Netzwerk „Spielstarke Schule“ überzeugt alle Beteiligten
Wie viele Karten bekommt jeder Mitspielende? Schon nach der ersten Runde müssen die Jungen und Mädchen der Josefschule nicht lange überlegen. „Vier!“, antworten die Kinder fast zeitgleich und haben die Regeln von „Mantis“ sofort verinnerlicht. Das Spiel wird jetzt sicherlich öfter im Klassenzimmer ausgepackt. Und das nicht nur an der Josefschule. Dreizehn weitere Bildungseinrichtungen in Herne starteten gemeinsam das Netzwerk „Spielstarke Schule“.
Ob Erich-Fried-Gesamtschule, Erich- Kästner-Schule, Realschule Crange oder Hauptschule-Hans-Tilkowski – „alle Schulformen sind eingebunden. Außerdem haben wir bereits Anfragen von weiteren Schulen, die unserem Netzwerk beitreten wollen“, freut sich Nikolai Ammann von der Kommunalen Koordination Schulsozialarbeit im Fachbereich Kinder- Jugend-Familie der Stadt Herne über einen gelungenen Auftakt.



Gemeinsam mit seinem Kollegen Thomas Schäfer hat Ammann das Netzwerk aufgebaut und organisiert nun regelmäßige Treffen für die engagierten Fachkräfte. Diesmal gibt es sogar einen Karton mit zahlreichen Spielen für die Schulen. Alle Beteiligten sind davon überzeugt, dass sich der Einsatz von Gesellschaftsspielen positiv auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen auswirkt. Denn wenn Brett-, Karten- und Würfelspiele wie „Würfelland“, „Dobble“ und „Armadillo“ auf dem Tisch landen, geht es schnell um Teamfähigkeit, Geduld, das Absprechen von Regeln und verantwortungsvolles Handeln.
Viele Lerneffekte und Kompetenzen
Es sind Aspekte, die auch Sozialpädagogin Sekina Walker von der Claudiusschule kennt: „Die Kinder müssen zum Beispiel bei einem Kartenspiel selbst mischen und austeilen. Und sie werden vor Probleme gestellt, weil der eine vielleicht versehentlich die Karte des anderen gesehen hat. Was machen wir jetzt, wie gehen wir als Gruppe damit um? Hier werden Problemlösefähigkeiten entwickelt. Aber natürlich werden durch das Spielen auch viele Schlüsselkompetenzen gefördert, wie Führungs-, Organisations- oder strategische Kompetenzen“, zeigt sich Sekina Walker als großer Fan von Gesellschaftsspielen und blickt hierbei auch auf weitere Lerneffekte. Denn geradezu spielerisch und fast nebenbei würden die Schüler*innen hierbei auch noch ihre sprachlichen oder mathematischen Fähigkeiten verbessern, wenn es darum geht, den Wortschatz zu erweitern oder Punkte zu zählen.
„Alle Beteiligten sind davon überzeugt, dass sich der Einsatz von Gesellschaftsspielen positiv auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen auswirkt.“
„Soziales Miteinander fördern“
Vor etwa einem Jahr fanden zwei Schulungen der „Brettspielakademie“ statt. „Damals hat man schnell gemerkt, dass die Fachkräfte nach der Fortbildung von dem Thema sehr angetan waren und sich weiter einbringen wollten“, erinnern sich Ammann und Schäfer zurück. Mit dem positiven Feedback war das Netzwerk geboren. Mit von der Partie ist hier auch Steffen Waschul. Der Lehrer für Deutsch und Philosophie musste allerdings auch nicht lange überzeugt werden. Im Gegenteil: Waschul ist passionierter Brettspieler und organisiert am Pestalozzi-Gymnasium in einer AG bereits Brettspieleabende. Für ihn ist das soziale Miteinander von zentraler Bedeutung: „Man spielt gegeneinander und zum Schluss hat der eine vielleicht mehr Punkte als der andere. Dennoch muss ich mich abstimmen und Regeln einhalten. Das ist für mich ganz wichtig. Wir respektieren den anderen und irgendwie schaffen wir es dann, gemeinsam an einem Strang zu ziehen und so das soziale Miteinander zu fördern“, erklärt der Lehrer, der sich bereits auf das nächste Netzwerktreffen freut.
Netzwerkarbeit mit viel Dynamik
„Hier ist wirklich eine großartige Dynamik entstanden. Außerdem ist es für mich sehr spannend, hinsichtlich solcher Projekte die anderen Schulformen kennenzulernen. Bei der einen Schule funktioniert das vielleicht gut, bei der anderen etwas anderes. Dieser Austausch ist grandios“, sagt Waschul und schnappt sich im Anschluss für seine Schule einen großen Karton. An diesem Tag geht niemand mit leeren Händen nach Hause. Mehr als 1.000 Gesellschaftspiele überreichen die Organisatoren an die beteiligten Schulen. Dort heißt es in Zukunft also immer häufiger: „Lassen wir das Spielen beginnen …“

Nikolai Ammann

Sekina Walker

Steffen Waschul