Wanne feierte das Manifesta-Wochenende
Spannende Diskussionsrunden, beeindruckende Tanz-Darbietungen und ergreifende Lesungen. Am 18. und 19. September 2026 feierten die Menschen in Wanne das Programm der Manifesta16+ in der Christuskirche und rund um das Kirchengebäude auf der Hauptstraße. Die europäische Kulturbiennale „Manifesta“ ist noch bis Anfang Oktober zu Gast im Ruhrgebiet. Ein Teil des offiziellen Festprogramms fand unter dem Motto „Catch the light – build bridges“ nun in Herne statt.
Die Premiere des Tanztheaterprojekts „FREQUENCIES“ gehörte mit zu den Höhepunkten. Foto: Frank Dieper, Stadt Herne
Beim Eröffnungs-Talk am Freitagnachmittag trafen sich Hernes Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda, Prinzipal Christian Stratmann und Marvin Boettcher, Direktor des Mondpalasts und des RevuePalasts-Ruhr, um – moderiert von Michael Böhm von Herne.Business – über den aktuellen Stellenwert von Kultur und die Bedeutung der Manifesta für das Ruhrgebiet zu sprechen. Hernes Stadtoberhaupt sprach vom Wandel, der in der Region noch immer allgegenwärtig ist. „Wir verlieren viele Orte im Ruhrgebiet, die uns bekannt sind. Wir haben die Zechen verloren, die Stahlindustrie ist in der Krise, immer mehr Kirchen stehen leer. Deswegen müssen wir etwas Neues schaffen und das gelingt nur mit den Menschen, die hier leben“, so Dr. Frank Dudda. Er führte weiter aus, dass Kultur dabei den Weg zum Wandel ebnen solle.
Christian Stratmann lobte das große Engagement bei den Bürger*innen in Wanne. „Ich bin stolz darauf, dass Wanne diesen Weg geht. Da sehe ich ein großes Engagement. Das Motto hier lautet: Machen!“ Dem stimmte auch Marvin Boettcher zu, der gleich zwei große Kulturbetriebe in der Stadt betreibt. „Wir sind es hier gewohnt, auch mal zu scheitern. Und es gibt Regionen, bei denen ein Scheitern dazu führt, dass man resigniert. Das ist etwas, was wir in Herne und in Wanne-Eickel überhaupt nicht haben“, so der Theaterdirektor.
Lesung mit Çiğdem Akyol und Lina Atfah
Mit viel Applaus wurden die beiden Schriftstellerinnen Çiğdem Akyol und Lina Atfah nach ihren Lesungen in der Christuskirche vom Publikum bedacht. Moderiert wurde die Lesung und die begleitende Diskussion von Schauspieler Till Beckmann, der erst einen Tag vorher den Ehrenpreis des Literaturpreises Ruhr erhalten hatte. Den Literaturpreis Ruhr hatte Lina Atfah im Jahre 2023 gewonnen und Çiğdem Akyol im vergangenen Jahr. Damit standen drei Preisträger*innen mit Herner Wurzeln oder einem aktuellen Wohnort in der Stadt vor dem Publikum in der Christuskirche und dementsprechend hochkarätig waren die vorgetragenen Texte und Diskussionsbeiträge. Zum Abschluss der Veranstaltung ergriff Hernes Oberbürgermeister das Wort: „Wir sind unheimlich stolz, gleich drei Preisträgerinnen und Preisträger des Literaturpreises Ruhr hier auf der Bühne zu haben“, so Dr. Frank Dudda.
Auf dem Vorplatz der Kirche sorgten am Freitag noch die Darbietungen der mongolischen Auszubildenden der Firma Heitkamp für Applaus sowie am Abend die Generalprobe der Tanzproduktion „FREQUENCIES“ mit Pottporus und dem Emscherland-Akkordeon-Orchester. Der Herner Künstlerbund und die Jugendkunstschule luden zudem am Nachmittag zu spannenden Mitmach-Workshops ein. Am Samstag bot der Circus Schnick-Schnack auf dem Vorplatz eine spannende Show. An beiden Tagen öffnete zudem die GG Open Lobby gegenüber der Christuskirche ihre Türen, um Interessierte zum Gaming einzuladen. Am Samstag fand dort sogar ein Qualifikationsturnier für die Stadtmeisterschaften im eSports statt.
Talkrunde Fußballkultur
Am zweiten Tag der Manifesta am Samstag, 19. September, begeisterten die Tanztruppen von Wondream e.V das Publikum auf der Bühne vor der Christuskirche. Im Anschluss ging das Programm im Innenraum weiter, zunächst mit einer Talkrunde zum Thema Fußballkultur im Ruhrgebiet. Zu den aus Herne und Wanne-Eickel stammenden Gästen gehörten Christos Orkas, ehemaliger Fußballprofi und Scout für den VfL Bochum, sein Sohn Ioannis Orkas, ebenfalls Ex-Profi und Leiter der Fußballschule „Golden Goal Academy“, der ehemalige Bundesliga- und FIFA-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer, sowie Content-Creator Simon Schildgen, bekannt als „GamerBrother“ und einer der reichweitenstärksten deutschen Gaming- und Fußball-Streamer.
Bewegende Lesung mit Joachim Król
Im Anschluss füllte sich die Christuskirche noch weiter. Es folgte eine Lesung mit dem in Herne geborenen Schauspieler Joachim Król, der die Einladung seines Freundes Frank Dudda zu einem Beitrag gerne angenommen hatte. „Ich habe zwei sehr persönliche Geschichten aus meinem Fundus ausgesucht, die mit Herne zu tun haben und mit mir“, richtete er das Wort an die Anwesenden. Die Erzählungen drehten sich inhaltlich insbesondere um das Verhältnis zu seinem Vater. Es ging zum einen um ihre gemeinsamen Besuche bei den Spielen des Westfalia Herne und zum anderen um die eindrückliche Schilderung einer unfreiwilligen Begleitung des Vaters unter Tage. Zum Ende der ergreifenden Lesung waren sowohl der Vortragende als auch die Zuhörenden sichtlich bewegt.
Premiere zum Abschluss
Mit einem Höhepunkt endete das Manifesta-Programm vor der prachtvoll illuminierten Kulisse der Christuskirche. Für die Premiere des Tanztheaterprojekts „FREQUENCIES“ hatten sich zwei lokale Größen zusammengeschlossen: Der Pionier für Hip-Hop-Kultur „POTTPORUS“ mit seiner urbane Tanz-Crew und das traditionsreiche Emscherland-Akkordeon-Orchester Herne. Angekündigt wurde das Open-Air-Spektakel von Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda, der sich noch einmal für den unermüdlichen Einsatz aller Beteiligten bedankte: „Das waren zwei außergewöhnliche Tage!“
Hip-Hop trifft Akkordeon
Mit dem Sonnenuntergang startete die anschließende Performance – auf einer von zwei Bühnen mit Rapperin Caroabla und neun jungen Hip-Hop-Tänzer*innen und auf der anderen das Akkordeon-Orchester. Aus dem anfänglichen Nebeneinander der Darbietungen erwuchs im Verlauf ein gemeinsamer Impuls. Und diese Mischung aus Hip-Hop-Kultur und regionaler Tradition kam beim Publikum an. Mit einem großen Applaus wurde die Aufführung anschließend gefeiert – ein gelungener Abschluss für eine bunte Veranstaltung, welche die Vielfalt der Kultur im öffentlichen Raum trefflich veranschaulichte und die Menschen im Stadtteil zusammenführte.




















