Pommes & Perspektiven: Ausbildung trifft Imbissbude
Berufsorientierung einmal anders. Mit Currywurst und Pommes statt Messestand und klassischem Bewerbungsgespräch ist am Montag im Herner Olymp Grill die neue Ruhrgebietstour „Pommes & Perspektiven“ der Jugendberufsagenturen Herne und Bochum gestartet. In lockerer Atmosphäre kamen junge Menschen mit regionalen Arbeitgebern ins Gespräch und informierten sich über konkrete Ausbildungs- und Einstiegsmöglichkeiten.
„Pommes und Perspektiven“ im Olymp Grill. Foto: Frank Dieper, Stadt Herne.
Die Idee hinter dem neuen Format ist bewusst locker gehalten, nicht alle jungen Menschen werden mit klassischen Beratungsangeboten oder Ausbildungsmessen erreicht. Deshalb gehen die Jugendberufsagenturen dorthin, wo Begegnung im Alltag stattfindet. Die Imbissbude als authentischer Ort des Ruhrgebiets wird dabei zum Treffpunkt für Berufsorientierung, persönliche Kontakte und neue berufliche Perspektiven.
Zum Auftakt kamen im Olymp Grill in Herne Vertreterinnen und Vertreter aus Arbeitsmarkt, Kommune und Wissenschaft zusammen. Stadtrat Andreas Merkendorf begleitete den Auftakt für die Stadt Herne und Bürgermeisterin Barbara Jeßel für die Stadt Bochum. Ebenfalls war Christopher Meier, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, Stefanie Niebuhr, stellvertretende Geschäftsführerin Jobcenter Herne und Georg Sondermann, Geschäftsführer Jobcenter Bochum, vor Ort. Prof. Dr. Birgit Apitzsch von der Ruhr-Universität Bochum beleuchtete dabei Jugendarbeitslosigkeit und ihre Folgen aus wissenschaftlicher Perspektive.
„Herne treibt viele große Projekte zur Stadtentwicklung voran, die zahlreiche attraktive Jobs schaffen. Dafür brauchen wir unter anderem auch junge, gut ausgebildete Menschen, die nach dem Schulabschluss den Sprung in die Ausbildung oder das Studium schaffen. Das Potential ist da, wir müssen es nur heben. Deswegen verlagern wir heute die Berufsorientierung bewusst in ein Imbisslokal im Quartier. Hier gibt es nicht nur Schnitzel, sondern auch Starthilfe in den neuen Job“, erklärte Andreas Merkendorf, Schuldezernent der Stadt Herne.
„Im August waren in Bochum über 700 Lehrstellen frei, und knapp 500 junge Leute haben noch einen Ausbildungsplatz gesucht. Jeder von ihnen, der schließlich doch noch eine Lehrstelle findet, hat eine Zukunftsperspektive, und Herne wie Bochum eine zusätzliche Chance auf dringend benötigte Fachkräfte. Dazu müssen sich beide Seiten aber erst einmal kennenlernen, bei einer Portion Pommes geht das ohne steife Bewerbungsgespräche. Ich freue mich, dass drei dieser fünf spannenden Termine neben Herne auch in Bochum stattfinden,“ so Frau Bürgermeisterin Barbara Jeßel.
Christopher Meier, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit,betonte, dass gerade der persönliche Kontakt neue Chancen eröffnen könne: „Wir wollen den Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich jenseits eines klassischen Bewerbungsverfahrens persönlich zu präsentieren. Noch immer gibt es zu viele junge Menschen, die ihren beruflichen Weg nicht gefunden haben. Gleichzeitig möchten wirUnternehmen ermutigen, genauer hinzuschauen, denn oft lohnt sich der zweite Blick. Ich bin überzeugt: In jedem jungen Menschen stecken Talente und Potenziale. Manchmalbraucht es nur die richtige Gelegenheit, sie zu zeigen. ‚Pommes & Perspektiven‘ schafft genau solche Gelegenheiten und ist damit ein wichtiger Baustein, um den
Ausbildungsmarkt im Ruhrgebiet zu stärken.“ Christopher Meier erklärt weiter: „Die wirtschaftliche Schwäche macht sich auch auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar. Gleichzeitig brauchen wir Fachkräfte mehr denn je. Allein inHerne werden in den kommenden Jahren voraussichtlich rund 10.000 Fachkräfte in den Ruhestand gehen, in Bochum rund 30.000. Deshalb müssen wir heute dafür sorgen, dass junge Menschen und Unternehmen besser zusammenfinden. Mit konkreten Formaten wie ‚Pommes & Perspektiven‘ wollen wir dazu beitragen.“
„Wir wollen junge Menschen nicht nur dorthin einladen, wo wir sind, sondern auch dorthin gehen, wo sie sind. Eine Imbissbude ist im Ruhrgebiet ein authentischer Ort, an dem
Menschen unkompliziert miteinander ins Gespräch kommen. Genau diese Nähe wollen wir nutzen, um Talente sichtbar zu machen und aus einem ersten Kontakt eine echte
berufliche Perspektive entstehen zu lassen,“ sagt Stefanie Niebuhr, stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenters Herne.
