Jens Schüring hat als Groundhopper schon 24 Länder bereist
Echte Fußballfans sind bei jedem Heimspiel dabei. Einige unterstützen ihren Club auch, wenn es auswärts in die Kurve geht. Jens Schüring haben es diese Fahrten in die Fremde besonders angetan. Auswärtsspiele sind seine große Leidenschaft. Fast könnte man sagen: Er ist ein Fan von Auswärtsspielen – Jens Schüring ist Groundhopper.
Der Herner ist seit Kindheitstagen ein großer Fußballfan. Viele Jahre trat er auch selbst aktiv gegen das runde Leder. Die meiste Zeit trug er dabei das Trikot der SG Stephanus. Aber auch für die Spielvereinigung Röhlinghausen, Sportfreunde Wanne und Westfalia Herne ging es für ihn um Punkte. Und um Punkte geht es eigentlich auch heute noch. Denn das Motto lautet: „Jeder Ground bringt einen Punkt.“ Mit Ground ist der Fußballplatz gemeint. Übersetzt hüpft er also von einem Platz zum nächsten. Und so sammelt der 48-Jährige im Grunde genommen Fußballplätze. Einen Punkt gibt es immer dann, wenn zum ersten Mal ein neuer Ground angesteuert wird. Schüring macht das sehr erfolgreich, wie eine imposante Zahl verdeutlicht: In mehr als 1650 verschiedenen Fußballarenen verteilt auf 24 Länder war er bisher zu Gast. „Dabei ist es ganz egal, ob man ein großes Stadion in der ersten Bundesliga besucht oder ein C-Ligaspiel auf einem Ascheplatz“, sagt der Vermessungstechniker, der bei der Stadt Herne arbeitet.

Dukla Prag

Jens Schüring´s Karte mit Fähnchen der jeweils besuchten Fussballplätze – und Stadien.

Halbemond
Zum Heimspiel nach Kaiserslautern
Während der „normale“ Fußballfanam Wochenende vielleicht eine Partie live vor Ort verfolgt, kommt das für die meisten Groundhopper nicht in Frage. Sie wollen viele Plätze besuchen in kurzer Zeit. Dokumentiert wird dies in verschiedenen Apps. „Jedes Wochenende wird akribisch geplant. Oft beginnt das erste Spiel am Sonntag schon um 11 Uhr und das letzte um 17 Uhr. Da gilt es sich gut vorzubereiten, um zwischen den Partien nur kurze Wege zu haben. Drei bis vier Begegnungen an einem Tag sind so möglich.“ Zwischen 200 und 300 Fußballspiele kommen so pro Jahr zusammen. Seit 2018 ist er bewusst als Groundhopper unterwegs. Doch schon vorher nahm er für ein Heimspiel seines Vereins lange Anfahrten in Kauf. Denn sein Fußball-Herz schlägt für den 1. FC Kaiserslautern. Und natürlich wird auch heute noch zwischendurch ein Spiel am „Betze“ eingeplant, wenn es durch Fußball-Deutschland geht.
Inter Mailand – San Siro muss noch warten
Denn als Groundhopper kommt man viel rum: Natürlich kennt der Herner alle Stadien 1 . und 2. Bundesliga. In der 3. Liga fehlen ihm noch Cottbus und der VFB Stuttgart II (Heimspiele werden in Groß Asbach ausgetragen). Gerne unterwegs ist er aber auch in der Provinz: „Man fährt über eine enge Straße im Münsterland und denkt, hier gibt es doch im Leben keinen Fußballplatz. Plötzlich steht man wie aus dem Nichts sogar vor einer kleinen Tribüne. Da geht einem das Herz auf“, schwärmt der Herner, der seine Touren oft alleine im Auto unternimmt. Dann geht es nicht selten auch in die Niederlande oder nach Belgien. Aber auch in Dänemark, Schweden, Estland, Finnland, Polen oder Lettland räumte er bereits Grounds ab. „Man verbindet das natürlich auch mit dem Urlaub. Im letzten Jahr habe ich ein Vorbereitungsspiel von Inter Mailand in Monza gesehen.“ Noch lieber wäre er nach San Siro gefahren, wo Inter normalerweise die Heimspiele austrägt.

Go Ahead Eagels Deventer

Jens Schüring mit Tochter bei der EM im Sommer 2021 in Dortmund.

SG Egels Popens (Ostfriesland)
Abgereist nach Schweden – beim FC Millwall gelandet
Aber was ist schon normal bei so einem Hobby: „Morgens sind wir mit dem Schnellbus von Dublin nach Belfast gefahren, um ein Spiel zu sehen. Plötzlich teilte
das Hotel vor der Rückfahrt nach Dublin mit, dass die Zimmer nicht mehr zur Verfügung stehen. Da standen wir ohne Hotel da. Aber das macht für mich auch
den Reiz aus. Man weiß nie, was einen erwartet.“ Das sagt wahrscheinlich hin und wieder auch seine Ehefrau über ihren fußballverrückten Mann. Im September
besuchte er einen Kumpel in Schweden. Als die Gattin wissen wollte, wie denn das Wetter in Schweden sei, schickten die beiden Fußballfans ein Selfie mit der Themse im Hintergrund. Die berechtigte Frage der Ehefrau: „Was macht ihr in London?“ Die selbstverständliche Antwort: „In Schweden gab es kein schönes Spiel. Da sind wir nach London geflogen und gucken jetzt beim FC Millwall ein Zweiligaspiel…“