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Skulpturen aus Stahl und Glas

Ausstellung "Konstruktion Zeichen Erzählung" in den Flottmann-Hallen

Petra Ellert und Hans Joachim Albrecht vor zwei von ihren Skulpturen in den Flottmann-Hallen. © Horst Martens Petra Ellert und Hans Joachim Albrecht vor zwei von ihren Skulpturen in den Flottmann-Hallen. © Horst Martens

Die Flottmann-Hallen zeigen in der Ausstellung “Konstruktion Zeichen Erzählung” Skulpturen aus Glas und Stahl von Hans-Joachim Albrecht und Petra Ellert. Trotz der gegensätzlichen Materialien – harter Stahl, weiches Papier – zeigen die Kunstwerke Gemeinsamkeiten auf: Sie bilden Figuren ab.

Vom “Flasher” zur “Pietá”

Petra Ellert arbeitet mit Papier und formt daraus Köpfe und Figuren. Nicht Schere oder scharfe Messer sind ihre Werkzeuge, sondern ihre bloßen Hände: Sie reißt das Papier, legt es in mehreren Schichten übereinander, so dass daraus Reliefs und dreidimensionale Gebilde entstehen, die aus dem Hintergrund hervorzutreten scheinen. Beim “Flasher” ist dadurch ein lebensgroßer Mann entstanden. Bei der “Pieta” ein überdimensionales Kunstwerk, das sich an klassische Vorbilder anlehnt, aber einen ganz anderen Eindruck hinterlässt. Im Mittelpunkt eines Kreises aus Trauernden: Der tote Christus, der aus dem Schoss der Maria gerissen ist. Sie besteht aus zahlreichen Einzelteilen. Zwei Tage benötigte Ellert, um die “Pietá” in den Flottmann-Hallen aufzubauen.

Die Aufgabe des Entzifferns

  • Petra Ellert mit interessierten Journalisten vor ihrem Ikonen-Tableau. © Horst Martens

Hans Joachim Albrecht hingegen hat sich der Stahlskulptur verschrieben. Seine Figuren bestehen aus ähnlich zugeschnittenen Teilen, die aber immer wieder auf andere Weise zugeordnet werden. “Im Grunde genommen ist es eine Puzzlearbeit”, unterstreich Albrecht. “Die Besucher müssen meine Arbeiten entziffern”, sagt er. Die Aufgabe des Entzifferns überlässt er nicht unbedingt dem Betrachtenden, sondern er selbst erklärt präzise, welche körperlichen Gliedmaßen die Formen darstellen. Seine Skulpturen erzählen auch Geschichten, allerdings kann diese nur der Schöpfer erzählen, also Albrecht selbst: Zum Beispiel von dem Toten eines Lawinenunglücks, der die helfende Hand nicht mehr ergreifen kann. Albrecht, Jahrgang 1938, begann sich der Bildhauerei in einer Zeit zu widmen, als Skulpturen durch das Dritte Reich in Misskredit gebracht worden waren und Künstler vorwiegend Abstraktes schufen. Er sei einer der wenigen Studenten gewesen, der mit Figuren gearbeitet habe. Der Künstler wurde Hochschullehrer, eine seiner Studentinnen war Petra Ellert.

Hintergründe

Kuratorin Jutta Laurinat hatte sich an Petra Ellert gewandt, um sie für eine Ausstellung in den Flottmann-Hallen zu gewinnen. Als sie gefragt wurde, welchen Ausstellungspartner sie sich wünsche, nannte sie Hans Joachim Albrecht, ihren ehemaligen Lehrer. Und als Betrachter bewundert man, wie sich die Arbeiten ergänzen. Petra Ellert stellt im Übrigen nicht zum ersten Mal in den Flottmann-Hallen aus. In den 90-ern war sie in einer Ausstellung aus der Serie “Papier” beteiligt, vom damaligen Museumsdirektor Dr. Alexander von Knorre kuratiert. Von Knorre führt auch am Samstag, 1. April, um 17 Uhr in die Ausstellung ein. Er lebt derzeit in Lüneburg, wo er sich als Deutschbalte für das Ostpreußische Landesmuseum engagiert.

Horst Martens

Ausstellung

“Konstruktion Zeichen Erzählung” / Skulpturen aus Stahl und Papier / mit Hans Joachim Albrecht und Petra Ellert

vom 1. April bis 28. Mai 2017

Eröffnung: Dr. Alexander von Knorre

Öffnungszeiten: Di-So 14-18 Uhr

www.flottmann-hallen.de