Rekordbauzeit für vier neue Brücken im Kreuz Herne
„Normalerweise hätten wir für vier Brücken viereinhalb Jahre gebraucht“, sagt Judith Beier-Tertel und weist auf die neuen Bauwerke, die hier, im Kreuz Herne, die Autobahn überspannen. „Stattdessen waren wir in anderthalb Jahren fertig.“ Eine Rekordbauzeit. Beier-Tertel ist Projektleiterin bei der Autobahn GmbH, verantwortlich für die Großmaßnahme, aber sie betont: „Das war eine riesige Teamleistung – von unseren Mitarbeitenden und der Baufirma.“ Ein Projekt, welches zukunftsweisend für den Brückenbau sein könnte.
Als erstes Fahrzeug überquert ein Wagen der Autobahnmeisterei Gelsenkirchen die neue Brücke. Kurz darauf fließt der Verkehr auf der A42 wieder wie gewohnt. Foto: Autobahn Westfalen
Was wurde dabei gebaut? Im Kreuz Herne führt die A42 über die A43, mit vier eng nebeneinander liegenden Brücken, zwei Hauptfahrspuren, zwei Nebenfahrspuren. Die Bauwerke mussten für den Ausbau der A43 auf sechs Spuren verbreitert werden, zudem waren sie wie viele Brücken im Ruhrgebiet in die Jahre gekommen. „Die Bauzeit war eines der Ausschreibungskriterien“, erklärt Beier-Tertel.
Den Zuschlag erhielt eine Firma, die eine Fertigteilbauweise anbot. Dabei werden die Brückenteile soweit wie möglich vor dem Einbau vorgefertigt, was die Bauzeit vor Ort stark reduziert. Im Mai 2025 startete im Kreuz der Abriss der ersten Brücke, nun, Ende September 2026 sind alle Bauwerke für den Verkehr freigegeben.
„Wir hatten hier zudem eine Deutschlandpremiere“, sagt Beier-Tertel. Zum ersten Mal sei hier im Kreuz im Sommer 2025 eine solche Fertigteilbauweise bei Brücken mit einem Mittelpfeiler zum Einsatz gekommen – die Fachfrau spricht von einem „Zweifeldträger“.
Mit dem Brückenneubau sind die Bauarbeiten im Kreuz Herne allerdings noch lange nicht abgeschlossen. Zwar stehen mit den Brücken und dem ebenfalls neuen Tunnel Baukau die Herzstücke des neuen Kreuzes. Aber nun müssen die Verbindungen neu gebaut werden, darunter unter anderem ein neuer „Überflieger“, ein Brücke, die eine Verbindung von der A43 Fahrtrichtung Wuppertal auf die A42 Richtung Dortmund schafft und dabei die Fahrbahn der A42 überquert. Auch muss vor den Bauarbeiten im Süden des Kreuzes die benachbarte Brücke Cranger Straße erneuert werden, deren alte Pfeiler noch im Weg stehen.
Kann die Schnellbauweise nicht zukünftig bei allen solchen Brückenbaumaßnahmen zum Einsatz kommen? „Das kann man so pauschal nicht sagen, da muss jede Brücke einzeln geprüft werden“, erklärt Beier-Tertel. Beispielsweise müssten die vorgefertigten Teile per Schwertransport angeliefert und zum Teil vor Ort auf einer ausreichend großen Fläche zwischengelagert werden, was nicht immer möglich sei. „Aber wenn es sich anbietet, dann werden wir natürlich wieder so bauen.“ Die Zukunft des Brückenbaus – im Kreuz Herne kann man sie nun gut sichtbar bestaunen.
Text: Autobahn Westfalen

