-Hinterlassenschaft niedergelassen, um das kulturelle Begegnungszentrum „AFFENHACKstudios HERNE" zu begründen.
Musikhalle und Kunsthalle
Werderstraße 51a – auf keinem Straßenschild ist diese Nummer zu finden. Wer durch eine Pforte auf den Hof dieses Gebäudes kommt, gelangt auf einen in die Jahre gekommenen Tennisplatz. Aber dann, zur linken Hand, öffnet Caro Fugazzi die Tür und führt den Besucher durch zwei größere Räume: die „Musikhalle" und die „Kunsthalle". Im ersten Raum fänden 50 Zuhörer bei Musikkon-zerten, Workshops oder Filmvorführungen Platz, der zweite ist für Ausstellungen gedacht. Sie bieten ein stylisch-chilliges Ambiente, wo sich das Zielpublikum garantiert wohlfühlen will. Das Gebäude beherbergte vor Zeiten ein Sägewerk der Zeche Friedrich der Große. Michaela Pawelke, Musikerin und Seele des Projektes, Friedel Zibis, Musiker, Musik unterrichtender und leidenschaftlicher Gitarrendoktor sowie Werner Lob, Schlosser, und die Künstlerin Caro Fugazzi mieteten sich in ein ganzes Areal ein, das sie professionell zu Lebens- und Kreativräumen umgestalteten.
Ein Jahr Staubfressen
Nach einem Jahr des Staubfressens und der Investition von jeder Menge Herzblut wurde der Traum Realität. „Ich habe mich sofort in diesen Ort verliebt", sagt Lob. Fugazzi ist Französin, stammt aus der Dordogne, hat Bildende Kunst in Deutschland studiert und ist praktizierende Künstlerin. Sie ist für die „Kunsthalle" zuständig. „Ich lade internationale Künstler aus dem Kongo, aus Ungarn, Indien oder Frankreich ein – und aus Deutschland". Am Monatsanfang ist Austellungseröffnung. Und in der „Musikhalle" wird mehrmals im Monat gejammt. Auch als Proberaum steht sie zur Verfügung.
„Wir wollen mitreden"
„Wir wollen in der Kultur mitreden", lautet das Credo der Vierer-Bande, formuliert von Fugazzi, „und bieten hier eine Art Offspace." Alle sind herzlich eingeladen: zum Proben, Jammen, über Kunst reden oder – zum sportlichen Event. Am 1. August wollen sie das erste Kulturfest der Reihe Sommer Superbe veranstalten. „Wir nehmen keinen Eintritt", sagt Lob, „auch einen Verein bilden wir nicht. Wir sind offen, suchen den Austausch, bleiben aber gleichzeitig privat."
Text: Horst Martens / Fotos: Frank Dieper