„Wir als Jobcenter Bochum betreuen viele Menschen, aber eine Gruppe liegt mir besonders am Herzen. Die 1.000 jungen, arbeitslosen Menschen, die ihren Platz noch
nicht gefunden haben. Um sie geht es heute. Jeder Einzelne, der heute hier ist, soll nicht nur eine Pommes bekommen, sondern auch mit was drauf. Nämlich eine Perspektive für
seinen weiteren Lebensweg. Im Idealfall ist das die Chance auf eine Ausbildung oder ein Arbeitsplatz. Aber auch wenn es nur die Erkenntnis ist, welche Schritte zunächst anstehen,
dann hat diese Veranstaltung ihr Ziel erreicht,“ so Georg Sondermann, Geschäftsführer des Jobcenter Bochum.
„Der erfolgreiche Übergang von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den Beruf ist nicht nur gesellschaftlich und wirtschaftlich relevant, beispielsweise mit Blick auf den Fachkräftemangel und die sozialen Sicherungssysteme. Aus der Forschung wissen wir, dass ein fehlender Berufsabschluss und frühe Arbeitslosigkeit sich auf spätere Einkommens- und Beschäftigungschancen und ebenso auf soziale Teilhabe negativ auswirkt. Gleichzeit bleibt ein wichtiges Potenzial ungenutzt, denn oft verfügen Jugendliche und junge Erwachsene über viele Kompetenzen, die ohne formalen Bildungsund Berufsabschluss nicht erkannt und anerkannt werden,“ erklärt Prof. Dr. Apitzsch von der Ruhr-Universität Bochum.
Nach dem offiziellen Auftakt wurde aus dem Pressegespräch ganz praktisch das, worum es bei „Pommes & Perspektiven“ geht, nämlich um Begegnungen. Bei Currywurst und
Pommes konnten die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ungezwungener Atmosphäre direkt mit den anwesenden Unternehmen ins Gespräch kommen. Dabei stand
nicht die perfekte Bewerbungsmappe im Mittelpunkt, sondern zunächst das persönliche Kennenlernen.
Sieben Arbeitgeber beteiligten sich am ersten Termin: Ifürel, Dachser, DEBEKA, Stadt Herne, Planeta, Eiffage und Vulkan. Gemeinsam brachten sie ein breites Spektrum von 21 Ausbildungsberufen für knapp 170 eingeladene Jugendliche mit. Das Angebot reichte von technischen und handwerklichen Berufen über Logistik und Verwaltung bis hin zu kaufmännischen und IT-Berufen. Unter anderem wurden Ausbildungs- und Einstiegsmöglichkeiten in den Bereichen Gleisbau, Elektronik, Fachinformatik, Lagerlogistik, Garten- und Landschaftsbau, Industrie, Versicherungen, Spedition, und Verwaltung vorgestellt.
Hinter „Pommes & Perspektiven“ stehen die Jugendberufsagenturen Herne und Bochum. In den Jugendberufsagenturen arbeiten Agentur für Arbeit, Jobcenter und kommunale
Partner zusammen, um junge Menschen beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf möglichst abgestimmt zu beraten und zu unterstützen.
Die Auftaktveranstaltung im Olymp Grill bildet den Start einer Tour durch Herne und Bochum. Nach Herne sind weitere Stationen am 11. November 2026 in Bochum, am 2.
Dezember 2026 in Wanne-Eickel und am 19. Januar 2027 in Wattenscheid vorgesehen. Im Februar 2027 soll zum Abschluss Bilanz gezogen werden.
Das Prinzip bleibt dabei gleich, junge Menschen und Unternehmen begegnen sich an alltagsnahen Orten, ohne die typische Atmosphäre eines klassischen Bewerbungsverfahrens. Aus einem kurzen Gespräch, kann ein weiterer Kontakt, ein Praktikum, eine Ausbildung oder der Einstieg in Beschäftigung entstehen.
Text: Nina Schmitt, Jobcenter Herne





