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Von Transsilvanien in den Ruhestand

Dr. Dagmar Goch im Gespräch

Am 1. September feiert Dr. Dagmar Goch ihren 66. Geburtstag. Es soll Menschen geben, bei denen fängt das Leben erst mit 66 an. Bei Frau Dr. Goch trifft der Song von Udo Jürgens sicherlich nicht zu. Die ehemalige Dezernentin der Stadt Herne kann schon heute auf eine beeindruckende Biografie zurückblicken.

Im September wird ein weiteres wichtiges Ereignis hinzukommen, allerdings ist damit nicht der Geburtstag gemeint. Im Mittelpunkt steht dann vielmehr der 15. September. An diesem Tag wird nicht nur in Herne, sondern auch in Hattingen ein neues Stadtoberhaupt gewählt. Und da die ehemalige Stadträtin der Herner Stadtverwaltung nicht für eine dritte Amtszeit kandidiert, werden sich auch das Leben und der Alltag nach der Amtsübergabe grundlegend im Hause Goch verändern. Da stellt sich die Frage: Was macht die heutige Bürgermeisterin der Stadt Hattingen eigentlich am 21. Oktober, dem ersten Tag, an dem sie nicht mehr in ihrem Büro im ersten Stock des historischen Rathauses erwartet wird?

  • Zu Besuch bei der ersten Frau von hattingen.©Thomas Schmidt, Stadt Herne

„Da mache ich mir jetzt noch keine Gedanken”

„Das lasse ich alles auf mich zukommen, da mache ich mir jetzt noch keine Gedanken”, erklärt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern, die sich noch sehr gut an die Zeit in Herne erinnert. Von 1992 bis 2004 war sie Beigeordnete. Anfangs für Kultur, Schule, Sport – später kam noch die Feuerwehr hinzu. „Es war eine spannende Zeit mit einigen Veränderungen”, sagt die Vorgängerin von Gudrun Thierhoff, die an der Ruhr-Universität Bochum Deutsch und Englisch studierte. Es war die Zeit, als 1994 die Doppelspitze, bestehend aus ehrenamtlichen Oberbürgermeister und Oberstadtdirektor, durch einen hauptamtlichen Oberbürgermeister ersetzt wurde. Auch die Ablösung der Ämter durch Fachbereiche erlebte sie hautnah mit. „Diese Erfahrung hat mir auch in Hattingen weiter geholfen”, betont die 65-Jährige. Denn als sie 2004 in der zweitgrößten Stadt des Ennepe-Ruhr-Kreises zur neuen Bürgermeisterin gewählt wurde, gab es dort noch die Ämterstruktur. Doch nicht mehr lange. Dr. Goch forcierte das Tempo der Verwaltungsreform. „In Herne dauerte mir dieser Prozess etwas zu lange”, gesteht die promovierte Lehrerin. „Hier wurde die Verschlankung der Verwaltung in einem Jahr umgesetzt. Aus 25 Ämtern sind 14 Fachbereiche geworden.” Allerdings sind die Standorte – ähnlich wie in Herne – weit aufs Stadtgebiet verteilt. Die Einwohnerzahl ist zwar mit etwa 56.000 Einwohnern etwas überschaubarer, das heißt aber nicht, dass das auch für die Probleme gilt.

Ob Herne oder Hattingen – die Verschuldung ist enorm

Hattingen gehörte zu den 34 Städten der sog. ersten Stufe des Stärkungspaktes, weil die Gemeinde akut überschuldet war. Der Niedergang der Henrichshütte traf den Arbeitsmarkt in Hattingen in den 80er und 90er Jahren mindestens so hart wie die Zechenschließungen in Herne. Am 23. Februar stand Dr. Goch in Berlin vor dem Reichstagsgebäude und forderte gemeinsam mit 50 weiteren Vertretern überschuldeter Gemeinden finanzielle Unterstützung ein. Natürlich blieb hier auch Zeit für ein kurzes  Gespräch mit OB Schiereck, der sich gemeinsam mit Kämmerer Dr. Hans Werner Klee ebenfalls für die Aktion „Für die Würde unserer Städte” in Berlin stark machte. Die Kontakte zu Herne rissen aber auch nie so wirklich ab. Regelmäßig ist Dr. Goch zum Beispiel in den Flottmann- Hallen anzutreffen. Auch im Lago zieht die Bürgermeisterin hin und wieder ihre Runden. Als Dezernentin für Sport fiel auch der Bau des Wananas und des Südpools in ihre Amtszeit. Die damit verbundene Aufgabe der beiden Freibäder waren in der Bürgerschaft nicht unumstritten. „Die Menschen haben da schon Emotionen gezeigt. Ein Mann sagte mir, sie können das Freibad doch nicht schließen, da habe ich doch zum ersten Mal meine Frau geküsst”, erinnert sich Dr. Goch zurück. Stammgast ist sie noch heute im Mondpalast. „Ich glaube nicht, dass ich ein Stück verpasst habe. Zu jeder Premiere bekomme ich noch eine Einladung”, freut sie sich über die Erfolgsgeschichte des Volkstheaters. Eine Geschichte, die eigentlich in Gelsenkirchen geschrieben werden sollte. Denn dort hatte Christian Stratmann ursprünglich sein Vorhaben umsetzen wollen. Doch die damalige Kulturdezernentin ließ nicht locker und machte dem Prinzipal den städtischen Saalbau schmackhaft.

Im kommenden Sommer fährt sie mit dem Rad durch Transsilvanien

Die rund 30 Kilometer vom Rathaus in Hattingen bis zur Wilhelmstraße in Wanne könnte Dr. Goch locker mit dem Fahrrad zurücklegen. Denn neben dem Lesen und dem Besuch von Kulturveranstaltungen ist das Radfahren ein beliebtes Hobby der  ebürtigen Dinslakenerin. Vielleicht wäre es auch eine gute Trainingseinheit für den nächsten Urlaub. Denn nachdem es im vergangenen Jahr mit dem Rad durch Südböhmen ging, steht in diesem Sommer eine ganz abenteuerliche Route auf dem Ferienprogramm. „Wir unternehmen eine Radtour durch Transsilvanien, da freuen wir uns schon drauf, das wir spannend.” Wie gesagt, man muss nicht erst 66 Jahre alt werden, um mit dem Leben zu beginnen …