Vom Ringlicht ins Rampenlicht

4. Januar 2026 | Ausgabe 2026/1

Streamerin Rosemondy erobert von Herne aus nicht nur die digitale Welt

Als sie als Kind aus Syrien nach Herne geflüchtet ist, war ihr Weg alles andere als vorgezeichnet – oder leicht. Heute kennen sie Hunderttausende unter ihrem Künstlernamen Rosemondy. Mit über einer Viertelmillion Follower*innen allein auf Twitch und dem frisch verliehenen Titel „Newcomerin des Jahres“ bei den StreamAwards 2025 gehört die Hernerin mittlerweile zur Spitze der deutschen Streamingszene. Im Januar konnte sie ihren Erfolg bei den Miss Germany Awards mit ihrem Einzug in die Top 12 als „Female Mover“ krönen, also als erfolgreiche und inspirierende Frau in einer männerdominierten Branche: Gerade einmal fünf der bekanntesten 50 Streamer*innen in Deutschland sind weiblich. Ein Interview mit einer jungen Frau über ihre Mission, anderen Frauen und Mädchen Mut zu schenken.

Auf Erfolgsspur: Twitch-Streamerin Rosemondy aus Herne ist „Newcomerin des Jahres“ bei den StreamAwards 2025 und „Miss Germany 2026“

inherne: Bei dir ist in den letzten Monaten so viel passiert. Gab es diesen einen Moment, in dem du realisiert hast, dass du gerade zu einer der bekanntesten Stimmen im deutschen Streaming wirst?

Rosemondy: Der Moment, als ich den StreamAward auf der Bühne entgegengenommen habe, war schon ein wenig surreal. Ich weiß nur noch, dass ich mir gedacht habe: ‚Wahnsinn, wie viele Leute mir gerade zuschauen‘. Das ist was vollkommen anderes, als von zuhause aus zu streamen.

inherne: Spürst du eine besondere Verantwortung deinen Fans gegenüber?

Rosemondy: Absolut! Deshalb war es mir auch wichtig, die Preisverleihung für etwas Gutes zu nutzen. Mehr als nur ‚Danke‘ zu sagen. Also habe ich für die Frauen gesprochen, die auch streamen, und für all diejenigen, die sich täglich anhören müssen, dass sie weniger können, weil sie Frauen sind. Meine Botschaft war und ist: ‚Danke, dass ihr euch traut!‘ Dafür stehe ich auch bei Miss Germany ein.

inherne: Was sind denn deine Herzensthemen?

Rosemondy: Mein Engagement gegen Sexismus und Rassismus. Solche Erfahrungen sind leider für mich Alltag, denn ich bin eine Frau, die nicht aus Deutschland kommt. Seitdem ich ein Kind bin, wohne ich in Herne. Am Gysenberg-Park bin ich groß geworden, verbinde ihn noch heute mit meiner Kindheit. Trotzdem machen sich viele über meinen Sprachfehler lustig und verbinden ihn mit meiner Herkunft, weil sie denken, ich habe nicht richtig Deutsch gelernt. Schwarze Haare, schwarze Augen – allein mein Äußeres provoziert viele. Dazu kommen dann noch die Vorurteile, mit denen jede Frau konfrontiert wird, dass man nicht lustig sein oder unterhalten könne. Deshalb möchte ich anderen Betroffenen Mut machen und junge Frauen inspirieren.

„Meine Botschaft war und ist: ‚Danke, dass ihr euch traut!‘“

„Miss Germany ist längst kein oberflächlicher Schönheitswettbewerb mehr.“

inherne: Hast du dich schon immer dafür eingesetzt?

Rosemondy: Das ist erst letztes Jahr so gekommen, obwohl ich schon seit rund fünf Jahren streame. Vor allem, seit ich bei Miss Germany mitmache, weil ich dort durch die Workshops gelernt habe, wie man solche Themen in die Öffentlichkeit trägt, wie man für sich einsteht und wie man gegen Vorurteile arbeitet. Miss Germany ist längst kein oberflächlicher Schönheitswettbewerb mehr.

inherne: Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass du jetzt Streamerin bist?

