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Räume neu denken

Jugendkultur - 2013

Seit der Ruhr.2010 gehört Herne zu den Kreativ.Quartieren Ruhr. Nun erhält das Thema neuen Schwung: Gibt es vielleicht bald Raum für Mieter im Kreativ.Quartier in der Wanner Fußgängerzone?

Überall dort im Ruhrgebiet, wo es mal schön war – und wieder werden könnte – und da, wo das Zusammenspiel von Kultur, Kreativität und Wirtschaft funktioniert, sprießen Kreativquartiere, in denen Kulturschaffende sich niederlassen: Sicher kein Allheilmittel gegen Leerstand und Jugendabwanderung, ganz sicher aber perspektivisch eine Chance für einen Schub in der Quartiers- und Branchenentwicklung – auch in Herne.

Das Herner Kreativ.Quartier mitten in der Wanner Fußgängerzone hofft auf Akzeptanz bei Menschen, die sich gerne mit ihrem Stadtteil identifizieren; sie feiern die Wanner Mondnächte, besuchen den Mondpalast, gründen die Mondritter, naschen Wanner Pralinen und trinken Wanner Likör. Seit 2007 läuft das ambitionierte Stadterneuerungsprogramm „jetzt Wanne!“, das den Einkaufs- und Wohnstandort Wanne wieder attraktiver machen soll. Die nötige „Hardware“ ist vorhanden: eine anziehende historische Bausubstanz, großflächige Grün- und Freiflächen, die Fußgängerzone. Dazu kommen Infrastruktur-, Kultur- und Bildungsangebote sowie öffentliche Einrichtungen.

„Es ist eine großartige Idee von Zekai Fenerci, mit dem KreativQuartier Impulse für die Innenstadt setzen zu wollen. Das Haus bietet exzellente Voraussetzungen für vernetztes Arbeiten … und für experimentelle Kulturangebote, die wir unterstützen wollen. Sollte dieses Projekt gelingen, wäre es ein großer Wurf. “

Peter Weber, Leiter des städtischen Fachbereichs Kultur

Treibende Kräfte

Und zunehmend zeigt sich bei privaten Akteuren eine positivere Grundstimmung. Zu den treibenden kulturellen Kräften gehört auch der Verein Pottporus, der bereits im Stadtteil aktiv und nun Hauptakteur beim geplanten „Kreativ.Quartier.Wanne“ ist. Der Verein hat bereits gezeigt, wie eine in der Streetart angesiedelte Idee auch wirtschaftlich funktioniert und einen Mehrwert für Stadt und Region bietet.

Die Immobilie, das ehemalige Karstadt-Haus, weist seit geraumer Zeit großflächigen Leerstand auf. Rund 2.000 qm auf zwei Etagen stehen zur Verfügung. Die könnten in Zukunft Heimat für Freiberufler und Unternehmen aus grundsätzlich allen Teilsparten der Kreativwirtschaft werden. Dazu gehören der Markt für darstellende Künste, die Musik-, Film- und Rundfunkwirtschaft, das Verlagswesen, der Buch-, Kunst-, Design-, Architektur-, Presse- und Werbemarkt sowie die Software/Games-Industrie. Gedacht ist an Arbeitsstätten und Büros, Co-Working-Spaces, aber auch an Räumlichkeiten für Seminare oder Workshops, an Probenräume, Studios, eine Bühne.

„Der geplante Standort für das Kreativ.Quartier.Wanne liegt direkt in der Einkaufsstraße in Wanne-Mitte. Außerhalb dieses Gebäudes gibt es eine Vielzahl an verfügbaren gewerblichen Flächen, die öffentlichkeitswirksam inszeniert und genutzt werden können…“

Achim Wixforth, Leiter des städtischen Fachbereichs Stadtplanung

Inspirierende Atmosphäre

Der angestrebte Branchen-Mix könnte das Quartier auch zu einer attraktiven Adresse für etablierte Unternehmen werden lassen: Wer zum Beispiel einen neuen Internetauftritt benötigt, findet im besten Fall alles vor Ort: Medienberater, Webdesigner, Texter, Fotografen, Videokünstler…

Für die Mieter selbst fördert das Arbeiten in inspirierender Atmosphäre den Austausch von Ideen und bietet die Chance auf Kooperationen und Allianzen. Und wenn der Platz nicht mehr reicht: die Fußgängerzone bietet jede Menge freie Ladenlokale, die dauerhaft oder temporär als transparente Werkstätten, Aus-stellungs- und Verkaufsräume in das Konzept des Kreativ.Quartiers einbezogen werden können.

Die Akteure des Kreativ.Quartiers haben interkulturelle Kompetenz und sind erfahren im Markt für darstellende urbane Kunst wie Tanz, Musik, Fotografie, Design, Videokunst oder Formen der Street Art. Dabei ist das Haus nicht nur eine Arbeitsstätte, es ist auch Anlaufstelle für Sub- und Jugendkultur und bietet eine Plattform zur Professionalisierung. Flankiert wird dies durch das Startercenter NRW der Wirtschaftsförderung Herne. Wer sich selbstständig machen will, findet hier ideale Unterstützungsbedingungen.

„An diesem besonderen Ort sind Synergien und Netzwerkbildung möglich. Lagegunst, ein geeignetes Umfeld und ein günstiger Mietpreis sprechen dafür, dass sich schnell weitere Interessenten finden, die sich in der Immobilie einquartieren.“

Dr. Joachim Grollmann, Geschäftsführer der WFG Herne

Startschuss im Dezember 2013

Mit diesem ganz eigenen Schwerpunkt fügt sich das Herner Kreativ.Quartier in die Reihe der Kreativ.Quartiere Ruhr ein. Der Startschuss soll im Dezember 2013 fallen. Dann könnte das Kreativ.Quartier beim von Pottporus organisierten Auftaktprogramm mit internationaler Besetzung Ideenlabor werden: Räume neu denken!

Weitere Informationen: www.wfg-herne.de

Text: Dr. Evelyn Stober, WFG Herne