Experte der Biologischen Station liegt nachts auf der Lauer
Sie tragen poetische Namen wie Lindenschwärmer, Schönbär oder Porzellanspinner und faszinieren durch ihren Artenreichtum. Trotzdem gehören sie zu den großen Unbekannten, denn sie leben zumeist in der Dunkelheit. Die Rede ist von Nachtfaltern. Die oft ungeahnten Schönheiten sind hierzulande mit 3.300 Arten vertreten und machen damit mehr als 95 Prozent der heimischen Schmetterlingsarten aus. Ein ausgesprochener Experte auf dem Gebiet der Schmetterlingskunde ist Lothar Blödow, der seit 2009 den Bestand der Nachtfalter in Herne im Blick hat.
Seit über zehn Jahren baut Blödow an ausgewählten Standorten in Bochum und Herne in lauen Sommernächten seine Fangzelte auf. Mit Hilfe von UV-Licht lockt er dann die Nachtfalter an, um ihren Bestand zu erfassen. Auch im vergangenen Jahr untersuchte er so für die Biologische Station Östliches Ruhrgebiet an je vier Abenden einen Standort im Außenbereich der Akademie Mont-Cenis und an der Kastanienallee. Es geht bei der Auswahl der Standorte beispielsweise darum, dass ein Gebiet als Naturschutzgebiet bewertet werden soll.

Schmetterlingskundler Lothar Blödow am Haus der Natur.

Alle fotografierten Exemlare werden digital archiviert.

Nachts unterwegs: Artenbestimmung mit einer Lichtfalle in Herne.
Bedeutung für Singvögel
„Schmetterlinge haben unterschiedliche Bedürfnisse an den Lebensraum und die Ernährung, und wenn man gar nicht weiß, was vorkommt, dann weiß man auch nicht, worauf es ankommt, um die Artenvielfalt zu erhalten“, begründet der Schmetterlingsexperte die Wichtigkeit der Erfassung. So brauchen Larven mancher Arten beispielsweise nur Brennnesseln oder andere heimische Wildkräuter. Er betont außerdem ihre Bedeutung für das Ökosystem: „Ohne die Nachtfalter gibt es bald auch keine Singvögel.“ Denn diese ernähren sich größtenteils von ihren Raupen. Zudem sind weitere Tierarten wie Fledermäuse oder Schlupfwespen auf die Nachtfalter, die auch als Bestäuber fungieren, angewiesen. „Ich habe seit 2009 allein in Herne 750 verschiedene Arten gefunden“, berichtet der 73-jährige Rentner. Darunter waren auch seltene Arten wie der Dreifleck-Pappelspanner oder der Russische Bär, der in unseren Breitengraden eigentlich nicht vorkommt. Im vergangenen Jahr zählte er pro Abend etwa 20 bis 60 Arten im Netz. Sein Rekord im Garten der Biologischen Station in Herne liegt bei etwa 90 Arten, die er in einer Nacht erfassen konnte. „Die meisten Arten kenne ich“, so Blödow, der gelernter Radio- und Fernsehtechniker ist. Weil er sich jedoch schon immer für Schmetterlinge interessiert hat, versuchte er diese anhand von Büchern zu bestimmen und sammelte so über die Jahre ein erstaunliches Expertenwissen. Falls er eine Art mal nicht zuordnen kann, macht er vor Ort ein Foto und bestimmt sie nachträglich mit Hilfe von Fachliteratur. Bilder werden auch von besonders schönen oder seltenen Exemplaren erstellt. Grundsätzlich werden alle Falter wieder in die Freiheit entlassen.
„Ohne die Nachtfalter gibt es bald auch keine Singvögel.“

Bildunterschrift
Besser nicht mähen
„Auffällig ist, dass die individuelle Zahl bei den häufigen Arten weniger geworden ist“, erläutert Blödow ein Ergebnis seiner Zählungen und bestätigt damit den allgemeinen Trend des Insektensterbens. Von einer häufig vorkommenden Art wie der Janthina-Bandeule hatte er früher 15 oder 16 Exemplare im Netz, 2023 waren es nur noch fünf. Dabei könne eigentlich jeder Gartenbesitzer etwas zum Schutz der Nachtfalter tun. „Es nutzt schon, wenn ich bei der Rasenpflege die Schnitthöhe hochsetze“, empfiehlt er. Auch helfe es vielen Arten, wenn in einem kleinen Teil des Gartens nicht gemäht wird und heimische Wildpflanzen wie Brennnesseln oder das Wiesenschaumkraut wachsen können. Da einige Arten beispielsweise an Altgras oder Stauden überwintern, sollte man diese zur kalten Jahreszeit nicht zurückschneiden.