Pflege kann nicht jeder

4. Januar 2026 | Ausgabe 2026/1

Drei junge Auszubildende am Gesundheitscampus der St. Elisabeth Gruppe in Börnig geben einen Einblick in die Ausbildung in der Pflege.

Weit über seine Stadtgrenzen hinaus gilt Herne als bedeutende Gesundheitsstadt. Damit auch die Zukunft des Gesundheitsstandortes Herne sichergestellt ist, bildet die St. Elisabeth Gruppe an ihrem Campus in Börnig die nächste Generation aus: In verschiedenen Disziplinen, von der Pflegefachkraft bis zur Logopädie und vielen mehr, sind aktuell 1.773 Auszubildende unterwegs. War die Pflege einst größtenteils weiblich besetzt, wird die Verteilung auch in diesem Bereich immer ausgeglichener. Drei Auszubildende geben einen Einblick in den Alltag auf dem Gesundheitscampus der St. Elisabeth Gruppe.

Der 23-jährige Kai Yannick Beutler steht kurz vor Abschluss seiner dreijährigen Ausbildung zum Pflegefachmann mit Vertiefung Pädiatrie. Für ihn stand schon früh fest, sich auf die Arbeit in der Kinderpflege konzentrieren und spezialisieren zu wollen. Recep Altuntas und Amir Brahim hingegen haben noch keine Vertiefung gewählt. In sechs Monaten beenden sie die generalistische Pflegeausbildung und entscheiden sich erst dann, auf welche Station ihr Weg sie führen wird. Trotz der unterschiedlichen Verlaufswege haben alle drei eins gemeinsam, wie Beutler erklärt: „Es ist weniger ein Beruf als eine Berufung. In die Pflege geht man mit der Überzeugung, etwas Sinnvolles tun zu wollen.“

Praxisnahe Ausbildung

Ihm gefällt vor allem die praxisorientierte Ausbildung: „Wir haben eine Mindestzahl an Pflichtstunden, die wir in den einzelnen Teilbereichen erfüllen müssen, die wir sogar übersteigen.“ Altuntas pflichtet ihm bei: „Wir arbeiten so, wie wir es an der Schule zuvor gelernt haben. Sollten aber trotzdem Fehler passieren, wissen wir, dass wir immer jemanden an unserer Seite haben aus dem Team.“ So könne man aus Fehlern lernen und bekommt Sicherheit bei der Ausübung der täglichen Aufgaben in der Pflege. „Alleine ist man nie“, bestätigt Brahim.

Jeder Mensch willkommen

Allgemein stehe das Team und der Teamgedanke im Vordergrund: in der Ausbildung, aber auch darüber hinaus. Das Ausbildungssystem der St. Elisabeth Gruppe nimmt Rücksicht auf die individuellen Bedürfnisse der Auszubildenden und legt großen Wert darauf, ihr Angebot bestmöglich auf die jeweiligen Personen zuzuschneiden. Sabine Dressler ist seit 2015 als Pflegeschulleitung bei der St. Elisabeth Gruppe: „Bei uns steht der Mensch im Vordergrund und jeder bekommt die gleiche Chance und die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten. Wir haben auch minderjährige Auszubildende und passen ihr Arbeitsumfeld und ihre Arbeitszeiten auf sie an, um zum Beispiel zu vermeiden, dass sie schon um 4 Uhr morgens am Bahnhof stehen und auf ihren Zug warten müssen.“

„Bei uns steht der Mensch im Vordergrund und jeder bekommt die gleiche Chance und die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten.“

Pflegereform gut umgesetzt

Vor rund fünf Jahren wurde das Ausbildungssystem in der Pflege von den politischen Entscheidungsträgern reformiert und umgestellt. Die Reform der Pflegeausbildung zum 1. Januar 2020 führte die bisher getrennten Ausbildungen der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zu einer generalistischen Pflegeausbildung zusammen. Hauptziel war die Aufwertung des Berufs, Schulgeldfreiheit, eine einheitliche Vergütung und EU-weite Anerkennung. Die St. Elisabeth Gruppe hat die Reform vergleichsweise stark umgesetzt, sagt Beutler: „Ziel der Reform war es, auch die zuvor unterbesetzten und unterrepräsentierten Pflegebereiche aufzuwerten. Das ist der St. Elisabeth Gruppe sehr gut gelungen. Der Vorteil ist, dass so jeder einen Einblick in die verschiedenen Bereiche und Altersgruppen erhält: von der Pädiatrie bis zur Geriatrie.“

Pflege kann nicht jeder

In einem Punkt sind sich alle einig: Die Arbeit in der Pflege ist keine leichte, aber dafür eine sehr erfüllende. Gerade deswegen freue man sich über jeden neuen Auszubildenden, der sich für diesen Weg entscheidet. Schüler*innen, die Interesse an dem Pflegeberuf zeigen, rät Beutler: „Wenn man direkt nach der Schule kommt, sollte man wirklich mal so ein halbes Jahr ein FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) machen, damit man weiß, was es überhaupt heißt, in dem Bereich zu arbeiten. Wichtig ist einfach, als junger 16-Jähriger nicht nur das Geld zu sehen – was in der Ausbildung wirklich gut ist, muss man ehrlich sagen – aber auch wirklich zu verstehen, was Pflege ist. Weil: Pflege kann nicht jeder.“

Weitere Informationen zum Gesundheitscampus und den Ausbildungswegen der St. Elisabeth Gruppe gibt es unter: elisabethgruppe.de/campus

Text: Daniel Djan     Fotos: St. Elisabeth Gruppe