Revival für den RevuePalast Ruhr

20. März 2025 | Ausgabe 2025/3

Showtheater findet neue Spielstätte im Gysenberg

Ein Vorhang fällt, ein neuer hebt sich. So kann man die aktuelle Entwicklung beim RevuePalast Ruhr beschreiben. Im Januar 2025 endete in Herten eine Ära, als der Vorhang für die letzte Show des Revuetheaters in der denkmalgeschützten Heizzentrale der ehemaligen Zeche Ewald fiel. Doch statt Wehmut herrscht längst wieder Aufbruchsstimmung. In Herne beginnt für das Showtheater eine neue Zukunft: Am Gysenberg, direkt neben der Eishalle und am beliebten Revierpark, entsteht eine neue Spielstätte, die Glamour, Charme und Magie verbindet.

„Ich gebe zu: Noch braucht man ein bisschen Fantasie“, sagt Theaterdirektor Marvin Boettcher, als er mit der inherne-Redaktion in der leeren, renovierungsbedürftigen Squash-Halle steht. Doch der 38-Jährige versprüht eine Menge Tatendrang und wenn er mit vielen Gesten die zukünftige Gestaltung der Halle in die Luft malt, entsteht vor dem geistigen Auge bereits ein lebendiges Bild des neuen Show-Palastes.

Marvin Böttcher

RevuePalast Celebration 2024

Nachhaltigkeit spielt eine Rolle

Eine imposante Bühne mit 27 Metern Breite und über elf Metern Tiefe wird das Bild der Halle zukünftig bestimmen. „Die Bühne bekommt drei sogenannte Vorhang-Linien, da können wir ganz tolle Aufbauten machen, die für einen Wow-Effekt sorgen werden“, schwärmt Marvin Boettcher. Dahinter entsteht der Künstlerbereich mit Umkleiden und Duschen. An die hintere Wand kommt ein langer Tresen, von dem aus man sowohl das Foyer als auch die Halle bespielen kann. Auf rund 1.000 Quadratmetern entsteht so ein multifunktionales Theater mit modernster Technik und Barrierefreiheit. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt eine Rolle, ist doch auf dem Dach eine Photovoltaik-Anlage geplant. Vieles sollen Herner Firmen umsetzen, das sei ihm besonders wichtig, betont Marvin Boettcher. Um dem Raum die nötige Theater-Akustik zu geben, werden Decke und Wände mit Segeln abgehängt. Auch die großen Spiegel, die schon in Hertenim RevuePalast hingen, werden wieder ihren Platz finden.

Das Ende am alten Spielort bezeichnet Marvin Boettcher rückblickend als „Schlag in die Magengrube“. Etwas mehr als zwei Jahre nachdem er 2023 den Mondpalast in Wanne und den RevuePalast Ruhr in Herten von Prinzipal Christian Stratmann übernommen hatte, stand eine der beiden kulturellen Institutionen ohne Spielort da. „Das waren ganz einfach wirtschaftliche Gründe, sowohl auf der Seite des Vermieters als auch auf meiner“, erklärt der Theatermacher.

Doch viel lieber schaut Marvin Boettcher in die Zukunft. Mit dem Ensemble arbeitet er schon jetzt an einem Programm, das Bewährtes und Neues verbindet. Burlesque, Comedy, Musikrevue – die bekannte Handschrift des Revue- Palastes bleibt unverändert. „Die Shows und Veranstaltungen wollen wir aber breiter aufstellen. Schon in Herten haben wir dafür die ersten Weichen gestellt – zum Beispiel mit der Illusionsshow. Das werden wir konsequent weiterführen“,  gibt Marvin Boettcher einen Ausblick auf das zukünftige Konzept. Zudem sollen Sonderveranstaltungen wie private Feiern, Firmen- oder Gala-Events eine wichtigere Rolle spielen. Die Halle wird sich in verschiedene Segmente einteilen lassen und macht somit Veranstaltungen mit 50 bis hin zu 600 Personen möglich.

„Es ist noch eine Menge Arbeit. Das, was den RevuePalast in Herten ausmachte, die Finesse, die Liebe, das kriegen wir auch hier rein“, fasst der studierte Kultur- und Eventmanager zusammen. Die Baugenehmigung hält er bereits in den Händen, die Eröffnung der neuen Spielstätte ist für das erste Quartal 2026 geplant. Ambitioniert sei das, das gibt der Kulturschaffende unumwunden zu. Auftrieb dürfte ihm aber unter anderem ein Preis geben, der ihm jüngst im wahrsten Wortsinne ausgezeichnete Arbeit bescheinigte. Im Oktober dieses Jahres erhielt Marvin Boettcher in Bochum den „Nachfolgepreis NRW“, verliehen von der Industrie- und Handelskammer NRW und der Bürgschaftsbank NRW.

Text: Tobias Kindel     Fotos: Frank Dieper, Marco Stepniak, RevuePalast Ruhr