Von Blaufelden-Wiesenbach ins Ruhrgebiet

31. März 2026 | Ausgabe 2026/2

Süddeutscher Unternehmer fühlt sich auch in Herne wohl

Wenn ein seit über 150 Jahren in Süddeutschland ansässiges Bauunternehmen expandiert, ist das in Herne eigentlich keine Nachricht wert. Im Falle der Bauunternehmung Rudolf Steinbrenner GmbH & Co. KG sieht die Sache aber anders aus: Die vor rund zehn Jahren gegründete Herner Niederlassung hat sich zu einem echten Erfolgsmodell entwickelt.

Maßgeblichen Anteil daran hat Diplom- Ingenieur (FH) Martin Steinbrenner (MBA), der seit Frühjahr 2015 im elterlichen Bauunternehmen arbeitet und heute 175 Mitarbeitende, davon 25 in Herne, beschäftigt. Seine Verbundenheit zum Ruhrgebiet entstand während seiner Masterarbeit. Anschließend arbeitete er fünf Jahre als Betriebsingenieur und Projektleiter bei einem großen Fernleitungsnetzbetreiber für Gas- und Wasserstoff in Essen. „Damals habe ich mich in der Region sehr wohlgefühlt und die Menschen ebenso schätzen gelernt wie die Zechen, Industriedenkmäler und das viele Grün dazwischen.“

Jürgen Pinske und Martin Steinbrenner in der Werkshalle.

Familientradition
Irgendwann stellte sein Vater die wirtschaft Von Blaufelden-Wiesenbach ins Ruhrgebiet Süddeutscher Unternehmer fühlt sich auch in Herne wohl Text und Fotos: Philipp Stark Frage, wie es mit dem Familienunternehmen weitergehen solle. „Eigentlich wollte ich die Familientradition von Anfang an fortführen. Meine Arbeit im Ruhrgebiet hat mir allerdings viel Spaß gemacht und ich konnte mir durchaus vorstellen, diesen Weg weiterzugehen. Als dann aber eine endgültige Entscheidung anstand, habe ich gekündigt und bin nach Wiesenbach zurückgegangen. Dort musste ich mir natürlich eine passende Aufgabe suchen.“

Gute Kontakte in die Branche
So entstand die Idee, den Schwerpunkt Gashochdruckleitungen – später ergänzt um den Bereich Wasserstoff – weiter auszubauen. Das Ruhrgebiet bot sich dafür an. Gute Kontakte, insbesondere zu Projekt- und Bauleitern aus der Region, führten schließlich zur Gründung einer Niederlassung in Herne, die heute von Enrico Pinske (und bis 2025 von Jürgen Pinske) geführt wird. „An das Gelände in Herne sind wir mehr oder weniger durch Zufall geraten. Mit dem Standort und der Entscheidung für Herne sind wir aber bis heute sehr glücklich. Die Lage direkt an der Autobahn und neben den Gleisen überdeckt unsere Arbeitsgeräusche, sodass wir ein gutes Verhältnis zu den Anwohnern haben.“

„Mit dem Standort und der Entscheidung für Herne sind wir bis heute sehr glücklich.“

„Herne ist für mich immer eine andere Welt, weil die Menschen bei uns im ländlich geprägten Raum deutlich zurückhaltender und konservativer sind.“

Nische mit Potenzial
In Herne hat sich das Unternehmen auf Gashochdruck- und Wasserstoffleitungen sowie den erdverlegten Leitungsbau spezialisiert. „Natürlich war der Anfang schwierig. Wir mussten uns zunächst einen Namen machen. Über kleinere Maßnahmen und einzelne Aufträge sind wir dann kontinuierlich gewachsen. Heute erwirtschaften wir im Energiesektor annähernd die Hälfte des Unternehmensumsatzes. Die Arbeit in diesem Bereich ist sehr anspruchsvoll. Sie erfordert höchste Präzision, hervorragend ausgebildete Fachkräfte und hohe Sicherheitsstandards. Genau mit diesen Stärken haben wir uns in den vergangenen zehn Jahren einen guten Namen gemacht. Darauf sind wir stolz.“ Deshalb kommt Martin Steinbrenner bis heute gerne nach Herne. „Es ist für mich immer eine andere Welt, weil die Menschen bei uns im ländlich geprägten Raum deutlich zurückhaltender und konservativer sind. Im Ruhrgebiet spricht man Probleme dagegen meist viel direkter an. Da weiß man sofort, wo man dran ist.“

Grundstück gesucht
Der Unternehmer berichtet aber auch von aktuellen Herausforderungen: „Unser Wachstum hat dazu geführt, dass uns am Standort langsam der Platz ausgeht. Anfangs war das Gelände an der Ziegelei 88 vollkommen ausreichend. Vor etwa fünf Jahren konnten wir zusätzlich ein Grundstück des Grünflächenamtes erwerben. Das hat einige Zeit gereicht, inzwischen sind wir aber an dem Punkt, an dem Tief- und Rohrbau an einem Standort nicht mehr optimal funktionieren. Deshalb suchen wir nach einer Erweiterungsmöglichkeit – am liebsten natürlich in Herne, auch weil viele unserer Mitarbeitenden in der Nähe wohnen.“

Personal gesucht
Gesucht werden derzeit auch qualifizierte Fachkräfte in den Bereichen Projekt- und Bauleitung, Rohrleitungsbau und Tiefbau.

Text und Fotos: Philipp Stark