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„Wenn wir weiter schwarze Zahlen schreiben …”

Seit der Gründung von Radio Herne ist Ulrich Kohlloeffel Chef der Veranstaltergemeinschaft

Ulrich Kohlloeffel war Leiter des Otto-Hahn-Gymnasiums, Vorsitzender des Kulturausschusses und von Anfang an bis heute Vorstandsvorsitzender der Veranstaltergemeinschaft von Radio Herne. Niemand kennt den Sender so gut wie er.

inherne: Herr Kohlloeffel, niemand kennt die Sendergeschichte so wie Sie, Sie sind von Anfang an dabei?

Ulrich Kohlloeffel: Ich war die ganze Zeit dabei. Mit den Parteien und gesellschaftlichen Akteuren haben wir uns schon zwei oder drei Jahre vor der Gründung zusammen gesetzt. Im Herner Landtagsabgeordneten Helmut Hellwig hatten wir einen kühnen Kämpfer für den privaten Rundfunk. Das war nicht einfach, weil Herne das kleinste Verbreitungsgebiet war.

Siehe auch: Der beste Mix: Chronik eines langen Sendetages Vor 25 Jahren: Herne 90,acht  Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

inherne: Am Samstag, 1. September 1990, ging Radio Herne auf Sendung   …

Kohlloeffel: Für uns war alles Neuland. Es war ein einmaliges Landesrundfunkgesetz, dass es in Deutschland und auf der Welt so nicht nochmal gibt. Die Veranstaltergemeinschaft muss gutes Programm machen, damit die Betriebsgesellschaft Geld verdienen kann und umgekehrt.

inherne: Hatten Sie beim Start besondere Vorstellungen?

Kohlloeffel: Meine Vorstellung war, ein zweites Standbein für das Herner Kulturleben zu etablieren: Musikkonzerte, Literatur, Hörspiele – so was schwebte mir in meinem jugendlichen Leichtsinn vor. Von meinen Blütenträumen sind wir weit entfernt.

inherne: Hat sich das Engagement dennoch gelohnt?

Kohlloeffel: Wir sind mit Euphorie und Begeisterung gestartet. Unser Traum war, über die Fünf-Prozent-Hürde in der Hörerreichweite zu kommen. Derzeit liegen wir konstant zwischen 28 und 35 Prozent. Wir erreichen jeden Dritten im Herner Raum. Das ist weit mehr, als die schreibende Zunft jemals erreichen kann und der größte Erfolg unseres Senders.

inherne: Wissen Sie, welche Altersgruppen Sie erreichen?

Kohlloeffel: Die werbewirksame Kernzielgruppe ist die zwischen 14 bis 49 Jahren. Aber wir sind eine alte Stadt und haben einen starken Hörerzuspruch bei den „Älteren”, im Alter zwischen 49 bis 65 Jahren. Der WDR hat für jedes Alter einen Sender. Wir müssen mit einer Frequenz alles abdecken.

inherne: Worin sehen Sie persönliche Ihre Herausforderungen?

Kohlloeffel: Es ging ja um verwaltungsorganisatorische Aufgaben. Wir hatten keine Satzungen, es gab absolut nichts. Alles musste erstellt werden. Ich war damals, und bin das ja auch heute noch, jeden Tag ein bis zwei Stunden im Sender. Die Verbundenheit mit den Mitarbeitern ist wichtig, die Sorgen und Nöte, aber auch das Gespräch mit den Redakteuren, jederzeit Ansprechpartner sein, bei rechtlichen oder anderen Problemen.

inherne: Wie positioniert sich Radio Herne in der Gesellschaft?

Kohlloeffel: Wir müssen mit der Wirtschaft, mit allen zusammenarbeiten, ohne dass wir hinter deren Meinung hinterher laufen oder Rathausfunk sind. Wir sind sehr selbstständig. Was den Redakteuren auffällt, das schreiben sie aus ihrer Sicht. Zusätzlich haben wir den Bürgerfunk, der sich hier sehr gut und einvernehmlich in Kooperation mit der VHS etablieren konnte.

inherne: Was hat sich geändert in den 25 Jahren?

Kohlloeffel: Wir hatten zeitweise viele Sportsendungen, Live-Übertragungen vom Eishockey und Fußball. Wir wissen aus allen Umfragen: Sport ist ein absoluter Quotenkiller, vor allem auf lokaler Ebene. Über die überregional bedeutenden Mannschaften berichten wir, das sind Imageträger für die Stadt. Sport hat sich aber auf Dauer nicht getragen und ist auch kaum finanzierbar.

2014 ist es uns gelungen, schwarze Zahlen zu schreiben. Ich habe hier von der LFM (Landesanstalt für Medien) den Verlängerungsbescheid. Das ist eine Lizenz für zehn Jahre, obwohl sonst nur Lizenzen für fünf Jahre gewährt werden. Wenn wir weiter solche schwarze Zahlen schreiben, muss es eine Personalaufstockung geben, weil es dringend notwendig ist.

inherne: Ein zusätzlicher Redakteur?

Kohlloeffel: Ich denke. Die Aufgaben werden immer vielfältiger. Die klassische Rundfunkausbildung gibt’s nicht mehr. Unsere Leute müssen auch im Internet perfekt sein, sie müssen schreiben und sprechen können, sie müssen alle Bereiche – Nachrichten, Kommentare, Moderation – beherrschen, sie sollten eigentlich auch immer die Kamera dabei haben, damit sie Livebilder sofort ins Internet stellen können. Sie müssen alles können! Die ganzen sozialen Netze sollen sie bedienen.

Auch die Hörer haben sich geändert. Die jungen Leute haben so ein kleines Gerät und hören in der ganzen Welt Radio Herne 90acht. Christine Schindler, unsere Chefredakteurin, war im Urlaub in Südafrika und hat genau hören können, was wir morgens hier senden. – Im Radio und in den anderen Medien wird sich so viel ändern, das von den Grundvorstellungen des schönen alten Dampfradios nicht mehr viel übrig bleibt.