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“Wir mussten alle gleich dumm machen”

inszene

Christian Lagé spricht hier zu den Jugendlichen. © Sascha Rutzen Christian Lagé spricht hier zu den Jugendlichen. © Sascha Rutzen

Sascha Rutzen im Gespräch mit Christian Lagé von der Kreativ-Agentur anschlaege.de aus Berlin. Die Agentur hat die künstlerische Leitung von “Pottfiction” übernommen.

Siehe dazu auch “Jugendliche verändern die Welt”

inSzene: Ein Camp von Jugendlichen, für Jugendliche. War es schwierig, gemeinsam am Konzept zu arbeiten und zu Ergebnissen zu kommen? Worin lag der Reiz?

Lagé: Die Schwierigkeit und damit auch der Reiz bestand darin, alle Beteiligten in eine Situation zu bringen, von der aus sie selbst entscheiden konnten. Die Jugendlichen sind ja Experten für ihre eigenen Bedürfnisse. Die Profis vom Theater sind dagegen Experten für z.B. Projektentwicklung.

Also mussten wir Aufgabenstellungen oder Laborsituation kreieren, bei denen diese unterschiedlichen Vorraussetzungen sich nicht neutralissieren, sondern als kreativer Motor funktionieren. Das ging am Besten, wenn alle Neuland betreten haben und damit ihrer jeweiligen Expertenrollen entweichen konnten.

Im Grunde, um alle gleich schlau zu bekommen, mussten wir erstmal alle gleich dumm machen. Das ist gar nicht so einfach, weil ja niemand gerne dumm dasteht.

inSzene: Kreative Prozesse können manchmal ganz schön zäh und zermürbend sein. Glaubst du, dass die Jugendlichen es drauf haben, damit umzugehen und irgendwann selbst die leitende Funktion übernehmen?

Lagé: Das glaube ich schon. Ich denke, Erfahrung und Routine sind gar nicht so ausschlaggebend. Es geht eher darum, nicht so schnell zufrieden zu sein. Damit meine ich, sich Ziele und Fragen zu stellen, die den Rahmen der bisherigen Möglichkeiten sprengen. Diese Qualität wird Jugendlichen oft automatisch zugeschrieben. Das ist aber nicht so, eher im Gegenteil. Viele Vorschläge und Visionen sind mir persönlich zu brav, aber daran arbeiten wir ja.

inSzene: Was erhoffst du dir vom Camp in Dortmund?

Lagé: Wir werden ja viel im öffentlichen Raum arbeiten und proben und präsentieren. Das mag ich sehr, weil es immer eine Interaktion mit Menschen und Zufall gibt. Ich hoffe, dass es dabei eine handvoll guter Ideen geben wird und ausdrucksstarker, künstlerischer Formate. Naja und gutes Wetter natürlich …

inSzene: Pottfiction ist…?

Lagé: …tot, es lebe Pottfiction!

Mehr über das Projekt und seine Teilnehmer gibt es online auf inherne.net.

Das Gespräch führte Sascha Dominic Rutzen.