Newsticker

Cosar und Weise sind die neuen „Tegtmeiers Erben“

Olli Dittrich und Jürgen von der Lippe erhalten Bronze-Kappe

Özcan Cosar und Friedemann Weise heißen die Gewinner der 10. Ausgabe von „Tegtmeiers Erben“. In einer glänzenden vierstündigen Show ergatterte der Stuttgarter Cosar im mit 750 Zuschauern gefüllten Kulturzentrum in Herne den Publikumspreis, während sich die Jury für Weise entschied, den Satiriker und Liedermacher aus Köln. Die beiden Comedians kommen in den Genuss von jeweils 5.000 Euro Preisgeld.

Cosar mit interkultureller Nummer

Hernes Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda machte es zunächst spannend: Er bedankte sich bei der Familie von Manger, dass sie die Jürgen von Manger gewidmete Veranstaltung seit den Anfängen 1997 unterstützt, auch durch ihre Anwesenheit bei der Verleihung. Dann gab der OB das Ergebnis des Zuschauer-Votings bekannt: Von den 690 abgegebenen Stimmen entfielen 268 auf Özcan Cosar, immerhin 38,8 Prozent. Cosar ist den Hernern ein Begriff, brachte er sie doch schon im Oktober bei der Eröffnung der Interkulturellen Wochen zum Lachen. Und Interkulturelles ist auch das Spezialgebiet des 33-Jährigen, der seine Wurzeln am Bosporus hat. Cosar beeindruckte mit einer artistischen Einlage, bei der er Ballett und und Rap zusammenfügte – um, wie er sagte, bei seinen HipHop-Freunden anzukommen, die seine Ballettvorliebe belächelt hätten. Zudem machte er sich über die Islamophobie lustig: Die Weltreligionen hätten nur im Nahen Osten und nie in Deutschland entstehen können. „Denken  Sie an den Bademeister, der bei dem über dem Wasser wandelnden Jesus sofort einschreiten würde: Hey, Sie da, junger Mann, übers Wasser laufen ist verboten!“

  • Moderator Helmut Sanftenschneider, ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

„Weise bricht mit Erwartungen“

Im Namen der Jury überbrachte Gerburg Jahnke, bekannt durch das Kabarett-Duo „Missfits“, den Namen des Siegers: „Friedemann Weise bricht mit Erwartungen, wahrscheinlich auch mit seinen eigenen. Wenn die 15 Minuten so geplant waren, waren sie sehr gut. Wenn nicht, noch besser.“ Der 42-jährige Weise sieht sich als Vertreter der deutschen Satiropopszene (Jahnke: „Das ist wie Eiskunstlaufen ohne Schlittschuh.“). Der Kölner liefert auch Gags für die heute-Show. Übertrieben torkelnd kam er als Singer/Songwriter auf die Bühne und tauchte in hochkomische Geschichten und verquere Wortspiele ab. „Ich dachte, Sigmar Gabriel hat zwei Kilo abgenommen, aber es war Andrea Nahles.“ Oder: „Ich kann mir keine Namen und Gesichter merken. Aber wem sage ich das.“ Manchmal dauerte es, bis die Gags ankamen. Er sang das Lied von seiner Tante Polly aus Massachusets, die einen 40-Tonner-Diesel fährt, von Volkswagen auch Passat genannt. Seine Liste von verfehlten Berufen endete mit dem Satz: „Eigentlich wollte ich Priester werden. Aber nach dem Abi war Gott tot.“ Den Hinweis von Gerburg  Jahnke, sie käme wieder als Jurorin, wenn auf der Kandidatenliste fünf Frauen und ein Mann stünden, konterte Weise mit dem Satz: „Das nächste Mal bin ich als Frau dabei und heiße dann Friedefrau Weise. Wenn das Preisgeld für die OP reicht.“

Nicht durchsetzen konnten sich – trotz ebenfalls exzellenter Darbietungen – Lokalmatador Martin Fromme aus Wanne-Eickel, der mit extremen Statements über den Umgang mit Behinderten glänzte („Bei Pistorius sieht man das Sprichwort bestätigt: Lügen haben kurze Beine“), Jan Philipp Zimny, der Poetry-Slam-Meister, Katie Freudenschuss mit einer verqueren Nummer über klassisch-modern gesungene Fußballlieder und Martin Zingsheim (Die Ossis als Vorbild: „Sie haben gezeigt, wie man eine Regierung stürzen kann, ohne sie zu erschießen.“)

Die Ehrenpreisträger

Gekürt wurden bei den „Tegtmeiers Erben“, die von der Stadt Herne und den Stadtwerken Herne veranstaltet werden, auch die Ehrenpreisträger, deren Namen allerdings schon seit Monaten bekannt waren. Der ehemalige TV-Unterhaltungschef Axel Beyer übernahm die Laudatio für beide: Beyer würdigte die Karriere von Olli Dittrich (Dittsche, Die Doofen, RTL Samstag Nacht), der den „Tegtmeier-Ehrenpreis“ entgegennahm, und die Künstlerbiografie von Jürgen von der Lippe, der den Jürgen-von-Manger-Preis für ein Lebenswerk erhielt. Beiden übergab Beyer die 7,5 kg Bronze-Variante der Tegtmeier-Kappe. Vor allem Dittrich lief zu großer Form auf, als er  seine Kindheitserlebnisse und seinen Begegnungen mit Rudi Carell („Der Sketch ist nicht gut“) darbot. Jürgen von der Lippe hingegen fügte dem Kantschen Imperativ das Glück hinzu („Als das Kind in der Pizzeria gegen den Tisch rauschte, hätte die Gabel statt ins Jochbein auch ins Auge gehen können. Das ist Glück.“)

  • Laudator sowohl für Herrn Dietrich als auch für Herrn von der Lippe: Axel Beyer, ©Thomas Schmidt, Stadt Herne

Insgesamt erlebten die 750 trotz der beiden Pausen einen kurzweiligen Abend, wozu auch Helmut Sanftenschneider mit einer herausragenden Moderation beitrug.

Text: Horst Martens | Fotos: Thomas Schmidt

Weitere Fotos zum großen „Tegmeier Abend“ legt die Redaktion am kommenden Montag nach.

Siehe auch: Eiskunstlaufen ohne Schlittschuhe – die Jurybegründung