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Vor 25 Jahren starb Jürgen von Manger

Das vermutlich letzte Interview mit dem Schöpfer von Adolf Tegtmeier

Jürgen von Manger in seiner Wohnung in Herne. ©Pressebüro der Stadt Herne Jürgen von Manger in seiner Wohnung in Herne. ©Pressebüro der Stadt Herne

Vor 25 Jahren starb Jürgen von Manger. Der “Wegbereiter der Comedy” und “Vater des Ruhrgebiet-Kabaretts” ist der Schöpfer des legendären “Adolf Tegtmeier”. Von Manger lebte in Herne. Ihm zu Ehren hat die Stadt 1997 den “Wettbewerb für Bühnenoriginale” ins Leben gerufen. Im März 1993 führte Horst Martens vom Pressebüro der Stadt Herne das vermutlich letzte Interview mit dem Künstler. Nach einem Schlaganfall trat er in der Öffentlichkeit nur noch selten auf.

Hier das Original-Interview von 1993

Ein Original des Reviers wird 70 / Apil 1993

Adolf Tegtmeier und sein Schöpfer Jürgen von Manger sind im Ruhrgebiet wohl jedem ein Begriff. Jürgen von Mangers „Ährlich” oder „Bleiben se Mensch” sind unverwechselbar mit dem Revier verbunden. Der Herner „Humorist” feierte jetzt seinen 70. Geburtstag. Wir unterhielten uns mit ihm und seiner Frau Ruth über alte Zeiten und neue Gegebenheiten.

Frage: Herzlichen Glückwunsch zum 70. Geburtstag. Wie war die Feier?

Jürgen von Manger: Wunderbar, eine einmalige Gelegenheit, mit vielen netten Leuten über alte Geschichten zu plaudern. Zunächst wollten wir nur mit vier oder fünf Freunden feiern. Der Kreis wurde immer größer – bis er schließlich auf 90 Personen anwuchs. Aber man wird ja nur einmal 70. – Aus dem Feiern kamen wir dann nicht mehr raus, denn Oberbürgermeister Pohlmann beging ja zwei Tage später seinen 65. Geburtstag.

Frage: Wie der Tegtmeier-Fan weiß, stammen Sie aus Koblenz und haben unter anderem in Hagen, Bochum und Gelsenkirchen Theater gespielt. Wie hat es sie nach Herne verschlagen?

Jürgen von Manger: Nun, meine Frau hatte ein Geschäft in Bochum, ich spielte in Gelsenkirchen, und wir brauchten ein richtiges Zuhause. Meine Frau hat sich viele Häuser angeschaut, was ihr großen Spaß machte. Dann kam der Makler mit einem Angebot aus Herne. Das Haus war klein und fein und lag abseits vom Verkehrslärm. Spontan haben wir uns entschieden: Das ist es.

Ruth und Jürgen von Manger in ihrer Wohnung. ©Richard Kopitzko, Stadt Herne.

Ruth und Jürgen von Manger in ihrer Wohnung. ©Richard Kopitzko, Stadt Herne.

Ruth von Manger: In 28 Jahren haben wir Herne lieben gelernt und nie bedauert, von Gelsenkirchen hierhin gezogen zu sein.

Frage: Wie sind Sie als gebürtiger Koblenzer auf den Tegtmeier gekommen?

rgen von Manger: Als 14jähriger habe ich mich oft auf den Märkten rumgetrieben und den Marktschreiern aufs Maul geschaut. Das waren Typen, die dem Tegtmeier glichen. Leider habe ich bei ihren rhetorischen Glanzstücken an den falschen Stellen gelacht, so daß die Verkäufer, die mich schon kannten, schrieen: Manger, hau ab!

Frage: Und wie hat sich diese Figur zur Reife entwickelt?

Jürgen von Manger: Beim WDR in Köln machte ich Schulfunk. In der Pause gab ich in der Kantine meine Geschichten zum Besten, bis schließ-lich einmal ein Tontechniker heimlich den Aufnahmeknopf drückte und den Mitschnitt weitergab. Zu Silvester 1961/62 ging die Geschichte auf Sendung und schlug voll ein. Von da an ging’s Schlag auf Schlag.

Frage: Und Sie, Frau von Manger, bekamen ihren Mann recht selten zu Gesicht?

Ruth von Manger: Eigentlich wohnen wir erst acht Jahre in Herne zusammen. Vorher, sage ich immer scherzhaft, hat mein Mann hier nur übernachtet. Aber auf größeren Reisen für Produktionen, die in Bangkok, Taiwan oder Südamerika spielten, habe ich den Jürgen meistens begleitet. Tokio bleibt mir unvergessen. Bei dem Massenandrang in den Straßen hatte ich Angst, meinen Mann zu verlieren. Aber die Bedenken waren unbegründet. Wenn ich ihn mal aus den Augen verlor, dann nur für einige Minuten. Er ragte immer um einen Meter aus der Menschenmenge hervor und ich sah ihn schon von ferne.

Frage: Gibt es unter Ihren Bewunderern eigentlich den notorischen Tegtmeier-Fan?

Jürgen von Manger: An zwei von ihnen erinnere ich mich besonders gern, an Horst und Dieter. Die damals 14jährigen Jungs radelten von Ostfriesland, wo sie wohnten, bis nach Stuttgart, um bei meinen Auftritten dabei zu sein. Heute, beide sind gestandene Männer, überraschen sie mich oft mit originellen Geburtstagsgeschenken. Außerdem fällt mir ein Besuch in einem Restaurant ein, in dem ich seit längerem nicht gewesen war. Der Kellner kam und sagte: Vor 20 Jahren haben Sie uns zum letzten Mal beehrt. Er nannte mir die Marke und den Jahrgang des Weines, den ich damals getrunken hatte.

Ruth von Manger: Gerade eben erhielt ich einen Anruf von einer Frau aus dem Schwarzwald. Vor 25 Jahren arbeitete sie als Verkäuferin in einem Hemer Geschäft. Mein Mann kaufte dort einmal eine Schale und seitdem sammelt sie alles, was von Jürgen von Manger auf dem Medienmarkt erschien.

Frage: Herr von Manger, Sie haben einen Schlaganfall erlitten, von dem Sie sich allmählich erholen. Wie gehen Sie damit um?

Jürgen von Manger: Manchmal ist es schwer. Ich suche nach einem Wort und es will mir nicht einfallen. Dann helfe ich mir mit einer Umschreibung. Zum Beispiel sage ich: Der Politiker mit den großen Ohren. Und jeder weiß, wer gemeint ist.

Frage: Und wie ist es um den Tegtmeier bestellt?

Jürgen von Manger: Die Kassetten mit Hörspielen sind heute schon zu einer Rarität geworden. Aber demnächst erscheint eine CD auf dem Markt. Und ansonsten genießen wir endlich ein ruhigeres Leben.

Ruth von Manger: Heute haben wir endlich Zeit füreinander: Für gemeinsame Besuche von Konzerten, Opern oder Ausstellungen.

Veranstaltungskalender der Stadt Herne, April 1993