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Virenbekämpfer aus Wanne-Eickel

Andreas Lüning gründete weltweit aktive IT-Security Firma

Eingang zum abendlichen G-Data-Campus in Bochum. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne Eingang zum abendlichen G-Data-Campus in Bochum. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Ein Zufall sorgte dafür, dass eines der weltweit ersten Anti-Viren-Programme in Wanne-Eickel geschrieben wurde. „Wir waren zu viert und fanden die Computerei gut“, erinnert sich Andreas Lüning. „Man hat natürlich auch Computerspiele gespielt und eines funktionierte plötzlich nicht mehr. Da habe ich mir die Diskette angeschaut und es war ein Virus drauf. Der hat nichts Schlimmes gemacht, aber es war ein komisches Gefühl und ich wollte ihn loswerden.“ Also sah er sich alle 3,5-Zoll-Disketten aus seiner Diskettenbox an – und fand die Hälfte befallen vor.

  • Andreas Lüning im Gespräch mit inherne. ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Das erste Programm fand zwei Viren

Um den Virus loszuwerden, schrieb Lüning ein Programm, das den Virus identifizierte und löschte. Das war das erste Anti-Viren-Programm der G DATA Software AG, programmiert in Wanne-Eickel. Gemeinsam mit seinen drei Freunden hatte der damals 19-jährige Schüler 1985 eine kleine Firma gegründet, die allerlei Computerprogramme schrieb und verkaufte – von Kochrezepten über Datenbanken bis zur Steuerung eines Roboterarms. 1987 stellten sie ihr Anti-Viren-Kit erstmals auf einer Fachmesse vor und verkauften es für 99 DM. 20 Atari-Viren konnte es finden und beseitigen. Zehn Jahre später fand die Nachfolgeversion schon 11.000 PC-Viren und heute kommen so schnell neue Entdeckungen hinzu, dass die Zahl permanent steigt.”Viele Viren in den 1990ern waren unschön und haben Blödsinn gemacht, aber sie waren im Vergleich zu den heutigen Viren Spielzeug. Zum Beispiel haben sie Buchstaben vom Bildschirm rieseln oder einen Ambulanzwagen durchs Bild fahren lassen“, erklärt Lüning. Die ersten Exemplare verbreiteten sich über infizierte Disketten. Heute verbreiten sich Viren rasend schnell über das Internet, verschlüsseln Daten, um Nutzer zu erpressen, stehlen Daten und Identitäten oder nutzen Rechenkapazitäten von Computern und Servern.

Von Bochum und Manila aus

500 Mitarbeiter weltweit arbeiten inzwischen für G DATA, rund 380 in Bochum, die übrigen in verschiedenen Vertriebsbüros in Europa, in China sowie in Manila auf den Philippinen. Rund um die Uhr betreut das Unternehmen nun Kunden weltweit. 600.000 bis 800.000 Dateien und Fragmente werden täglich automatisch von verschiedenen Analyse-Systemen durchleuchtet. Die meisten Angriffe auf IT-Systeme blockt die Anti-Viren-Software ab. Ist das IT-System eines Unternehmens doch einmal befallen, rücken die Experten aus und begrenzen den Schaden.

Erfolg ohne Business-Plan

„Mit diesem Erfolg rechnet man nicht. Man ist mit Nerds unterwegs und programmiert. Vom heutigen Standpunkt betrachtet, sieht das alles geplant aus – war es aber nicht. Wir hatten keinen Businessplan und kaum Startkapital.“ Lünings Mitgesellschafter Kai Figge brachte seinen pensionierten Vater für die Buchhaltung mit. Lüning selbst versuchte sich parallel zum Programmieren sechs Semester lang an einem Mathematik-Studium in Bochum, konzentrierte sich aber bald nur noch auf G DATA. „Wann ist man erwachsen? Mit sechzehn, wenn man schon vieles darf? Mit achtzehn, wenn man volljährig ist? Wenn man den Führerschein hat? Oder sein eigenes Geld verdient? Selbst Familie hat? So ist das mit der Firma auch: Vieles ist organisch gewachsen, hat sich entwickelt“, so Lüning. Inzwischen ist er einer der beiden Geschäftsführer, der G DATA-Campus an der Königsallee in Bochum besteht aus mehreren denkmalgeschützten Gebäuden.

Herne ist die eigene Scholle

Trotz großem Erfolg ist Lüning bodenständig geblieben. Mit seiner Frau Jessika und dem gemeinsamen 18-jährigen Sohn lebt er in Holthausen, denn „Herne ist meine Heimatstadt, ich kenne jede Ecke. Das ist die eigene Scholle. Ich kenne und verstehe die Leute hier und kann mich gesellschaftlich einbringen. Außerdem verstehe ich wie der Ruhrgebietler tickt und kann meine Mitarbeiter so fördern.“ Der Weg zur Firma ist außerdem nicht weit. Dennoch versteht sich die Familie Lüning nicht als Herner oder Wanner, sondern als Menschen, die im mittleren Ruhrgebiet ansässig sind. „Wir sehen es als eine große Stadt mit unglaublich vielen Angeboten und interessanten Orten. “ Obwohl er immer wieder auch in anderen Städten ausgeht, geht Lüning gerne mit seiner Familie in die Künstlerzeche und die Kulturbrauerei in Herne.

Achterbahn- und Crange-Fan

Seine Frau kennt Andreas Lüning seit Kindertagen, sie ist die kleine Schwester eines Schulkameraden. 1999 heirateten sie, wohnten zuerst an der Hauptstraße, bevor sie in eine der ländlichsten Ecken Hernes zogen. „Plötzlich hatten wir Kühe vor der Haustür. Es war sehr schön, mit unserem kleinen Kind im Kinderwagen über Land zu fahren“, findet Lüning. Zeit mit der Familie zu verbringen ist ihm immer noch wichtig – inzwischen fährt er mit seinem Sohn nicht mehr Kinderwagen, sondern Achterbahn. Alle aus der Familie Lüning sind Achterbahn-Fans: Mit der Wilden Maus auf Crange fing es an, seit Jahren geht es in verschiedene Freizeitparks in Europa, am liebsten in den Europapark Rust oder nach London, „unseren Lieblingsort, wir kennen jede Ecke dort.“ Und natürlich nach Crange. „Meine Frau macht alle elf Tage durch, ich schaffe vielleicht acht Tage. Wir fahren Achterbahn, Wasserbahn, Höllenblitz, aber keine Karussells. Und seit ich Achterbahn fahre, wird mir im Flugzeug auch bei Turbulenzen nicht mehr schlecht“, verrät der bekennende Kirmes-Fan.

Nina-Maria Haupt