Pilot, Manager und Crange-Fan

7. Januar 2024 | Ausgabe 2024/1

Matthias Spohr hat den Lufthansa-Nachwuchs im Blick

Wer mit Matthias Spohr ins Gespräch kommt, merkt schnell: Dieser Mann ist Pilot aus Leidenschaft. Als Geschäftsführer der Lufthansa Aviation Training freut er sich darauf, junge Menschen auf ihrem beruflichen Weg zu begleiten. Doch genauso gerne steigt er noch selber ins Cockpit: „Das sind die Highlights.“

Etwa dreimal im Monat sitzt der gebürtige Wanne-Eickeler noch selber in der Maschine und steuert als Kapitän mit dem Airbus A320 die europäischen Metropolen an. Auch nach rund 15.000 Flugstunden hat das Fliegen für den 53-Jährigennicht an Faszination verloren. „Man vergisst nie den Moment, wenn man das Flugzeug zum ersten Mal alleine fliegt. Das ist ein Riesengefühl und kaum zu beschreiben“, sagt Spohr, der seit Februar 2021 auch noch die Verantwortung für rund 850 Mitarbeitende der Lufthansa Aviation Training GmbH übernommen hat.

„Dort lernt man dann in Phoenix bei schönem Wetter das Fliegen.“

Ruhrgebiet treu geblieben

Alle relevanten Entscheidungen der Aus- und Weiterbildung der Piloten und weiterer Trainingsbereiche gehen somit über seinen Schreibtisch. Und der steht übrigens in München – dort hat die Lufthansa-Tochter ihren Hauptsitz. Der dreifache Familienvater, der am Gymnasium Eickel sein Abitur machte, hat seine Heimatregion allerdings nie verlassen. „Ich bin dem Ruhrgebiet treu geblieben“, sagt Spohr, der seit mehr als 20 Jahren in Bochum wohnt. Spätestens am Wochenende ist er zurück. „Dann geht es zum VfL“, will der Jahreskarteninhabe kein Spiel verpassen. Natürlich auch nicht „Crange“. „Das ist jedes Jahr ein Muss“, erinnert sich Spohr auch an so manchen Blick aus dem Cockpit auf das Kirmestreiben.

Die „Herne“ fliegt immer noch

1995 flog Spohr das erste Mal einen Airbus. Dabei hatte er zwischendurch sogar ein „Heimspiel.“ Denn einige Jahre steuerte er auch den Airbus A340-300 mit dem Kennzeichen „D-AIGL“, der 1996 auf den Namen der Stadt Herne getauft wurde. Bei der Taufe mit dem damaligen OB Wolfgang Becker war Spohr sogar dabei. Und die „Herne“ fliegt immer noch. Nach mehr als 15.000 Flügen legte sie inzwischen mehr als 120.000 Flugstunden zurück. Wer die „D-AIGL“ oder einen anderen Airbus fliegen will, macht in der Pilotenschule eine zweijährige Ausbildung. Im ersten Jahr steht in Bremen die Theorie im Vordergrund. Nach dem Erwerb der Lizenz zum Verkehrspiloten geht es für sechs Monate nach Arizona. „Dort lernt man dann in Phoenix bei schönem Wetter das Fliegen.“ Zurück in Deutschland geht es dann noch einmal für sechs Monate nach Rostock.

Teamgeist statt Einzelkämpfer

Als erste Hürde steht allerdings der Pilotentest auf dem Programm. „Zehn bis 15 Prozent bestehen den Test“, berichtet Spohr. Er rät jungen Menschen dennoch dazu, sich zu bewerben. „Technisches Verständnis sollten Interessierte schon mitbringen, aber man muss in der Schule kein Überflieger sein oder ein besonderes Mathe-Ass. Wir suchen eigentlich Menschen, die in der Breite gut aufgestellt sind“, sagt der Bochumer, der auch den Teamgeist in den Vordergrund rückt. Einzelkämpfer seien im Cockpit fehl am Platz. „Wer den Beruf ergreifen will, sollte entscheidungsfreudig sein, aber gleichzeitig auch im Team arbeiten können“, sagt Spohr. In einer eigenen Lufthansa-Akademie (Human Factors Academy) werden das Wissen und die Kompetenzen sogar in andere Branchen transferiert. So gibt es zum Beispiel auch Schulungen für Ärzte und andere Berufsgruppen, um eine Entscheidungsfindung im Team gezielt zu trainieren.

Als Trainingskapitän im Einsatz

Rund 300 Nachwuchspiloten werden jährlich bei der Lufthansa-Tochter ausgebildet. Viele Jahre war Spohr, unter anderem auch für Germanwings und Eurowings, selber als Trainingskapitän im Einsatz. Heute steigt er nur noch selten in einen Flugsimulator. Als Manager stellt er sich eher die Frage: Brauchen wir neue Flugsimulatoren? Wichtige unternehmerische Entscheidungen zu treffen und zwischendurch abheben zu können – für den leidenschaftlichen Flieger eine abwechslungsreiche Kombination. Und das sogar mit familiären Verbindungen. Bruder Carsten ist bekanntermaßen Vorstandsvorsitzender der Lufthansa AG. Beide tragen also den „Kranich“ auf der Uniform und freuen sich schon auf den kommenden Flug …

Text: Michael Paternoga     Fotos: Thomas Schmidt