Rosemondy: Eigentlich hatte ich einen Kosmetiksalon in Herne in der Nähe vom Hölkeskampring. Den habe ich Ende 2019 nach meinem Abitur mit meinem ganzen Ersparten eröffnet und musste ihn dann leider wegen Corona schließen. Es begann für mich eine schlimme Zeit, in der ich depressiv zuhause beim Zocken meine Zeit abgesessen habe. Um das irgendwie produktiv zu gestalten, habe ich ab einem Punkt einfach immer die Kamera angemacht. Was dabei herumkommt, konnte ich zu disem Zeitpunkt natürlich nicht erahnen. Ich habe damit einfach so aus Leidenschaft, aus Spaß und zur Ablenkung angefangen. Und mittlerweile ist es mein Hauptberuf.

inherne: Kannst du kurz erklären, was Twitch überhaupt ist?

Rosemondy: Man kann sich Twitch ein wenig vorstellen wie Live-Fernsehen, nur viel persönlicher. Ich habe da mit „Rosemondy“ meinen eigenen Kanal, so wie RTL oder ZDF. Und ich bin quasi der Moderator. Das Coole an Twitch ist der Chatbereich, den das Fernsehen nicht hat. So kann man mir direkt sagen: ‚Hey, das ist lustig gewesen!‘ und auch untereinander eine Community aufbauen. Auf Twitch spiele ich Verschiedenes, aber quatsche auch gerne mit meiner Community, male oder nehme die Leute mit in meine Küche.

inherne: In deinem Lebenslauf war Selbstständigkeit schon immer Thema. War das dein Traum?

Rosemondy: Meine Erkenntnis aus meinen Praktika während der Schulzeit war: Ich möchte niemals mein ganzes Leben für jemanden arbeiten, der dann schlecht mit mir umgeht. Deshalb wollte ich mich selbstständig machen. Dieser Schritt kostete mich aber schon sehr viel Mut. Irgendwo angestellt zu sein, ist ein sicherer Job. Du brauchst keine Angst zu haben, dass du von jetzt auf gleich kein Geld mehr bekommst. Wenn ich ausfalle, dann habe ich Pech. Das sind die Risiken in der Selbstständigkeit. Und so ist es dann ja auch gekommen mit Corona.

inherne: Was hast du aus dieser Erfahrung mitgenommen?

Rosemondy: Wenn man scheitert, ist das Wichtigste, dass man sich nicht aus der Bahn werfen lässt. Ich hätte ja auch einfach aufgeben können. Habe ich aber nicht. Und jetzt habe ich einen solchen Erfolg im Internet. Ganz klischeehaft würde ich also sagen: ‚Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.‘ Wenn etwas nicht beim ersten Mal klappt, dann beim zweiten oder dritten oder vierten Mal. Irgendeine Tür öffnet sich immer.

inherne: Diese Einstellung zeigt sich ja auch bei deiner aktuellen Teilnahme bei Miss Germany…

Rosemondy: Genau. Vor zwei Jahren war ich schon einmal dabei, musste aber krankheitsbedingt in den Top 20 aufhören. Und seitdem habe ich mich immer gefragt, welchen Platz ich denn bekommen hätte, wenn ich weitergemacht hätte. Das finde ich jetzt in meinem zweiten Anlauf heraus.

Wer wissen möchte, ob die Jury Rosemondy zur Siegerin macht, kann das Finale von Miss Germany live als Teil der Dokuserie „Road to Miss Germany“ am Samstag, 7. März 2026, ab 20:15 Uhr auf sixx oder Joyn sehen. Unsere Daumen sind gedrückt!

Update:
Mittlerweile steht fest: Rosemondy ist die offizielle „Miss Germany 2026“! Die Hernerin überzeugte am Abend der Verleihung in der letzten Runde Publikum und Jury mit einer emotionalen Rede und setzte sich so im Finale gegen acht weitere Kandidatinnen durch. Die inherne-Redaktion gratuliert herzlich zu diesem Erfolg.

Insgesamt hatten sich nach Angaben des Veranstalters Miss Germany Studios rund 2.600 Frauen für den Titel beworben. Das Finale und die gesamte Dokuserie „Road to Miss Germany“ stehen kostenlos bei Joyn zum Nachschauen zur Verfügung.

„Wenn man scheitert, ist das Wichtigste, dass man sich nicht aus der Bahn werfen lässt. Ich hätte ja auch einfach aufgeben können. Habe ich aber nicht.“

Interview: Rebecca Corrent     Fotos: Julian Ebinal, Sebastian Pociecha